Speyer Unbekannter Hafen 2015

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14. April 1912. Es wird aufgetischt: Lamm mit Minzsoße, pochierter Lachs, Waldorf-Pudding. Um 23.40 Uhr nimmt das Schicksal des Passagierschiffs RMS Titanic südöstlich von Neufundland seinen Lauf. 31. Dezember 2014. Es wird aufgetischt: Barbarie-Entenbrust, geschmorte Schweinebäckchen, Whiskey-Tiramisu. Um 24 Uhr regnet es Feuerwerk über Speyer. Inmitten von Erinnerungen an Leid und Abschied feiern bei einer Veranstaltung zur Titanic-Schau im Historischen Museum mehrere 100 Frauen und Männer einen Neubeginn. Die Überfahrt in 2015 ist gelungen. Sarah und Thorsten Thomas hatten Glück. Die beiden haben zwei der letzten verfügbaren Tickets für das Gala-Dinner am Silvesterabend ergattert. Beim Besuch der neuesten Ausstellung „Echte Funde – Wahre Schicksale“ gehen sie der Titanic auf die Spur und mischen sich dabei unter die Gäste, die sich lediglich noch zur Gala-Party einfinden konnten. „Eine tolle Idee. Mal was ganz anderes“, kommentiert der Ludwigshafener Thorsten Thomas (35) das Angebot. „Irgendwie authentisch“, meint seine Frau Sarah (30). Fast wie im Film fühlt sich Hiltrud Klein, die mit einer Gruppe befreundeter Paare die Party als Ausklang des alten und Einstieg ins neue Jahr nutzt, mit ihrem „Boarding Pass“ als Eintrittskarte. Die Frau aus der Domstadt war neugierig auf die Umsetzung der ganzen Sache. Die Ausstellung will sie aber nochmals besuchen. „Mit mehr Ruhe“, sagt sie. In der Tat: Nur bedingt möglich ist es an diesem Abend, sich auf die Geschichte einzulassen, die von so viel Kummer geschrieben ist. Zwei Frauen betrachten den Telegrafen hinter Glas, aufgebaut vor einem „Eisberg“. „Schlimm, wenn man an die ganzen Schicksale denkt“, meint Magdalena Stauder. Auch die 40-Jährige will ein zweites Mal ins Museum kommen. „Jetzt wollen wir erst mal feiern“, meint sie am Silvesterabend, eine Stunde bevor der neue Tag beginnt. In Feierlaune ist jeder, ob Dinner- oder Party-Gast. Mit „Amokoma“ aus Mannheim hat das Museum einen Garant für beste Unterhaltung auf die Titanic geholt, auch wenn der nicht so lange spielt, wie es sich manche Gäste wünschen. Soul und Funk, House und R’n’B – ein rauschendes Fest in einem berauschenden Ambiente hält an. Hugo und Caipirinha bilden den Gegenpol zu Gersten- und Rebensaft. „Perfekte Entscheidung hierher zu gehen – trotz des stolzen Preises“, meint Besucher Jörg Wagner (33). Dafür entlohnt fühlt er sich in jedem Fall und außerdem: „Man gönnt sich ja sonst nichts.“ Noch 15 Minuten trennen ihn und alle anderen von der Einfahrt in den noch unbekannten Hafen namens 2015. Der Sekt ist kaltgestellt, die ersten Korken lösen sich, in den Gläsern beginnt es zu prickeln. Die Speyerer „Titanic“ wirft den Anker. Ziel sicher erreicht, das neue Jahr ist da. Ein filmreifer Neubeginn.

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