Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Verkehrsprobleme: Hoffnung im Ziegelofenweg

Zu viele Autos zu schnell unterwegs: Verkehrssituation im Ziegelofenweg aus Sicht der Anwohner.
Zu viele Autos zu schnell unterwegs: Verkehrssituation im Ziegelofenweg aus Sicht der Anwohner.

Die Anlieger im Ziegelofenweg und den unmittelbar angrenzenden Straßen haben den Verkehr vor der Haustür satt. Sie fordern Abhilfe in Form von Entlastung und Umverteilung. Die Oberbürgermeisterin macht das Thema zur Chefsache. Die erste Lösung soll „temporär“ sein.

„Der Ziegelofenweg ist eine Straße, die permanent belastet wird“, sagt Petra Volk. Aus der unbefriedigenden Situation ist sogar eine Bürgerinitiative (BI) entstanden, die sich um die gesamte Ost-West-Verkehrsachse in diesem Bereich kümmert. „Das hat im August 2020 in der Fritz-Ober-Straße schon begonnen“, berichtet Jörg Otte. Schnell hätten die betroffenen Anwohner gemerkt, dass die benachbarten Straßenzüge ebenso über Gebühr belastet sind.

Die Achse sei im aktuellen Stadtbild der einzige Zugang in Richtung Bahnhofstraße, betont Anwohnerin Hanne Bauer. Hinzu kämen schmale Gehwege sowie fehlende Radwege. Problematisch sei die Einmündung in die Carl-Dupré-Straße. „Die meisten sehen die Einbuchtung nicht“, so Bauer. Die Folge: hupen, bremsen, schreien. „Ich komme aus München und kenne Verkehr – aber was hier los ist, ist damit nicht zu vergleichen“, unterstreicht sie die Brisanz.

Otte meint: „Es wird billigend in Kauf genommen, dass der Wohnwert und die Qualität reduziert werden.“ Sei das Erlus-Gelände erst einmal fertiggestellt, nehme der Verkehr nochmals zu, sind sich alle sicher. Hinzu kommt die Raserei, die die BI beklagt. „Der Ziegelofenweg ist als Tempo-30-Zone deklariert, aber keiner hält sich dran“, so Volk. Dabei gehe es doch darum, sagt die BI, dass der Straßenbereich als Gefahrenzone wahrgenommen wird.

„Urban“ geworden

„Man kann nicht neue Gebiete erschließen, aber das Urbane nicht beachten“, sagt Bauer. Genau das ist jedoch geschehen, ist den Worten von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) bei einem Treffen mit der BI im Stadtratssitzungssaal zu entnehmen. „Es ist nicht immer daran gedacht worden, dass neue Wohngebiete auch eine entsprechende Infrastruktur brauchen“, sagte sie.

Was sich die Stadt hat einfallen lassen, um den Anwohnern die gewünschte Entlastung zuteil werden zu lassen, stellte Stadtentwickler Robin Nolasco vor. An kurzfristige Lösungen kann sich die BI aber nicht klammern. „Es wird nicht die Top-Lösung geben, aber Maßnahmen, in deren Testphasen sich die Wirksamkeit zeigen wird“, betonte Nolasco. Er regte zeitlich befristete Maßnahmen an, um auszuloten, was mittel- und langfristig gehen könnte. Ab Frühjahr 2022 sollen diese laufen. Der Verkehr werde bereits gezählt.

Verkehr verdoppelt

Zahlen aus dem August 2020 und dem Juni 2021 stellte Florian Benner vom städtischen Tiefbauamt gegenüber. Der Baustellensituation sei geschuldet, dass die Belastung 2021 mit 4520 Fahrzeugen pro Tag doppelt so hoch wie zuvor gewesen ist.

„Es muss uns gelingen, die Geschwindigkeit auf den langen Fahrstrecken zu minimieren“, lautet einer der wichtigsten Punkte für Nolasco. Er weist vor allem auf den Bereich rund um die Integrierte Gesamtschule im Kolb-Zentrum hin. Der Stadt ist laut Nolasco und Seiler ebenfalls an Aufenthaltsqualität gelegen. Durchgangsverkehr mit Zielen außerhalb des Gebiets, der nur den schnellsten Weg suche, solle erschwert werden, so die Stadtchefin.

Die Verbindung einfach vom Netz nehmen und den Verkehr umverteilen, wie von der BI vorgeschlagen, geht laut Stadt aber nicht. „Wir haben unsere Gemarkungen, und daher kann der große Wurf nur kommen, wenn wie komplett neu denken“, sagte Seiler. Die Stadt platze in Sachen Pkw- und Lkw-Belastung an vielen Stellen aus allen Nähten, was eine ganzheitliche Überplanung des Streckennetzes notwendig mache.

Die Technik soll helfen

So recht vertrauen auf den Optimismus Nolascos, der eine reelle Chance der dauerhaften Verbesserung durch bauliche Maßnahmen sieht, will die BI nicht. „Irgendwann will man eine Lösung“, macht ein Mitglied klar. Über eineinhalb Jahre dauere die Situation nun schon an.

„Nur durch Ausprobieren können wir feststellen, ob die Feinverteilung des Verkehrs funktioniert“, so Nolasco. Seiler stellte eine Vision in den Raum: „Irgendwann werden wir ein digitales Parkleitsystem haben, um den Verkehrsfluss darzustellen.“

RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler

Auswirkungen in vielen Bereichen

Die Probleme der Anwohner aus dem Ziegelofenweg zeigen, wie weitreichend das ist, was die Stadt am Postplatz plant.

Die Stadt habe eine ganzheitliche Überplanung des Streckennetzes nötig, sagt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und verweist auf die hohe Kfz-Belastung. Dass die Durchfahrt im Ziegelofenweg in Speyer-Ost unterbrochen wird, kann sie deshalb nicht zusagen. Auffällig ist aber: Einen solchen Schritt schlägt die Stadt im Bereich Postplatz für die Achse Gilgen-/Bahnhofstraße bereits jetzt vor. Wenn er käme, gäbe es Auswirkungen in vielen Bereichen der Stadt, womöglich sogar im Ziegelofenweg. Vielleicht wäre es daher besser, zuerst die ganzheitliche Betrachtung zu machen und nicht schon – wie zuletzt geplant – im Februar 2022 über die Postplatz-Frage zu entscheiden.

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