Speyer Verschwenderische Stimmfülle

Eine gute Stunde erbaulichen Marienlobs bescherte der Knabenchor des Kölner Domchors zu Beginn seiner noch in die Schweiz führenden Herbst-Konzertreise am Samstagabend im Speyerer Dom. Die für die tiefen Stimmlagen um Jungmänner verstärkten Knaben begeisterten mit einer dynamischen Bandbreite von gewaltigem Volumen.
Das um die Anbetung Mariens und das Marienlob zentrierte Programm vom Renaissance-Wohlklang bis in die Moderne unter der zupackenden Leitung von Eberhard Metternich hätte somit gut und gern in die diesjährigen marianischen Internationalen Musiktage Dom zu Speyer gepasst – wenn das nicht terminliche Zwänge verhindert hätten. Denn Metternich hat seine rund 50 Knaben und Jungmänner zu jederzeit aufmerksamem, mitgehbereitem und präzisem Singen erzogen. Neben der chorischen Stimmfülle zeigte sich dieser männliche Domchor-Teil aus Köln gerade auch in der sakralen Konzentration von hohem Engagement. Das spürten die zahlreichen Hörer gleich beim Einzug der jungen Rheinländer mit einer gemessen intonierten Intrada. Ganz großen Reiz übte dann auch das abschließende „Ave Maria“ von Franz Biebl mit seiner breit aufgestellten Formation aus, die Metternich vom Mittelschiff aus umsichtig leitete. Das gregorianische Psalmodieren einer kleinen Männerschola nahm der Gesamtchor mit seiner leuchtenden Bandbreite in weich aufgeschichteten Repliken auf, in die schmückende Triolen eingelegt waren. Das war ein Lobgesang von einer Fülle, wie er in der römischen Chormusik der Renaissance seinen Ursprung hat. So rief Chorleiter Metternich in einem ersten Programmblock Sätze von de Victoria, Palestrina und di Lasso mit weich einfallenden kanonischen Sequenzen und großartigen homophonen Zusammenklängen zu veschwenderischer dynamischer Fülle auf. Auch vor dem protestantisch-motettischen Gesang Bachs scheuten sich die Kölner nicht, kamen artikulatorisch mit der Lautmalerei von „Komm, Jesu komm“ gut zurecht und hatten a cappella nur mit den kleinen Metren im Friedenschor der h-Moll-Messe Geläufigkeitsprobleme. Bei Bruckners Chören „Locus iste“, „Os iusti“ und „Ave Maria“ war man dann mit ekstatischer Leuchtkraft wieder ganz zuhause – wenn auch leichtes Absinken in der Intonation Ermüdungsfolge war. Erfreulich waren auch die Ausflüge der Kölner in die Moderne mit einer tänzerisch bewegten Friedenskantate von Darius Milhaud, mit einem weihevollen Magnificat Arvo Pärts voll harmonischer Dichte und mit John Rutters gefälligem Lord-Song. Reizvoll gab sich auch Wolfram Buchenbergs „Brot des Lebens“ mit seiner fein abgewandelten Lautstärke. Ein etüdenhaft lauffreudiges Orgel-Zwischenspiel von Michael Krebs gewährte den Sängern eine Verschnaufpause.