Speyer Viel Licht für kranke Kinder

. Bauleiter Frank Schmenger ist sehr entspannt. Der Ärger mit Anwohnern wegen der gesperrten Kettelerstraße (wir berichteten) liegt hinter ihm, und die Arbeiten am neuen Pflegehaus sind voll im Zeitplan. Ende Januar 2014 wurde mit dem Bau begonnen, im Juli ist die Eröffnung geplant. Der Bauleiter hat sich offensichtlich sehr genau mit den Wünschen von Pflegepersonal und Pädagogen auseinandergesetzt. Enthusiastisch spricht er über die Möglichkeiten, die das zweistöckige Gebäude bieten wird. Im Erdgeschoss ist ein etwa 80 Quadratmeter großer Aufenthaltsraum geplant, dessen breite Fensterfront auf den Innenhof der ehemaligen Neumühle weist. Die Fenster lassen sich komplett öffnen. „So können wir den Aufenthaltsraum an warmen Sommerabenden auf den Hof verlängern“, sagt Schmenger. Im Erdgeschoss ist eines von zwölf Kinderzimmern untergebracht, das auch als „Abschiedszimmer“ dienen kann. Wenn ein Kind stirbt, kann es dort aufgebahrt werden. Das Zimmer kann auf zwölf Grad runtergekühlt werden, so dass der Leichnam mehr als drei Tage im Kinderhospiz Sterntaler bleiben kann. Schmenger sagt, das sei zwar noch nicht der Fall gewesen, aber in manchen Kulturkreisen seien entsprechende Totenfeiern vorgesehen. Die übrigen Kinderzimmer sind im ersten und zweiten Stock geplant. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie große Fenster haben, die viel Licht in den Raum lassen. „Wir holen so die Natur auch möglichst nahe an die Kinder ran“, erklärt Schmenger. Die Zimmer haben eine besondere Heizungs- und Kühltechnik. Die Planer haben sich gegen Heizkörper oder Fußbodenheizung entschieden, weil diese durch die Luftumwälzung auch Staub aufwirbeln. Da viele der schwer kranken Kinder unter Atemwegserkrankungen leiden, wäre das für sie eine Belastung. Das Klima in den Zimmern wird stattdessen über Kupferrohre reguliert, die in die Decken eingelassen sind. Je nachdem ob kaltes oder heißes Wasser durch die Rohre fließt, wird das Zimmer von oben gleichmäßig gekühlt oder erwärmt. Laut Schmenger dauert es lediglich 30 Minuten, bis die gewünschte Temperatur erreicht wird. Die Luft in den Kinderzimmern wird zudem ständig gereinigt. An den Zimmerdecken wurden LED-Bänder installiert, die kraftvolle Farben auf die Wände gegenüber den Betten projizieren können. Dass die Kinder auf so etwas sehr positiv reagieren, haben die Sterntaler-Verantwortlichen schon in ihrem Snoezel-Raum im Hauptgebäude festgestellt, in dem die Kinder mit Licht und Farben Entspannung finden sollen. Drei Badezimmer sind in dem neuen Gebäude vorgesehen. Eines davon ist besonders groß und hat sowohl Dusche als auch Badewanne. Es soll als Schulungsbad dienen. „Da können wir den Eltern zeigen, wie sie ihr Kind optimal pflegen können“, erklärt der Bauleiter. Im Pflegehaus gibt es zwei Therapieräume. Schmenger macht deutlich, dass diese wegen der Vorgaben des Jugendamts eingeplant wurden. Für Kinderhospize gebe es in Rheinland-Pfalz noch keine wirkliche Gesetzgebung, erläutert Schmenger. Daher hätten sich die Behörden bei der Genehmigung an die Heimverordnung angelehnt, in der Therapieräume gefordert seien. Schwesternräume und Toiletten sind auch im Werden. Unter dem Dach werden die Haustechnik und ein Lagerraum untergebracht. 3,6 Millionen Euro sind für den Bau des Pflegehauses veranschlagt, 1,4 Millionen sind laut Sterntaler-Pressesprecher Linnford Nnoli über Spenden finanziert. Gerne würden die Verantwortlichen auch eine Wasseroase und Salzgrotte ergänzen. Doch fehlt ihnen dafür ein Sponsor. In der Salzgrotte könnten die Kinder, die unter Schleimhaut- oder Atemwegserkrankungen leiden, ihre Atemwege frei kriegen und dadurch ruhigere Nächte verbringen. Und die Wasseroase könnte den Kleinen, die kaum bewegungsfähig sind, neue Stimulationen verschaffen. „Es ist eine Entlastung für die Seele, wenn man den Körper nicht mehr so spürt, weil man vom Wasser getragen wird“, sagt Schmenger. Die Kinder werden künftig ausschließlich in dem neuen Pflegehaus untergebracht, die bisherigen drei Kinderzimmer werden eine neue Verwendung finden, möglicherweise als Elternzimmer. Durch die vervierfachte Kapazität werden künftig weniger Familien abgelehnt werden müssen. Im vergangenen Jahr waren es laut Pressesprecher Nnoli 38. Seit der Eröffnung des Kinderhospizes im Herbst 2009 waren laut Nnoli 109 Kinder, in der Regel mit ihren Familien, bei über 400 Besuchen zu Gast in Dudenhofen.