Speyer Von Weintor zu Weintor
Speyer. Speyer und die umliegenden Gemeinden unterhalten vielfältige Beziehungen zur ganzen Welt. Die Stadt pflegt gleich sieben offizielle Partnerschaften, aber auch Dudenhofen und Martell, Harthausen und Uchizy, Hanhofen und Kondoros und und und tragen zur Völkerverständigung bei. Darüber hinaus knüpften Sportvereine ihre ganz eigenen Kontakte. Wir stellen sie vor. Heute: die Radfahrer aus Speyer und Troyes.
Gerade ist das Jahrestreffen des RC Vorwärts und des Veloclubs St. Julien Troyes in Speyer zu Ende gegangen. Lange währt die Verbindung über die Landesgrenzen hinweg bereits. Reinhold Amann, der sie vor 19 Jahren federführend mit ins Leben rief, erinnert sich noch gut an den glücklichen Zufall, der die Räder ins Rollen brachte. „Damals haben wir zum ersten Mal eine Radtouristikfahrt angeboten. Ein Lehrer aus Ludwigshafen hat damals angerufen und um die Teilnahme eines Sportkollegen aus Frankreich gebeten“, berichtet Amann. Dagegen hatte keiner etwas, im Gegenteil. Lediglich der Wettergott spielte nicht mit. „Unsere erste Veranstaltung war komplett verregnet“, denkt der Domstädter zurück. Bei gerade mal knapp 15 Startern blieb an dem Tag genug Zeit, um mit dem Franzosen ins Gespräch zu kommen; mit langfristigen Folgen positiver Art, wie sich heute zeigt. Die persönlichen Kontakte nach Troyes liefen zunächst über Ludwigshafener Radfahrer, wie Amann erklärt. „Wir sind gemeinsam zu einer Rundfahrt gestartet, die uns nach St. Julien führte. Dort haben wir zum ersten Mal Champagner getrunken“, verrät er. Denn genau in der Gegend – der Champagne – sei der kleine Vorort von Troyes im Norden Frankreichs zu finden. „Die Altstadt sieht aus wie ein Korken“, merkt Amann verschmitzt an. 1997 sei die erste Rundfahrt von Speyer aus gestartet. „Etliche Franzosen haben in der Turnhalle der Berufsbildenden Schule übernachtet“, sagt der Koordinator der deutschen Seite. 160 Kilometer seien damals zurückgelegt worden, von Speyer aus sei man von Weintor zu Weintor gefahren. Ein Jahr später habe der Gegenbesuch in Troyes stattgefunden. Das Wechselspiel ist seither gleich geblieben. „In geraden Jahren fahren wir rein, in ungeraden kommen sie raus“, fasst Amann zusammen. Nachdem die Teilnahme an den Radtouristikfahrten (RTF) des befreundeten Veloclubs aufgrund strenger Reglementierungen immer schwieriger geworden sei, hätten sich beide Seiten dazu entschlossen, eigeninitiativ gemeinsame Fahrten zu organisieren. „Dabei werden natürlich kulturelle Inhalte eingebunden“, stellt Amann heraus. In den Sinn kommt ihm beispielsweise der Besuch des Charles-de-Gaulles-Memorial in Colombey-les-Deux-Églises. Das knapp 700-Seelen-Örtchen liegt gut 260 Kilometer von Paris entfernt. „Das war sehr interessant und ich würde jedem empfehlen, es einmal zu besuchen“, hebt Amann hervor. Er selbst habe sich im Vorfeld nicht vorstellen können, wie viel Neues die Speyerer dort über den französischen Staatsmann und seine Bindung zu Deutschland – in dem Fall zu Konrad Adenauer – erfahren würden. Ebenfalls einprägsam sei der Rundgang durch das Burgbauprojekt Guédelon zwei Jahre später gewesen. Nach dem Prinzip experimenteller Archäologie sei das Gemäuer in Treigny an das 13. Jahrhundert angelehnt. Unvergessen für Amann: „Das Feuerwerk zum Nationalfeiertag – das ging eine Dreiviertelstunde lang. Sowas hab’ ich noch nie zuvor gesehen.“ Im Gegenzug hätten die Mitglieder des RC Vorwärts beim Besuch der französischen Radfahrer Ausflüge nach Heidelberg zum Schloss in Flammen oder auf den Trifels organisiert. In diesem Jahr standen Führungen im Speyerer Technik-Museum und in der Festung Germersheim auf dem Plan. Ein Stück Gelassenheit hat Amann selbst von den französischen Freunden gelernt. „Einer sagte mir: Wir Franzosen arbeiten um zu leben, ihr Deutschen lebt um zu arbeiten“, berichtet er. Der Satz habe sich bei ihm eingebrannt. Die Gastfreundschaft in Troyes beeindruckt Amann außerdem immer wieder. Und er ist froh, dass die beiden Völker gut miteinander auskommen, trotz kriegerischer Auseinandersetzungen in der Vergangenheit. Wichtig seien derlei Freundschaften gerade vor dem Hintergrund des Strebens nach einem vereinten Europa. „Wenn die Kleinen sich einig sind, dann werden sich irgendwann auch die Großen einigen“, ist er sich sicher. Amann organisiert die Verbindung, die er einst mit Danielle Chaumont und William Odin ins Leben rief, weiter mit Herzblut. „Die Partnerschaft ist gewachsen und ich möchte, dass sie irgendwann von einem jungen Nachfolger weiter getragen wird“, hebt der Speyerer hervor. (xsm)