Speyer
VG Rheinauen: Neuer Erster Beigeordneter Toni Krüger will Naturschutzgebiete erhalten
Toni Krüger aus Altrip findet sich nach seiner jahrelangen kommunalpolitischen Karriere mit einer eineinhalbjährigen Auszeit nun in einer neuen Rolle wieder. Der 57-Jährige ist Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Rheinauen. Der Grünen-Politiker will bei der Bewältigung seiner Aufgaben auf etwas setzen, das er schon lange beherzigt.
Ausschlaggebend dafür, dass er sich Ende August in der konstituierenden Sitzung des Verbandsgemeinderats bei der Wahl zum Ersten Beigeordneten aufstellen ließ, sei für ihn gewesen, dass er der Wunschkandidat aller drei Fraktionen sei, sagt Krüger. Man habe ihn angesprochen, für diesen Posten zu kandidieren. Im Verbandsgemeinderat arbeiten SPD, Grüne und FWG VG Rheinauen zusammen. Von diesen Fraktionen wurde der 57-Jährige für das Ehrenamt vorgeschlagen. Er glaubt, dass seine politische Arbeit in der Vergangenheit entscheidend für seine Nominierung gewesen sei. „Ich bin ein Mensch, der über den Tellerrand hinwegschaut. Jemand, der Kompromisse sucht und bereit ist, mit anderen Menschen zu reden“, sagt der Altriper.
Der Liebe wegen nach Altrip
Krüger, der in Oppau aufgewachsen ist, zog vor 35 Jahren nach Altrip – seiner Frau zuliebe. Zur Politik sei er durch die Elternarbeit gekommen. Er hat eine Tochter und einen Sohn, die heute 30 und 26 Jahre alt sind. Krüger baute zwischen 1998 und 2003 den Schulhof der Albert-Schweitzer-Grundschule in Altrip mit Kindern und anderen Eltern zu einem naturnahen Gelände um. Elternarbeit sei etwas, das nicht so einfach hinzubekommen sei, weil es immer noch jemanden gebe, der entscheide. „Der wollte ich sein“, sagte Krüger und so begann seine politische Karriere.
Von 2000 bis 2004 saß er für das Kommunalpolitische Forum im Altriper Rat, 2008 gründete er mit anderen den Grünen-Ortsverband, deren Fraktionschef er im Gemeinderat war. 2006 schuf er den Landesarbeitskreis Kinder & Familie, der später in die Landesarbeitsgemeinschaft überging. In diesem Gremium fungierte er als Sprecher bis zu seiner politischen Auszeit 2018. Zudem war er acht Jahre Kreisvorsitzender der Grünen und gehörte dem Jugendhilfeausschusses des Kreises (2004 - 2014) sowie bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden 2018 dem Verbandsgemeinderat an.
Nachdem er vor eineinhalb Jahren aus beruflichen Gründen alle seinen politischen Ämter niederlegte, möchte der BASF-Prozessmanager nun wieder Verantwortung in seiner Heimatgemeinde übernehmen. Sein Geschäftsbereich als Beigeordneter umfasst die Themen Jugend, Soziales und Sport, Integration, Migration und Asyl sowie Umwelt, Energie und Klimaschutz.
Er sei keiner, der Ideen in den Raum werfe, sondern diese bei Bürgern, Initiativen und Verwaltungsmitarbeitern einfange, sagt der 57-Jährige. Konkret bedeutet das, dass er nun die Fachgebiete in der Verwaltung kennenlernen und auf die Menschen zugehen möchte, um mit ihnen zu gestalten. Er sei niemand, der Scheuklappen trage oder stur nach der politischen Partei entscheide. Ihm ginge es um die Sache, sagt Krüger.
Der Altriper will den Stellenwert von Kindern und Jugendlichen in der Verbandsgemeinde erhöhen. Er möchte sie in Entscheidungen einbeziehen. Wie sich die Kinder und Jugendlichen einbringen können, sollen sie selbst bestimmen. „Ich möchte mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und ihnen nicht als Erwachsener sagen, was sie zu tun haben, sondern sie unterstützen“, sagt Krüger. Unterstützen will er auch die Ehrenamtlichen, die helfen, Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren.
„Schutzgebiete erhalten“
Bei den Themen Umwelt, Energie und Klimaschutz will sich der 57-Jährige für ein Klimaschutzkonzept einsetzen und dabei von den Kommunen lernen, die bereits eins haben – wie Schifferstadt, Schwetzingen und die Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen.
Mit einem klaren Nein positioniert sich der Altriper gegen das Erdöl-Projekt zwischen Otterstadt und Waldsee, den Polder – er ist Gründungsmitglied der gegen das Projekt kämpfenden Bürgerinitiative Hochwasser und Naturschutz – und die nun wieder geforderte Rheinbrücke. Letztgenannte bedeute eine „Riesenbelastung“ für die Altriper und verlaufe durch das wichtigste Vogelschutzgebiet im Südwesten, sagt Krüger, der die Natur in den Rheinauen liebt und die Schutzgebiete erhalten möchte. Außerdem sei dieses Projekt ein langer Weg, weil es nicht mehr im Bundesverkehrswegeplan aufgeführt werde. Hinzu käme, dass die alten Pläne nicht mehr umgesetzt werden könnten, weil nun ein Teil des Kraftwerks in Mannheim im Weg stehe, sagt er.
Die Ablehnung gegen diese Projekte sei seine politische Meinung, macht Krüger deutlich. So parteipolitisch wie früher kann der 57-Jährige nun nicht mehr wirken. Er hat im Verbandsgemeinderat kein Stimmrecht und ist als Beigeordneter Teil der Verwaltung. In seiner neuen Rolle wolle er unterstützend tätig sein, sagt Krüger, der gerne wandert, Inliner und Fahrrad fährt und sich in Zukunft weiter den Samstag für seine Enkeltochter frei halten möchte.