Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Unverpackt-Kaufladen: Die Weichen werden gestellt

In ihrem Kaufladen: die Betreiberinnen Luise Sobetzko (links) und Sophie Etzkorn.
In ihrem Kaufladen: die Betreiberinnen Luise Sobetzko (links) und Sophie Etzkorn.

Es ist ein Novum in der Speyerer Geschäftswelt: Der Unverpackt-Kaufladen in der Großen Greifengasse setzt auf eine gemeinschaftsbasierte Wirtschaftsweise. Kunden werden zu Mitgliedern und zahlen monatliche Fixbeiträge. Nach dem ersten halben Jahr wird jetzt Bilanz gezogen.

Zwischen 70 und 80 Mitstreiter haben sich angemeldet, nachdem die Kaufladen-Gründerinnen Luise Sobetzko und Sophie Etzkorn im Spätjahr 2022 verkündet hatten, auf zusätzliche Einnahmen angewiesen zu sein. Nach dem Grundprinzip der Solidarischen Landwirtschaft sollten Kunden Mitglieder werden und sich an den regelmäßigen Kosten des Unternehmens beteiligen. Die Vereinbarungen wurden zunächst für ein halbes Jahr getroffen. Dieses endet in diesem Monat. Etzkorn hofft nun, dass alle weitermachen und dass sich der Kreis noch erweitert. Die nächsten Vereinbarungen würden auf zwölf Monate angelegt. „Die Beitragsrunde ist am 12. Juni, dann werden wir sehen“, sagt sie.

Etzkorn – deren Mitinhaberin Sobetzko aktuell in Elternzeit ist – gibt sich optimistisch. Die Resonanz in der ersten Runde habe zwar nicht die Wunschmarke von 100 Mitgliedern erreicht. Sie reiche aber aus, um 90 Prozent der Fixkosten zu decken. Das sei eine wichtige Existenzgrundlage für das 2019 gegründete Unternehmen. Die Fixkosten machten rund 50 Prozent der Ausgabenseite aus. Dazu kämen variable Kosten vor allem für den Wareneinkauf. „Wenn wir mehr Mitglieder bekämen und die Betriebskosten komplett decken könnten, dann wäre das wunderbar“, sagt Etzkorn.

Beiträge werden festgelegt

Die Mitglieder tragen dazu bei, „dass es den Kaufladen weiterhin gibt“, erklärt die Inhaberin. Und sie erhalten Einkaufsgutscheine für 95 oder 190 Euro im Monat. Der Gegenwert dafür kommt über die Mitgliedsbeiträge in die Kasse, wobei die eingezahlte Summe den Mitgliedern je nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit freigestellt ist. Zwischen 140 und 300 Euro zahlten die Personen ein, die jeweils 190-Euro-Gutscheine erhielten. Die Beiträge könnten in diesem Monat für das nächste Jahr neu festgelegt werden. Beitritte zum „Kaufladen-Klüngel“, wie die Gemeinschaft genannt wird, seien auch unterjährig möglich. Fragen dazu würden im Laden oder per E-Mail unter info@kaufladen-speyer.de beantwortet, so Etzkorn.

Mit der neuen Sicherheit im Rücken hat der Laden seit der vergangenen Woche sein Konzept erweitert: Donnerstags bis samstags läuft nun im Nebenraum der Verkaufsfläche ein Café-Betrieb. Es gebe selbstgebackenen veganen Kuchen, kalte und warme Getränke, so Etzkorn. Auch mit diesem schon länger geplanten Schritt sollten Kunden gebunden und neue Interessenten gewonnen werden. Drei Mitarbeiterinnen und ein Absolvent eines Freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ) unterstützen die Gründerinnen. Die FÖJ-Stelle sei ab Sommer neu zu besetzen. Schon bei der Gründung im Jahr 2019 hatten die Geschäftsfrauen Geld über eine öffentliche Finanzierungsrunde erhalten. Jetzt berichten sie von interessierten Nachfragen nach ihrem Konzept, das es bundesweit noch in keinem anderen Unverpackt-Laden gebe.

Mehr zum Thema
x