Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Vier Rettungsaktionen für Bienenvölker am Wochenende

Ab in die Hecke: Einsatz im Erlich.
Ab in die Hecke: Einsatz im Erlich.

Bei den Honigbienen ist Schwarmzeit. Und Speyerer Bienen sind idealtypisch: An den ersten richtig warmen Tagen Ende Mai sind mehrere Teilvölker ihren Königinnen gefolgt und haben im Stadtgebiet Einsätze für die Feuerwehr und für Imker verursacht. Es gibt gute Gründe dafür, warum sie ausschwärmen, und gute Gründe, warum sie dann eingefangen werden müssen.

Seit Freitag summt und brummt es gefühlt an allen Ecken der Stadt. Vier bestätigte Meldungen kamen nach und nach aus der Auestraße, der Iggelheimer Straße, der Kolpingstraße und dem Bereich der Schule im Erlich. Es ging jeweils um Honigbienen, deren Völker sich geteilt hatten und die ihrer Königin auf der Suche nach einem neuen Nistplatz mit ausreichend Futter folgten. Sie legen etwa an Bäumen eine Ruhepause ein, um Kundschafterinnen loszuschicken, die danach den berühmten „Schwänzeltanz“ aufführen. Ein solcher Schwarm aus mindestens 10.000 Insekten fällt gerade im Stadtinneren auf.

„Wenn sie nicht von einem Imker betreut werden, sterben sie“, erklärt Leon Becht. Der 16-jährige Schüler aus Waldsee war am Samstag und am Sonntag in Speyer-Nord hilfreich. Geschätzt mehr als 20.000 Tiere hatten sich rund um einen großen Sandstein im Garten von Stadträtin Rosemarie Keller-Mehlem niedergelassen. „Zwischen dem Lavendel und den Rosen“ in ihrem naturnahen Garten hätten sie sich aufgehalten. Becht rückte zweimal aus, um sie in eine Bienenbehausung zu kehren und hat sie jetzt in Neuhofen an geeignetem Ort aufgestellt. Dort betreue er sie und schütze sie vor der Varroa-Milbe, die ganzen Völkern den Garaus machen könne.

„Wespen“ sind Bienen

Ein Speyerer Imker war am Freitag in einem weiteren Fall in der Iggelheimer Straße gefragt, wo die Meldung „Wespenvolk in Wohnung“ gelautet hatte. Es waren dann letztlich Bienen, die an einer Mauer hingen. Die verständigte Feuerwehr übergab die Einsatzstelle an den Bienenzüchter. „Wir sind nicht zuständig, koordinieren allerdings und leisten technische Hilfe, wenn der Imker uns dazu auffordert“, sagt Christian Kölsch, stellvertretender Stadtfeuerwehrinspekteur. „Und jährlich grüßt das Murmeltier“, kommentiert er die Einsätze regelmäßig im Mai. Dass es diesmal so viel auf einmal war, erklärt Jung-Imker Becht damit, dass die Tiere wegen der Witterung lange nicht geflogen waren, sich aber nun so stark vermehrt hatten, dass es höchste Zeit war sich zu teilen, als es endlich wärmer würde.

Mit einer Leiter auf den Baum

Hilfeleistung der Feuerwehr war am Samstag auch in der Nähe des Kreisels Auestraße/Tullastraße gefragt, wo sich ein Schwarm drei, vier Meter hoch in einem Baum niedergelassen hatte. Die Wehr half dem Experten mit ihren Steckleitern aus, wie Kölsch berichtet. In Speyer-West bei der Erlich-Schule war im vierten Fall eine Hecke am Anwesen von Feuerwehrmann Marc Vidmayer betroffen, der natürlich wusste, was zu tun war. Imker Jörg Martin aus Neustadt rückte an. Erst sprühte er ein bisschen Wasser auf die Bienen: Das simuliere Regen und bringe Ruhe in das Volk.

Mit einer ersten Box wurden dann einige Insekten eingefangen – und es war die Königin darunter! Diese trägt dieses Jahr einen blauen Punkt. Ein Teil der Bienen folgte auch schnell in die Box. Doch etwa die Hälfte surrte weiter in der Hecke. War da etwa eine zweite Königin unterwegs? Der Imker ließ es noch kurz etwas „regnen“, kehrte danach die ruhig die Zweige ab und hielt eine zweite Box in die Hecke. Es war jedoch keine zweite Königin in Sicht. Nach etwa drei Stunden war ein Großteil der Insekten in die beiden Boxen gekrabbelt. Imker Martin fuhr mit wertvoller Fracht im Kofferraum wieder nach Hause. Die Bienen dürften in Zukunft am Waldrand fast direkt unter Kastanienbäumen ausschwärmen, kündigte er an.

Nur ein Teil: Bienen an Stein in Speyer-Nord.
Nur ein Teil: Bienen an Stein in Speyer-Nord.
Junger Helfer: Leon Becht (16).
Junger Helfer: Leon Becht (16).
x