Speyer Vor 800 Jahren: Franziskanerorden erscheint in Speyer

Trägt den Heiligen im Namen: Papst Franziskus.
Trägt den Heiligen im Namen: Papst Franziskus.

Spira oder Speier, wie sie im Mittelalter hieß, ist von vielen religiösen Strömungen als eine der ersten Städte ergriffen worden. An das Erscheinen des Franziskanerordens in der Region vor 800 Jahren erinnert das Bistum Speyer.

„2021 jährt sich zum 800. Mal die Ankunft der ersten Franziskanerbrüder in Deutschland“, informiert Mathias Köller vom Bistumsarchiv. „Ein frühes Zentrum ihres Wirkens war Speyer – und ein Speyerer spielte eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung des Ordens“, teilt er mit. Die Franziskaner zählen neben den Dominikanern, Augustinereremiten, Karmeliten und später den Serviten zu den sogenannten Bettelorden, einer damals neuen Erscheinung. „Der Name rührt daher, dass die Mönche vollständig von milden Gaben der Bevölkerung lebten“, erklärt Köller.

Bettelorden und die im 12. und 13. Jahrhundert vermehrten Stadtgründungen hätten in engem Zusammenhang gestanden. „In den volkreichen Städten war ein starkes Bedürfnis nach Seelsorge und gleichzeitig waren die Möglichkeiten zum Leben von der ,Hände Arbeit’ eingeschränkt. Zugleich ermöglichte die städtische Lebensform mit ihren vielseitigen Erwerbsmöglichkeiten in Handel und Handwerk den Bau neuer Kirchen und Klöster und die Entstehung eines Stiftungswesens“, führt Köller aus. Am weitesten fortgeschritten war die Stadtwerdung im Rheintal. Dort, wo die bischöflichen Zentren lagen – von Chur und Basel am Hochrhein, über Straßburg, Speyer, Worms und Mainz am Oberrhein nach Köln und Utrecht am Niederrhein.

Pionier: Cäsarius von Speyer

Die pfälzische Bischofsstadt besitzt einen frühen Gefährten des Franziskus oder Franz von Assisi: den im Franziskanerorden als Seligen verehrten Cäsarius von Speyer. Er wurde im Pfingstkapitel von 1221 durch den 1228 heiliggesprochenen Franziskus nach Deutschland geschickt, erinnert Köller. „Cäsarius, der Überlieferung nach ein Speyerer Domprediger aus dem Umfeld des Domdekans Konrad, der später einer der bedeutendsten Hildesheimer Bischöfe werden sollte, erfüllte den Auftrag im Herbst des Jahres 1221“, teilt er mit. Über Trient, Bozen, Brixen, den Brenner und Tirol gelangte Cäsarius mit seinen Wegbegleitern nach Augsburg. „Dort hielten sie ein Kapitel ab, in dessen Folge je zwei Brüder nach Würzburg, nach Speyer, Straßburg, Bonn und Salzburg gesandt wurden“, informiert der Bistumsarchiv-Mitarbeiter.

Über die Entwicklung des Franziskanerordens informiert die Chronik des Jordan von Giano. Das bis 1262 reichende Werk gilt als eine der wichtigsten Quellen für die Ausbreitung des Ordens nördlich der Alpen, wie Köller betont. Der in Spoleto, der Partnerstadt Schwetzingens, geborene Cäsarius soll dem Orden 1217/18 beigetreten sein. „Zunächst in Salzburg predigend reiste er 1222 über Würzburg, Mainz und Worms nach Speyer. Hier empfing er 1223 die Priesterweihe und wurde Guardian des Speyerer Konventes. Die Franziskaner sind damit unter den vier in Speyer ansässigen Bettelorden der am Standort älteste“, heißt es.

Erste Unterkunft in Haus für Leprakranke

Der Konvent hatte vermutlich in einem Haus für Leprakranke, das außerhalb der Stadtmauer an der Straße nach Berghausen lag, seine erste Unterkunft. Dort sei 1223 das zweite deutsche Provinzialkapitel – nach 1222 in Worms – abgehalten worden. „Ein bald darauf von dem Kanoniker Vither/Dieter im an der südlichen Stadtmauer gelegenen Allerheiligenstift gestiftetes Haus könnte schon im Areal des späteren Klosters gelegen sein. Es umfasste ein Gebiet, das in etwa dem späteren Stiftungskrankenhaus entspricht“, teilt Köller mit.

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