Speyer
Ungeplant gelandet
Vor Kurzem verwunderte der Anblick eines verlassenen Segelflugzeugs in einem Maisfeld zwischen Berghausen und Dudenhofen in der Nähe der B9. Der Pilot hatte sich zu einer sogenannten Außenlandung entschieden. Segelflieger Norbert Lenz aus Schifferstadt erklärt, was es damit auf sich hat.
Eine Außenlandung bei einem Segelflugzeug erfolge dann, wenn zum Beispiel fehlende Aufwinde oder schlechtes Wetter einen sicheren Flug zum nächstgelegenen Flugplatz verhindern, erklärt Lenz, der bei der Segelfluggruppe (SFG) Giulini/Ludwigshafen fliegt. Im Fliegerjargon heißt es, dass der Segelflieger „zu den Kühen muss“, erzählt der 67-Jährige, der 40 Jahre Fluglehrer war. Mit der Außenlandung des Flugzeugs vor Kurzem zwischen Berghausen und Dudenhofen hat er aber nichts zu tun. Eine Außenlandung werde schon während der Ausbildung unzählige Male geübt, sodass eine Landung auf Feldern eine fast „normale“ Landung bei Segelfliegern sei, sagt Lenz. Mit einer Notlandung hat so ein Vorgang nichts zu tun. Eine Notlandung erfolge dann, wenn der Pilot aus irgendwelchen Gründen eine Notlage in der Luft feststelle und sofort eine Landung einleiten müsse.
Geschulter Blick erkennt gute Landeplätze
Bei einer Außenlandung handelt der Pilot laut Lenz nach einem eingeprägten Schema. Er achte auf die Windrichtung und fliege gegen den Wind an, sodass sich der Landeanflug verkürze. Der Anflug müsse immer frei von Hindernissen wie Stromkabeln sein. Außerdem forciere der Pilot eine Landung auf einer Fläche, auf der keine Personen sind. Er ziehe außerdem immer ein braunes einem grünen Feld vor. Ein braunes Feld ist nämlich nicht bewachsen, sodass der Pilot sieht, ob die Fläche uneben und frei von größeren Steinen und Gräben ist. Außerdem sollte in der Nähe des unplanmäßigen Landeplatzes ein Feldweg oder eine Straße sein, damit der Flieger besser abtransportiert werden kann. „Der geschulte Blick des Segelflugpiloten ist ständig, auch bei mehrstündigen Flügen – oftmals bei Strecken von 700, 800 Kilometern und mehr – den ganzen Flug über bestrebt, geeignete Landefelder auszuwählen“, sagt der Segelflieger, der vor ein paar Jahren noch in der Bundesliga an den Start gegangen ist und auch schon deutscher Meister mit seinem Team war.
Nach der Landung muss der Pilot auch mal warten
Und was passiert, wenn ein Pilot bei einer Außenlandung auf einem Acker landet? Wer bezahlt den möglichen Schaden des Landwirts? „Die Flugzeuge müssen alle ausreichend haftpflichtversichert sein, um auch größtmögliche Schäden an Dritten abzudecken“, sagt Lenz. Meistens entstünden aber keine Schäden. Außer, wenn zu viele hilfsbereite Personen zum Piloten eilen. „Dann kann es sein, dass der Flurschaden erheblich zunimmt“, sagt der erfahrene Segelflieger.
Heute könne der Pilot schon in der Luft die Bodenmannschaft informieren, dass er ungeplant landen müsse. Dann kommt ein Zugfahrzeug mit einem zehn Meter langen Transportanhänger, auf den das Flugzeug verladen wird. Es besteht aus dem Rumpf, zwei Tragflügeln und dem Höhenleitwerk und kann laut Lenz in etwa zehn Minuten auseinandergebaut werden. „Je nachdem, wie weit man vom Heimatflugplatz entfernt landet, kann es schon einmal ein paar Stunden dauern bis der Rückholer kommt. Mein Vater hat mal fast zwei Tage gewartet, weil die Rückholer den Ort verwechselten und es damals noch keine Handys gab. So etwas passiert heute nicht mehr“, erzählt Lenz.
Er selbst musste in seiner bisherigen Fliegerkarriere bisher nur sehr selten eine ungeplante Landung machen. „Ich komme auf ein halbes Prozent meiner Gesamtstartzahl“, sagt der 67-Jährige. Im Verein seien es durch das hohe Aufkommen an Starts im Schulbetrieb fast null Prozent. Im Streckenflugbereich bei Wettbewerben und Meisterschaften schätzt Lenz die Anzahl auf rund fünf Prozent.
„Hallo sagen ist okay, aber langsam“
Lenz weist Passanten, die ein gelandetes Flugzeug auf dem Acker sehen, darauf hin, dass sich ein Pilot über jedes Hallo und Fragen nach dem Gemütszustand freue. „Aber geben Sie dem Piloten ein paar Minuten Zeit nach der Landung. Er muss das alles erst verdauen und seinen erhöhten Adrenalinspiegel absenken“, sagt der 67-Jährige. Denn so eine gewollt ungewollte Landung sei nicht ganz ungefährlich. „Die Beurteilung des Feldes erfolgt aus 200 bis 300 Metern Höhe. Die Geschwindigkeit im Anflug liegt ungefähr bei 100 Kilometer pro Stunde. Ein Durchstarten, wenn etwas zu spät erkannt wird, gibt es bei einem motorlosen Flugzeug nicht. Die Landung eines 400 bis 750 Kilogramm schweren Flugzeugs muss passen“, sagt Lenz. Sich beim Piloten zu erkundigen, wie es ihm geht, ist aber auf keinen Fall falsch. Es könne nämlich auch vorkommen, dass das Feld doch Geheimnisse verbarg und der Pilot und das Flugzeug Schaden genommen haben. Und dann ist es natürlich gut, wenn jemand Hilfe holen kann.