Speyer
Vergewaltiger kehrt sieben Jahre nach Abschiebung zurück
Die Bundespolizei hat nach eigener Mitteilung am Montag auf der Autobahn 4 bei Aachen die Handschellen klicken lassen: In einem Flixbus aus den Niederlanden war demnach ein 27-jähriger Mann aus Bulgarien aufgefallen, der 2016 am Landgericht Frankenthal wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt worden war. Anlass für die Festnahme war ein Haftbefehl des Amtsgerichts Speyer. Dieser war 2018 ausgestellt worden, als der junge Mann nach einem Teil seiner Haftstrafe in Schifferstadt sowie Sozialtherapie in sein Heimatland abgeschoben wurde, wie Gerichtsdirektor Hans-Jürgen Stricker erklärt. Der Haftbefehl sollte nur dann greifen, wenn der Mann verbotenerweise nach Deutschland zurückkehrt.
Am Montag war es soweit: Die Bundespolizisten erkannten die Brisanz und nahmen den Mann aus dem Flixbus zur Verbüßung seiner Restfreiheitsstrafe von 472 Tagen in Haft. Verurteilt worden war er rechtskräftig zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten, so das Gericht. Die Liste der schon in jugendlichem Alter begangenen Straftaten war lang: Vergewaltigung unter Mitführen eines gefährlichen Werkzeugs in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Kindern, sexuelle Nötigung in zwei Fällen, exhibitionistische Handlungen, versuchte Nötigung in zwei Fällen und vorsätzliche Körperverletzung.
Erst mal in Haft
Wie mit dem Täter jetzt weiter umgegangen wird, müssen die Gerichte entscheiden. Er werde von einer Verteidigerin vertreten, so Stricker. Der Jurist rechnet damit, dass der Mann in eine rheinland-pfälzische Straf- oder Justizvollzugsanstalt kommt. Die Vorgehensweise mit dem vorsorglichen Haftbefehl, der nur im Fall einer Rückkehr des Mannes ins Land vollstreckt wird, sei nicht unüblich. Für den Bulgaren bestand demnach ein nationaler, aber kein internationaler Haftbefehl. Die Reisefreiheit innerhalb der EU war für ihn eingeschränkt. Es sei nicht bekannt, warum der 27-Jährige das Risiko auf sich genommen hat, wieder nach Deutschland einzureisen.
Dass er erwischt wurde, hat laut Bundespolizei nicht unbedingt etwas mit den in diesem Jahr verschärften Kontrollen der deutschen Außengrenzen zu tun. „Flixbus-Fahrten haben wir immer auf dem Radar. Es ist nicht auszuschließen, dass wir den Verstoß ohnehin festgestellt hätten“, so eine Sprecherin. Allerdings sei die Kontrolldichte und damit auch die Entdeckungswahrscheinlichkeit zuletzt gestiegen.