Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Viadukt: Eröffnungstermin steht fest

Sie steht wieder: Fußgängerbrücke Viadukt.
Sie steht wieder: Fußgängerbrücke Viadukt.

Die Fußgängerbrücke Viadukt steht wieder an ihrem Platz. Die umfangreiche Sanierung wird allerdings noch einmal teurer als geplant. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.

Die vergangenen Wochen waren keine leichten für den städtischen Tiefbauamtsleiter Florian Benner. Mitte November war nach mehr als vier Jahren die große Fußgängerbrücke Viadukt umfassend saniert Stück für Stück wieder an ihren angestammten Platz zwischen Burgfeld und Bahnhof zurückgekehrt. „Uns war nicht bewusst, wie schwierig der Aufbau wird“, sagte Benner im Bauausschuss.

Da wären die Stützen der mehr als 120 Jahre alten Stahlkonstruktion: Sie seien nicht starr, sondern bewegten sich mit dem Bauwerk. Die Brücke habe zunächst „schwebend“ eingebaut und passend ausgerichtet werden müssen, bevor ihre Lager fertig gegossen werden konnten. „Extrem aufwändig“, so Benner. Zudem seien trotz gesperrter Gleise Waggons auf dem betroffenen Abschnitt abgestellt worden – die Arbeiten mussten „drumherum“ gelingen. Als schließlich alle Teile an ihrem Platz saßen, sei ihm und dem verantwortlichen Statiker ein Stein vom Herzen gefallen, sagte der Tiefbauamtsleiter. Die Brücke soll nach derzeitiger Planung am Montag, 15. Dezember, wieder für Fußgänger freigegeben werden. Benner betonte, dass das wegen einiger Restarbeiten nicht ganz einfach sei. Die Rampe werde nicht ganz fertig und das Geländer müsse vorläufig ein Provisorium bleiben. Außerdem müsse die Brücke voraussichtlich in den Osterferien noch einmal kurz gesperrt werden. Dann erst lasse die Witterung nötige Nachbesserungen am Korrosionsschutz zu, der während des Rücktransports und des Aufbaus in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Wenn die Brücke Mitte Dezember wieder für Fußgänger zugänglich ist, endet eine mehr als vierjährige Zeit seit dem Abbau im März 2021. Das Viadukt, von einigen auch „Schipka-Pass“ genannt, hatte stark beschädigt saniert werden müssen. Der Stadtrat hatte sich nach umfangreichen Voruntersuchungen 2023 dafür und gegen einen Neubau entschieden. Im vergangenen Jahr kam die historische Brücke dann zu einer Stahlbau-Firma nach Meißenheim. Für die Arbeit Benners und auch der Stahlbau-Firma gab’s im Bauausschuss Lob und Respekt.

Weniger Freude löste eine erneute Kostensteigerung aus. 750.000 Euro zusätzlich muss der Stadtrat in seiner Sitzung am 11. Dezember freigeben. Sie können aus nicht benötigten Mitteln für den vorläufig gestoppten Ankauf der Kurpfalzkaserne gedeckt werden, erklärt die Stadt. Damit haben sich die Projektkosten für das Viadukt seit der ersten Schätzung auf inzwischen rund 8,4 Millionen Euro etwa verdoppelt. Knapp über zwei Millionen Euro davon schießt das Land zu. Benner sprach von weiteren Mehraufwendungen im Stahlbau als größtem Kostenblock. Ein Überbauteil sei als Muster entschichtet worden, in der Hoffnung, dass die anderen Teile ähnlich aussehen. Das habe sich nicht bewahrheitet – die übrigen Überbauten seien in schlechterem Zustand gewesen. Korrosion habe für starken Materialschwund gesorgt. „Ganz viele Stahlbauteile waren schlichtweg verformt.“ Nieten hätten teilweise gefehlt oder seien durch Schrauben ersetzt gewesen. Risse im Stahl hätten sich erst gezeigt, nachdem die Brückenteile komplett entschichtet gewesen seien. Zudem sei der Stahl durch die Hitze und den Kraftaufwand beim Einsetzen neuer Nieten oft gerissen und ganze Bauteile mussten ersetzt werden. „Das konnten wir so nicht vorhersehen.“ Die Stützen der Brücke hätten überhaupt nicht erhalten werden können. „Statisch nicht mehr machbar“, so der Tiefbauamtsleiter. Und nicht zuletzt habe sich die Miete an die Deutsche Bahn für die Nutzung von Betriebsgelände in der Zeit des Wiederaufbaus im Vergleich zum Abbauzeitraum – damals laut Benner zwischen 6000 und 8000 Euro – deutlich erhöht.

„Wir arbeiten natürlich daran, dass Sie solche Themen nicht mehr vorgelegt bekommen“, sagte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) im Ausschuss. Sie hatte die Kostensteigerungen schon in der Vergangenheit beklagt. Seiler kündigte eine Klausur mit intensiven Beratungen im kommenden Jahr an. Eine ehrliche Manöverkritik sei wichtig, sagte Ralf Schulz (CDU). Aus dem „Kostendesaster“ müsse gelernt und überprüft werden, ob schon in der Frühphase Fehler gemacht worden seien. Walter Feiniler (SPD) ergänzte, auch die Fraktionen müssten sich einer Manöverkritik unterziehen. Man habe sich damals mehrheitlich für die Sanierung entschieden. Sie sei trotz der nicht vorhersehbaren Probleme froh, „dass wir das gemacht haben“, sagte Petra Zachmann (Grüne). An dieser Stelle wäre kein Neubau mehr genehmigt worden, sagte sie. Rosemarie Keller-Mehlem (UfS) sah in der Sanierung des mehr als 120 Jahre alten Bauwerks eine Investition für die nächsten 100 Jahre. Gegen die Sanierung stimmten seinerzeit Mike Oehlmann (FDP) und die Fraktion der Linken, die nun auch ein Votum gegen die Mehrkosten ankündigten. Daniel Knäpple (Linke) appellierte allerdings an die Fraktionen, die damals zustimmten, das nun wieder zu tun und „auch die Suppe auszulöffeln“. Claus Ableiter (FW) erinnerte an den beschlossenen Pflegeplan für das Viadukt. Der Wartungsvertrag sei nicht vergessen, so Benner. In der Gewährleistungszeit über fünf Jahre werde die Baufirma die Brücke einmal im Jahr kontrollieren. Danach soll die Aufgabe nach Benners Auffassung beibehalten und ausgeschrieben werden.

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