Speyer VW-Liebhaber unter sich
Der Glanz in den Augen verrät Johannes Jochem. Der Schriftführer der Schlepperfreunde Römerberg ist in diesem Jahr für die Sonderausstellung beim Oldtimertreffen auf dem Vereinsgelände des FV Berghausen zuständig und hat sich als Thema Volkswagen ausgesucht. Käfer, Busse, Bullis – trotz Regens haben sich gestern etliche Liebhaber mit ihren Raritäten eingefunden und bereiten dem VW-Fan Jochem damit eine Riesenfreude.
„Ich habe selbst früher Bulli gefahren und ärgere mich bis heute, dass ich ihn verkauft habe“, verrät Jochem, wie er auf das Thema der diesjährigen Sonderschau gekommen ist. Ins Schwärmen kommt er heute noch, wenn er von seinem Mitte der 1980er-Jahre verkauften VW berichtet. Der Boxer-Motor ist es, der Jochem nach wie vor fasziniert. „Der macht den Klang und der macht es aus“, betont er mit einem Lächeln. Dass sich der Schlepperfreund dennoch dazu entschlossen hat, auf ein moderneres Vehikel umzusteigen, lag an der allgemeinen Entwicklung. „Der Bulli hat 16 Liter Benzin auf 100 Kilometern geschluckt – das war damals nicht mehr zeitgemäß“, sagt Jochem und lässt trotzdem keinen Zweifel daran, dass ihm sein Herzstück von damals immer noch fehlt. Immerhin fuhr er schon in der Fahrschule einen VW Käfer. „Der VW verbindet die Jugend. Als junger Kerl war ich mit Tauchausrüstung in Portugal und Spanien. Wir hatten unser Hotel auf vier Rädern immer dabei“, erinnert sich Jochem. Draußen auf dem Hartplatz haben sich Oldtimerfahrer eingefunden, die die Liebe zum VW bestens nachvollziehen können. Markus Wingerter beispielsweise, der seinen roten VW-Bus seit Anfang des Jahres fährt. „Die Farbe ist noch original“, erklärt der sympathische Familienvater, der das gute Stück mit seiner Frau in den kommenden Wochen auf Vordermann bringen möchte, um darin mit den beiden Kindern in den Urlaub zu fahren. Die fünfjährige Lisa behauptet jetzt schon ihren Platz im Kindersitz auf dem altehrwürdigen Leder. Schwesterchen Emma (1) scheint ebenfalls angetan vom Oldie. „Mir gefällt die einfache Technik. Ein Computer ist nicht notwendig, um Fehler auszulesen oder etwas einzurichten“, stellt Wingerter fest. Und er verrät, wie er auf den VW gekommen ist: „Das war durch den Film ,Herbie`, den ich als Kind gesehen habe.“ Inhaltlich dreht der sich um einen VW Käfer, der als gewaltige Rennkiste durch die Lande flitzt. Einen Käfer hat Wingerter ebenfalls in der Garage stehen. Nach Römerberg zum Schleppertreffen ist der 32-Jährige in Gemeinschaft mit den Oldtimerfreunden Kuhardt gefahren. Aus allen Himmelsrichtungen sind die Teilnehmer des Treffens gekommen, dem nasskalten Wetter trotzend. Benjamin Eppler (27) ist aus Schönau in Baden-Württemberg mit seinem VW, Baujahr 1972, angereist. Der zweite Käfer in seinem Leben ist das: „Den ersten habe ich mit 18 Jahren bekommen, als ich den Führerschein gemacht habe“, berichtet er. Das Käfer-Gen liegt in der Familie. Auch Epplers Vater setzt auf den Volkswagen-Typ. „Das Fahrgefühl ist einfach anders. Es ist ursprünglicher“, sagt der Baden-Württemberger. Die einfache Technik ist auch, was Markus Dreier (44) aus Ludwigshafen begeistert: „Wenn der Käfer am Straßenrand liegen bleibt, kann man ihn wenigstens wieder auf Vordermann bringen“, sagt er. Ein besonders gewitzt ergänztes Modell hat er zum Treffen mitgebracht: Nicht nur der Hauptwagen, Baujahr 1974, in quietschgelb fällt auf, sondern zusätzlich der entsprechend aufbereitete Anhänger, den Dreier selbst aus einer alten Karosserie gebaut hat. Bei der Freiluftveranstaltung dient er dem Oldtimer-Freund als regensicherer Unterschlupf, in dem gemütlich Musik gehört werden kann. Obgleich der Frühling sich eine Auszeit genommen hat, ist der Vorsitzende der Schlepperfreunde, Matthias Kinscherff, zufrieden mit der Resonanz. „Wir hatten schon 4000 Besucher auf dem Platz, aber selbst heute sind unsere Erwartungen angesichts des Wetters übertroffen worden“, versichert er. Dreimal in Folge habe der Verein mit Regen zu kämpfen gehabt, im direkten Vergleich sei die Veranstaltung gestern die beste gewesen. Auch Jochem ist begeistert von der Resonanz. „Es sind wirklich etliche Raritäten dabei“, sagt er und seine Augen glänzen wieder.