Speyer
„Wahlgefühl“ trotz Maske und Abstand
Sonntag, 14.45 Uhr. Auf dem Parkplatz vor der Dudenhofener Festhalle, in der die Wahllokale 102 und 103 untergebracht sind, herrscht ein Kommen und Gehen. Eine Frau mit Maske und Zettel wartet vor der Eingangstür, eine andere verlässt den Saal durch die Hintertür. Maximal drei Wähler dürfen sich gleichzeitig im Wahllokal aufhalten – mit Maske und zwei Meter Abstand versteht sich. Wirkliche Wartezeiten habe es bisher aber keine gegeben, sagt Hartmut Lardon, stellvertretender Wahlvorsteher des Bezirks 102. Insgesamt seien bislang vergleichsweise wenige Wähler in Präsenz erschienen – 168 lautet der Zwischenstand. Dagegen hätten von den 1612 Stimmberechtigten des Bezirks 963 die Briefwahl beantragt. „Wie erwartet haben wir in diesem Jahr extrem viele Briefwähler“, sagt Lardon. Lobenswert sei insbesondere die Disziplin der vorbeikommenden Wähler. „In keinem Fall hat sich bisher jemand geweigert, eine Maske zu tragen, alle hatten sie schön über der Nase sitzen“, berichtet der stellvertretende Wahlvorsteher. Sogar die Polizei habe einmal kurz durchs Fenster reingeschaut, sei aber direkt wieder gefahren, als sie gesehen habe, dass alles friedlich ist, sagt Lardon.
Vor allem ältere Briefwähler
„Auffallend ist, dass insbesondere ältere Menschen über 70 Jahre Briefwahl beantragt haben“, sagt Reinhard Burck, Wahlvorsteher des Bezirks 102. Da sein Stimmbezirk zu den 200 ausgewählten Stimmbezirken des Landes gehört, die zusätzlich an der repräsentativen Wahlstatistik teilnehmen, werden durch einen Unterscheidungsaufdruck auf dem Stimmzettel zusätzliche Daten zum Geschlecht und der Altersgruppe der Wähler gesammelt. Ein klares Bild zeichnet sich bei den Briefwählern ab: Mit zunehmendem Alter wird der Anteil derselben größer. „Jüngere kommen eher zum Wählen in Präsenz vorbei“, schlussfolgert Wahlvorsteher Burck.
15.10 Uhr. Mittlerweile hat sich sogar eine kleine Schlange von vier bis fünf Menschen vor dem Eingang der Festhalle gebildet. Wähler Hans Georg Pfeifle kommt gerade aus dem Wahllokal, seine Tochter Karina wartet bereits davor. Warum sich die beiden entschlossen haben, vor Ort zu wählen? „Meine Tochter ist gerade 18 Jahre alt geworden“, erzählt der Dudenhofener stolz. „Damit sie auch das Wahlgefühl einmal verspürt und sieht, wie gewählt wird, wollten wir ins Wahllokal kommen.“
Viele Urnenwähler
15.30 Uhr. Salierschule Speyer. Große Schilder lotsen die Wähler auf dem Pausenhof in die verschiedenen Wahlräume. Drei sind im Schulgebäude untergebracht, zwei in der Sporthalle. Manch einer irrt etwas verloren hin und her, bis er den richtigen Raum gefunden hat. „Falschläufer“ habe es heute schon einige gegeben, sagt Daniela Müller, stellvertretende Wahlvorsteherin vom Wahlbezirk 182. Zwar regeln Absperrbänder, Turnkästen und Bodenmarkierungen das Einbahnstraßensystem, doch trotzdem bögen einige falsch ab.
„Es sind bisher erstaunlich viele Urnenwähler gekommen“, berichtet Müller. „Wir haben mit deutlich weniger gerechnet.“ 225 Wähler hätten bisher ihre Stimme vor Ort abgegeben, 385 die Wahl per Brief beantragt. Überrascht habe sie überdies, dass erstaunlich viele ältere Menschen, teils mit Rollator, erschienen seien. „Vermutlich sehen die Leute den Wahlgang als Möglichkeit, mal rauszukommen“, mutmaßt Beisitzerin Stefanie Raab. Vorfälle habe es keine gegeben. „Ein paar Mal mussten wir darauf hinweisen, die Maske über die Nase zu ziehen, aber Diskussionen gab es keine“, berichtet Müller.
Als „absolut vorbildlich organisiert“ bezeichnet Wähler Michael Müller den Ablauf des Urnengangs. Er stufe die Gefahr, sich im Wahllokal zu infizieren, sehr gering ein und habe sich deshalb entschieden, vor Ort seine Stimme abzugeben. Und auch Wähler Andreas Forler bestätigt: „Manche Dinge erledige ich einfach lieber persönlich vor Ort.“