Speyer
Unfallzahlen überraschen die Polizei
Von Anna Warczok
Einen Rückgang der Unfallzahlen habe die Polizei schon erwartet, sagt Kristof Brockmann, Leiter der Inspektion Speyer. Schließlich hätten die Lockdowns im zurückliegenden Corona-Jahr auch zu weniger Verkehr auf den Straßen geführt. Im Dienstgebiet der Polizeiinspektion, zu dem neben der Stadt Speyer auch die Gemeinden Römerberg, Harthausen, Hanhofen und Dudenhofen gehören, verzeichneten die Beamten dabei einen deutlichen Rückgang der Verkehrsunfälle: deren Anzahl sank im Jahr 2020 um rund 25 Prozent. 2145 Unfälle erfasste die Polizei insgesamt, im Vorjahr waren es 723 mehr gewesen.
Auffällig an diesem Rückgang ist laut Brockmann und Timo Ott, Verkehrsspezialist der Speyerer Polizei, der Blick auf den Landesdurchschnitt: In Rheinland-Pfalz sanken die Unfallzahlen im vergangenen Jahr um „nur“ 15 Prozent. „Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass hier normalerweise viel Betrieb ist“, sagt Ott mit Verweis insbesondere auf Berufspendler, die Lockdown-bedingt nicht so häufig wie sonst unterwegs waren. Auch bei den Unfällen „mit Personenschaden“, also mit verletzten oder getöteten Verkehrsteilnehmern, zeigte Speyer einen stärkeren Rückgang als das Land: 247 Unfälle fielen im Dienstgebiet der Inspektion Speyer in diese Kategorie, knapp 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang in ganz Rheinland-Pfalz lag bei rund zehn Prozent. Besonders erfreulich für Brockmann: In seinem Dienstgebiet ereignete sich im vergangenen Jahr kein einziger tödlicher Unfall. im Vorjahr war eine Radfahrerin bei einem Unfall in Speyer gestorben.
Moderater Rückgang bei Radfahr-Unfällen
Ob für die deutlichen Rückgänge in allen Unfallkategorien allein die Pandemie verantwortlich sei, müsse erst eine Langzeitanalyse zeigen, sagte der Speyerer Polizeichef. Fest steht jedoch: Seine Inspektion registrierte bei der Anzahl der Unfälle 2020 ein Fünf-Jahres-Tief – auch bei Unfällen mit Radfahrern. Hier fiel der Rückgang mit „nur“ knapp elf Prozent im Vergleich zu anderen Bereichen moderat aus. In immer noch 156 Fällen waren Radfahrer im vergangenen Jahr an Unfällen beteiligt. Brockmann vermutet, dass in der Fahrradstadt Speyer dem Drahtesel in Pandemie-Zeiten eine noch höhere Bedeutung als Fortbewegungsmittel beigemessen wurde als ohnehin schon.
Moderat sei auch der Rückgang der Verkehrsunfälle mit jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) gewesen, sagt Brockmann. 475 Mal krachte es hier im vergangenen Jahr, ein Rückgang zum Vorjahr um rund acht Prozent. Zum Vergleich: In den beiden Gruppen der Über-65- und Über-75-Jährigen ereigneten sich jeweils knapp 28 Prozent weniger Unfälle. Brockmanns Erklärungsansatz für die Unterschiede: Junge Menschen seien trotz Lockdowns berufs- oder freizeitbedingt häufiger unterwegs gewesen als ältere. Das sei allerdings nur eine Vermutung, die Polizei habe hierbei keine Verkehrszählung durchgeführt.
Daten und Fakten: Unfälle 2020
- 2145 Unfälle insgesamt (723 weniger als 2019)
- 210 leicht verletzte Personen (minus 111), 37 Schwerverletzte (-11)
- 33 Unfälle unter Alkohol (-13), 8 unter Drogen (-3)
- 578 Unfälle mit Flucht (-166), Aufklärungsrate 43,08 Prozent (2019: 42,74)
- 121 Unfälle mit Wild (-50 Fälle)
- 33 Unfälle mit Kindern (-11)
- 475 Unfälle 18-24-Jährige (-42)
- 476 Unfälle Senioren 65+ (-192)
- 236 Unfälle Senioren 75+ (-92)
- 156 Unfälle Radfahrer (-19)
- 13 Unfälle Pedelec (-7)
- 70 Unfälle motorisierte Zweiräder (-25)
RHEINPFALZ-Kommentar von Anna Warczok: Positiver Effekt
Auch im Jahr 2019 verzeichnete die Polizei Speyer bereits weniger Unfälle als im Jahr davor. Doch so deutlich wie 2020 fiel der Rückgang damals nicht aus – da liegt die Vermutung nahe, dass vor allem die Pandemielage mit Lockdowns dazu geführt hat, dass es auf den Straßen und Speyer und Umgebung weniger oft krachte. Ob und wie stark das Unfallgeschehen in den kommenden Jahren wieder steigt, muss sich noch zeigen. So hatte das Corona-Jahr 2020 jedoch zumindest einen positiven Effekt.