Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Vogelzählung: Domstadt liegt unter dem Schnitt, Trichomonaden-Alarm bleibt aber aus

Haussperlinge in einer Vogeltränke: längst keine Selbstverständlichkeit mehr, denn die Anzahl der Tiere geht offenbar zurück.
Haussperlinge in einer Vogeltränke: längst keine Selbstverständlichkeit mehr, denn die Anzahl der Tiere geht offenbar zurück.

Entwarnung bei den Finken, Negativtrend bei den Sperlingen: Bei einer Vogelzählung liegt Speyer in Bezug auf diese Arten im Landestrend – und sonst teils unter dem Schnitt.

Im Stadtgebiet von Speyer haben 51 Teilnehmer bei der vom 8. bis 10. Mai laufenden Aktion „Stunde der Gartenvögel“ des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) in 23 Gärten und sonstigen Grünflächen insgesamt 575 Vögel gezählt. Auf den ersten drei Plätzen der Rangliste der häufigsten Arten finden sich Haussperling mit 78 Individuen (minus neun Prozent) gefolgt von Amsel sowie Straßentaube mit jeweils 64 Exemplaren (plus 13 beziehungsweise plus 45 Prozent). Der Feldsperling taucht mit sieben Individuen erst an 18. Stelle auf (minus neun Prozent).

Die Rückgänge bei den Spatzen, also den Haus- und Feldsperlingen, die vor wenigen Jahren noch weit verbreitet waren, setzen sich nicht nur in der Domstadt, sondern auch landesweit fort, wie Klara Harres vom Nabu Rheinland-Pfalz mitteilt. Im Land hat der Haussperling, obwohl er noch die Rangliste anführt, demnach „einen Verlust von zehn Prozent zum Vorjahr eingefahren“, sagt Harres.

Der Schwund dieser und weiterer einstmals häufiger Arten „könnte ein Alarmsignal für den Zustand der Natur in unseren Siedlungen sein“, erklärt sie – und nennt den Mangel an Nahrung sowie Nistgelegenheiten als Gründe dafür. Als weitere Beispiele für Arten, die von dem Sterben betroffen sind, führt Harres die Mauersegler und die Mehlschwalben an. Erstere liegen im Land auf dem zehnten Platz und sind im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent zurückgegangen. Die Mehlschwalben finden sich auf Rang acht und weisen einen Verlust binnen Jahresfrist von zehn Prozent aus.

Befürchtung bestätigt sich nicht

In Speyer scheint es den Gebäudebrütern etwas besser zu gehen: Hier liegen Mauersegler an vierter (plus 13 Prozent) und Mehlschwalben an neunter Stelle (plus neun Prozent).

Das von den Vogelexperten des Nabu nach etlichen Funden toter Finken an Futterhäuschen im Winter befürchtete Grassieren der krankheitserregenden Trichomonaden, einzelliger Parasiten, unter den Finken, hat sich den Angaben zufolge nicht bestätigt. Mit einem Plus von einem Prozent ist der Buchfinken-Bestand im Land stabil (Platz 17). Und bei den Grünfinken ist der Rückgang mit 14 Prozent relativ gering (Platz 16). In Speyer ist die Lage noch erfreulicher: Der Grünfink liegt hier auf Platz zwölf (plus 526 Prozent) und der Buchfink auf Rang 17 (plus 83 Prozent).

Christoph Kohler von der Kreisgruppe Speyer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gehört zu den 51 Teilnehmern an der Aktion in Speyer. Gemeinsam mit zwei weiteren Naturfreunden hat er eine Stunde lang Vögel am Russenweiher gezählt. „Begeistert haben uns vier plüschig wirkende, kastanienbraune Zwergtaucher. Sie gelten in Rheinland-Pfalz als stark gefährdet (Rote-Liste-Kategorie zwei). Das zeigt auch, dass es derzeit genügend Wasserinsekten, Insektenlarven, Schnecken, Kaulquappen und kleine Fische geben muss, sodass sie genügend Nahrung finden“, sagt Kohler. Zu den weiteren Wasservögeln am See zählt er Blässhuhnküken. Überhaupt sei das Gewässer bei Vertretern dieser Gruppe, zu der auch Teichhühner und Kormorane gehören, beliebt.

Vögel jagen auf Wasseroberfläche

„Außerdem haben wir junge Blaumeisen in den Weiden entdeckt. Toll zu sehen war außerdem, wie Mehl- und Rauchschwalben sowie Mauersegler dort an der Wasseroberfläche trinken oder Wasserinsekten jagen – im rasanten Flug knapp über der Wasseroberfläche“, berichtet Kohler. Er fährt fort: „Bei den Zahlen für Speyer muss man festhalten, dass wir beim abnehmenden Trend der Haussperlinge dabei sind: Sie sind zwar noch in circa 85 Prozent der Gärten, die Anzahl der beobachteten Vögel pro Garten liegt aber nur noch bei 3,4. Die Ursache hierfür sind der Verlust von Nistplätzen wie Spalten und Ritzen unter Dächern, aber auch die knappe Nahrung.“ Insekten, Spinnen oder Larven gehörten zur Ernährung.

Insgesamt hat Kohler einen positiven Eindruck von der Artenvielfalt in Bezug auf Vögel in Speyer. „Wenn man sich in einer der Parkanlagen oder Grünflächen ein wenig Zeit nimmt, wird man eine Vielzahl an Vögeln entdecken können“, sagt er. Die bei der „Stunde der Gartenvögel“ für die Stadt ermittelte unterdurchschnittliche Zahl von 25 Vögeln pro Zählgebiet möchte der Naturschützer nicht überbewerten. Dafür seien verschiedene Gründe denkbar, die sich aber nicht erhärten ließen. Landes- und bundesweit liegt der entsprechende Durchschnitt bei 28 Vögeln.

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