Speyer Trotz Währungsreform spenden viele für Glocken
Duplizität der Ereignisse vor genau 70 Jahren: Am 23. Mai 1949 wurde in Bonn das Grundgesetz verkündet. Just am selben Tag trafen in Heiligenstein – ein paar Tage früher als vorgesehen – die neuen Glocken ein.
Der Markstein der Staatswerdung der jungen Bundesrepublik erregte wahrscheinlich damals weniger Aufsehen in Heiligenstein als die Ankunft der Glocken „abends um halb neun Uhr, als eben die Maiandacht zu Ende war“, wie Pfarrer Scherübl in der Pfarrchronik schrieb. Bereits im Februar 1946 waren erste Verhandlungen mit der Bochumer Glockengießerei aufgenommen worden. Jedoch erst im Herbst 1948 nahm der Plan feste Formen an, nicht zuletzt durch die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung – und das kurz nach der Währungsreform. Von den 1921 angeschafften Glocken war seit März 1942 nur die kleinste Glocke übrig geblieben. Sie wurde nach Lug (Pfarrei Schwanheim) verkauft. Man brachte das neue Geläut zunächst in die Scheune der Familie Steidel. An Christi Himmelfahrt wurden die Glocken nachmittags um 3 Uhr auf festlich geschmückten Vierspännern begleitet von Reitern durch die Straßen des Dorfes gefahren. In den folgenden Tagen wurden sie in der Heiligensteiner Pfarrkirche aufgestellt. Am Pfingstsonntag, abends 6 Uhr, begann der Festakt der Glockenweihe. Bischof Joseph Wendel war kurz vorher von 30 geschmückten Radfahrern und 20 Reitern am „Tafelsbrunnen“ empfangen und zur Kirche geleitet worden. Die Männer waren die Paten der St. Michael geweihten Festtagsglocke. Der Frauen-Gruß galt der Friedensglocke St. Albert. Für die Ave-Glocke (Marienglocke) hatten die Jungmännern, und für die Armen-Seele-Glocke, St. Barbara geweiht, die Frauenjugend die Patenschaft übernommen. In den folgenden Tagen nach Pfingsten wurden die Glocken in den Kirchturm gehievt. Das Foto entstand vermutlich in diesem Zeitraum. Federführend war dabei Philipp Schall („de Zimmermann Filp“). Eine kleine Anekdote am Rande: Das Sockelmaß der großen St. Michaelsglocke war einige Zentimeter größer als die Breite des Turmfensters. So mussten am Sockel jeweils ein paar Zentimeter vom Gewände abgespitzt werden. Noch heute kann man oben im Glockenturm die zugeputzten Ecken erkennen. Bereits eine Woche vor Ankunft der neuen Glocken hatte in Heiligenstein ein weiteres Großereignis stattgefunden: Bischof Wendel firmte 120 Jungen und Mädchen aus Heiligenstein, Berghausen und Mechtersheim. So kam der Bischof innerhalb kurzer Zeit zweimal nach Heiligenstein und wurde jedes Mal mit großem Gepränge empfangen.