Speyer
Trotz Job: Sieben Jahre in Gemeinschaftsunterkunft
Im leerstehenden „Stift“ wurden frühere Krankenzimmer umgebaut, neben der Kirche St. Joseph die Pfarrerwohnung. In der Pfaugasse wurden Ferienwohnungen gekauft, beim Judomaxx ein Container-Bau geplant – was Proteststürme hervorrief: Die Quartiere, in denen die Stadt ihr zugewiesene Flüchtlinge unterbringen konnte, hatten vor allem 2023 zeitweise kaum ausgereicht, sodass schon mal beim Land um eine Zuweisungspause gebeten werden musste. Seither hat die Stadt nachgebessert. Ganz aktuell ist der Ausbau der seit 2017 genutzten Gemeinschaftsunterkunft in der Engelsgasse fertig geworden.
Die bis zu 70 zusätzlichen Plätze im dritten Obergeschoss des früheren Altenheimes könnten ab sofort belegt werden, berichtet der zuständige Abteilungsleiter Michael Spieß im RHEINPFALZ-Gespräch. Dabei handelt es sich fast um eine Verdopplung der Kapazität. Zur Nutzung des kirchlichen Gebäudes haben Bistum und Kirche schon vor fast einem Jahrzehnt einen Vertrag geschlossen.
Viele Ukraine-Flüchtlinge
Noch sei der Bezug der neuen Räume aber nicht nötig gewesen. Die 85 der Stadt zugewiesenen Neuankömmlinge von Jahresbeginn bis – einschließlich der schon angekündigten Personen – Ende Mai hätten in anderen Quartieren untergebracht werden können. Schwerpunkt: zwei frühere Bundeswehr-Gebäude im Birkenweg, von denen eines für ukrainische Flüchtlinge reserviert sei. Mit 50 der 85 Zugewiesenen in diesem Jahr komme ein Großteil aus dem osteuropäischen Kriegsland.
Die Speyerer Ukrainer fänden oft relativ schnell eigene Wohnungen oder zögen zu Verwandten, berichtet Spieß aus der Praxis. Dass die kommunalen Unterkünfte dennoch dicht belegt bleiben, habe mit einem großen Problem vieler Flüchtlinge aus anderen Ländern zu tun: Gerade alleinstehende Männer hätten auf dem angespannten Wohnungsmarkt der Domstadt samt Umland oft kaum Chancen, etwa ein 50-Quadratmeter-Appartement zu finden. Wenn einmal eine entsprechende Einheit auf dem Markt sei, hätten sie es teilweise schwerer als Bewerber etwa mit deutschen Namen.
Keine Wohnung trotz Job
Sie müssten dann in städtischen Quartieren mit Mehrfach-Zimmerbelegung, Gemeinschaftsbad und -küche bleiben, obwohl sie längst ihr eigenes Geld verdienten. Viele seien zum Beispiel in den Logistikzentren von Amazon, Daimler und Post, in der Gastronomie oder in Barbershops beschäftigt und verdienten 2000 Euro netto im Monat, von denen sie locker eine Miete bezahlen könnten. So blieben sie auf die Stadt angewiesen und würden mit Nutzungsentschädigungen zur Kasse gebeten, erklärt Spieß. Die „Rekordhalter“ wohnten seit sieben Jahren in der Engelsgasse. Sozialarbeiter der Stadt – je zwei sind für die Einrichtungen im Birkenweg und in der Engelsgasse zuständig, einer für das „Stift“ – unterstützten sie bei der Wohnungssuche, jedoch zu selten mit Erfolg.
Von den 731 Plätzen in städtischen Unterkünften (die Erweiterung in der Engelsgasse schon eingerechnet) waren zuletzt 604 belegt, aber nur ein Drittel davon mit Empfängern von Asylbewerberleistungen. Die anderen Bewohner seien im Job oder erhielten Leistungen von der Arbeitsagentur. Die Stadt hoffe, mit dem aktuellen Wohnungsbestand in diesem Jahr auszukommen. „Wenn uns keine neue Flüchtlingswelle erreicht“, könne das klappen, so Spieß. Dass es aktuell etwas „Luft“ gibt, werde eventuell dafür genutzt, die Belegung im Birkenweg zu entzerren, Sechser-Zimmerbelegungen auf vier Personen zu reduzieren und das dritte Stockwerk der Engelsgasse „einzuweihen“.
