Speyer Vorbildliches Zusammenleben

Traditionell gewandet: Die Vielfalt der Nationen war bei der Eröffnung des neuen Zentrums augenfällig.
Traditionell gewandet: Die Vielfalt der Nationen war bei der Eröffnung des neuen Zentrums augenfällig.

Mit dem Interkulturellen Haus, das am vergangenen Wochenende eröffnet worden ist, hat Mannheim neuerdings ein Zentrum für Einwanderer, das ausschließlich durch Eigeninitiative von Migrantenvereinen getragen wird. In der ehemaligen Elementary School auf dem Benjamin-Franklin-Gelände bieten sie gemeinsame Bildungsprogramme an.

Welche Vielfalt an Menschen aus unterschiedlichen Ländern es in der Quadratestadt inzwischen gibt, war nicht zu übersehen. In den Tanzgruppen kamen Jugendliche in den landestypischen Trachten aus Bulgarien, Kurdistan, Eritrea und Ghana zusammen. In der Menge der Besucher, die zur Eröffnung des Interkulturellen Hauses gekommen waren, mischten sich alle Hautfarben. Es herrschte ausgelassene Stimmung. Vor dem Bezug der Räume stand im März 2017 die Gründung des Vereins Interkulturelles Haus Mannheim (IKHM). „Unser Ziel ist es, die Menschen zusammenzubringen. Man hat nur Angst vor etwas, das man nicht kennt“, sagt die 28-jährige Baren Alpayci aus Kurdistan, die zusammen mit der 44-jährigen Aneliya Doeva-Neumüller aus Bulgarien den Vorsitz übernommen hat. Das Interkulturelle Haus soll als Dachverband für die Migranten fungieren. Wie das aussehen kann, haben die Vereine bereits in den vergangenen Jahren gezeigt. Die sieben Gründungsmitglieder sind nämlich allesamt selbst Vereine. Dabei sind ein bulgarischer Bildungs- und Kulturverein, ein kurdischer Verein, ein eritreischer Verein, die Ghana Union Mannheim/Ludwigshafen, der südamerikanische Kulturverein Tierra Incognita und die deutsch-kroatische Gesellschaft. Die Mitglieder der Vereine hätten sich bei einem Migrationsforum der Stadt kennengelernt, sagt Doeva-Neumüller vom bulgarischen Kulturverein. Sie hätten gemerkt, dass alle das Gleiche machten: Elternarbeit, Bildungsarbeit, Beratung. „Wir haben uns gesagt, dass es effektiver wäre, unsere Kräfte zu bündeln.“ Über die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP kamen sie an die Räume der früheren Elementary School. „Das Besondere ist, dass das Interkulturelle Haus ausschließlich von Migrantengruppen gegründet worden ist. So etwas gibt es meines Wissens in keiner anderen Stadt“, freute sich Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). In einer Stadt mit Menschen aus 170 Nationen sei nicht nur das Verhältnis zur deutschen Mehrheitsgesellschaft wichtig. Ebenso wichtig sei auch das Verhältnis der Migrantengruppen untereinander, betonte Kurz bei der Eröffnung. In den neuen Räumen bieten die Vereine Beratungen zu Bildung, Schule, Elternarbeit oder Gewaltprävention. Kinder und Jugendliche können unter Anleitung basteln und malen. Ein großer Versammlungsraum bietet Platz für Veranstaltungen. „In unserem Haus können noch weitere Vereine mitmachen“, sagt Vereinsvorsitzende Baren Alpayci. Ein portugiesischer und ein italienischer Verein hätten schon Interesse gezeigt mitzumachen, berichtet sie. Aber auch ein deutscher Verein sei selbstverständlich willkommen. Sie sei im Alter von acht Jahren vor Saddam Hussein mit den Eltern aus Kurdistan geflüchtet und nach Heilbronn gekommen, erzählt die 28-Jährige Baren Alpayci. Seit 2006 lebe sie in Mannheim. Hier habe man sie noch nie gefragt, woher sie „eigentlich“ komme, stellt die junge Frau fest. In Mannheim sei die Gesellschaft offener. Auch deshalb hätten sich die Vereine getraut, so etwas wie das Interkulturelle Haus aufzuziehen, sagen die beiden Vereinsvorsitzenden.

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