Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Verzögerungen bei der Behörde: Ein Bürger kämpft um sein Erbe

Für Nachlasssachen zuständig: Amtsgericht Speyer.
Für Nachlasssachen zuständig: Amtsgericht Speyer.

Stefan Sauer aus Speyer ist frustriert: Die Ausstellung von Erbscheinen zieht sich hin, zahlreiche Familien sind betroffen. Doch woran liegt es?

„Ich habe mir einen Anwalt genommen“, sagt Stefan Sauer. Der Speyerer hat innerhalb von eineinhalb Jahren beide Elternteile verloren und wartet schon lange auf die Erbscheine. Seine Mutter ist im Juni 2023 verstorben, sein Vater im Dezember 2024. Er sei als Nachkomme auch der Betreuer seiner behinderten Schwester und deshalb doppelt darauf angewiesen, die mit dem Tod seiner Eltern verbundenen Vermögensfragen zu klären.

„Es hängt alles an dem Erbschein“, sagt der Speyerer. Er komme nicht an die Bankkonten, und auch im Hinblick auf die Immobilie der Eltern in Dudenhofen seien ihm die Hände gebunden. Zum Glück sei das Sozialamt hilfreich, wenn es um Aufwendungen für die Schwester geht. „Ich habe gehört, dass es kein Einzelfall ist, dass so lange auf Erbscheine gewartet werden muss“, sagt Sauer verärgert.

Rückstände angehäuft

Hans-Jürgen Stricker, Direktor des Amtsgerichts Speyer, kennt sowohl den Einzelfall als auch das grundsätzliche Problem. „Es gibt Verzögerungen. Wir haben Rückstände“, bestätigt der Richter. Nicht nur die Familie Sauer sei betroffen. Hintergrund sei ein längerfristiger Ausfall einer für Erbscheine zuständigen Rechtspflegerin aus Krankheitsgründen. Laute das interne Ziel eigentlich, dass Hinterbliebene nach dem Antrag innerhalb von drei Monaten das amtliche Dokument vorliegen haben, müssten sie derzeit mit sieben bis acht Monaten rechnen. Bei besonderer Eilbedürftigkeit könne es auch schneller gehen, für andere Familien aber länger dauern. „Es kommt immer auf den Einzelfall an“, betont Stricker. Das Amtsgericht Speyer ist für die Domstadt und mehrere Kommunen im Rhein-Pfalz-Kreis zuständig: Schifferstadt, Otterstadt, Waldsee, Böhl-Iggelheim, Dudenhofen, Hanhofen, Harthausen und Römerberg.

Verbesserung in Sicht

Der Gerichtschef hofft, dass sich die Situation am Standort in der Wormser Straße bald bessert. Eine erkrankte Mitarbeiterin gehe im März in die Wiedereingliederung, somit seien Erleichterungen in Sicht. Vier von zehn Rechtspflegern in Diensten des Amtsgerichts könnten Erbscheine ausstellen – wenn sie im Dienst seien. Der Arbeitsmarkt für diese Fachkräfte sei angespannt, betont Stricker. In den Fall der Sauers war vor wenigen Tagen Bewegung gekommen: Nach dem Beantragungstermin im April 2024 erhielt der Erbe kurz nach seiner öffentlichen Beschwerde die Kunde, dass der Erbschein erteilt sei. „Die Dauer des Verfahrens, das keinen Hinweis auf Eilbedürftigkeit enthielt, verzögerte sich leider durch die langfristige Erkrankung der zuständigen Rechtspflegerin“, begründet Stricker. Allerdings seien auch mehrere Zwischenverfügungen notwendig gewesen.

Im Fall von Sauers kurz vor Weihnachten verstorbenem Vater könnte es schneller gehen. Das Verfahren sei zwar noch recht frisch, so Stricker. Es sei allerdings inzwischen eröffnet und werde, „wie sich aus den Daten ergibt, beschleunigt bearbeitet“.

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