Speyer Vollgas mit Bremsklötzen

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Speyer hat noch riesige Potenziale in Sachen Tourismus. Und: Ein weiteres Hotel würde keinem schaden. Diese Sätze waren immer wieder zu hören bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK). Nur: Der richtige Investor und teils auch die richtige Einstellung fehlen noch. Alle Beteiligten geloben Besserung.

„Jedes neue Hotel in Speyer schadet den alten überhaupt nicht“, betonte Gereon Haumann, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Rheinland-Pfalz, bei einer Sitzung der IHK-Tischrunde Speyer am Mittwochabend. Er riet, in die Nische zu gehen, ans obere und untere Ende der Sterne-Skala, oder auf ein besonderes Konzept zu setzen. Auch die Stadt hat den Bedarf erkannt und in einem Gutachten belegt bekommen. Fachmann Cornelius Obier, der die Stadt berät, plädierte für das Segment oberhalb von drei Sternen. „In Speyer haben wir ohnehin keinen Platz mehr für eine Bettenburg“, sagte Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU). Gespräche mit möglichen Investoren liefen, so der OB, er rechne jedoch in diesem Jahr mit keiner Entscheidung mehr. Ein Hauptproblem bestehe darin, die gewünschten Gelände zur Verfügung zu stellen. Mit bereits in Speyer ansässigen Hoteliers werde über Erweiterungen gesprochen. Seine 25 Betten in weiten Teilen des Jahres vollbelegt hat Stefan Walch, Betreiber des Hotels „Alt Speyer“ und Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands. Er vermittle Anfragen für diese Phasen dann an Kollegen vor Ort weiter. In der Podiumsdiskussion sagte Walch über ein mögliches weiteres Hotel dennoch: „Ein ganz heikles Thema.“ Die Angst vor neuen Wettbewerbern sei verständlich, aber im Speyerer Fall unbegründet, sagte Obier. Aus Stadt-Sicht könnte eine Neuansiedlung aber wichtige Impulse geben. Das Potenzial sei da: Von zwei Millionen Tagestouristen in Speyer im Jahr könnten bei entsprechendem Angebot noch viel mehr als bisher zu einem Wiederkommen angespornt werden. IHK-Referentin Ruth Scherer stellte die Entwicklung des Fremdenverkehrs in Speyer als Erfolgsgeschichte dar. Anders als die Kennwerte für ganz Rheinland-Pfalz wiesen die touristischen Zahlen im vergangenen Jahrzehnt nach oben: „Allenfalls Trier hat in Rheinland-Pfalz noch solch große touristische Potenziale wie Speyer“, betonte Jürgen Vogel, Geschäftsführer der IHK Pfalz. Er riet, mehr zu wagen und mehr zu werben: „Auch Speyers Erfolg ist irgendwo endlich.“ Die Stadt habe derzeit eine hohe Bettenauslastung von 48 Prozent, aber mit 1,7 Tagen eine eher kurze mittlere Aufenthaltsdauer der Besucher. „Vollgas geben“, so Haumanns Appell. OB Eger machte klar, dass dies so einfach nicht sei. Zum einen müssten die touristischen Ziele mit dem noch zu erstellenden Stadtmarketing-Leitbild abgeglichen werden – und da könnten die Bürger oder das produzierende Gewerbe andere Anliegen haben. „Wir müssen skeptischen Bürgern klarmachen, dass der Tourismus kein Schaden ist“, sagte Eger. Leistungsträger müssten mehr als bisher investieren sowie kreative Veranstaltungen planen. Zumindest die Diskussionsteilnehmer wollen nun gemeinsam motivieren und „rühren“. Speyer zuliebe. (pse)

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