Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Trio „Brel-Projekt“ im Bürgerhaus

Trio „Brel-Projekt“
Trio »Brel-Projekt«

Das Trio „Brel-Projekt“ aus Mainz und Nieder-Olm hat dem unvergessenen Vertreter des literarischen Chansons, im voll besetzten Bürgerhaus ein Denkmal gesetzt .

Mit so vielen Jacques-Brel-Liebhabern habe er nicht gerechnet, räumt der Dudenhofener Vorsitzende des örtlichen Kulturvereins ein. Der Saal platzt aus allen Nähten, weitere Stühle müssen aufgestellt werden.

Brels Leben und Wirken

Ein für Brel typisches Schwarz-Weiß-Foto dominiert die Bühne. Davor sitzt Christian Küchenmeister am Klavier, später kommt die Klarinette hinzu. Gitarrist Gerald Borg beugt sich über die Saiten, Steffen Heieck nimmt das Mikrofon zur Hand. Er moderiert den Abend, in dessen Mittelpunkt Leben und Wirken des Chansonniers steht, der aus einer großbürgerlichen belgischen Familie stammt und bereits im Alter von 49 Jahren gestorben ist.

Sorgfältige Auswahl

Seine Zeit zu beleuchten, haben sich die drei Künstler zur Aufgabe gemacht. Die Auswahl aus mehr als 130 Chansons des Chansonniers hat das Trio sorgfältig getroffen, Heieck interpretiert sie so authentisch wie sensibel. Bei ihm ist Leidenschaft zu spüren, wenn er von „Mathilde“ singt, der ihr musikalischer Urheber verfallen ist oder Brels Flucht in Männerfreundschaften, weil die Sache mit den Frauen oft unglücklich endete. Mit Therese Michielson, seiner Ehefrau und Mutter seiner drei Töchter, blieb er trotz zahlreicher Affären bis zum Tod verheiratet.

Brel war von Selbstzweifeln gepeinigt. „Man glaubt, der Docht zu sein, aber man ist nur Wachs“ singt Heieck ganz wunderbar auf Französisch. Brels Suche nach Liebe prägt sein gesamtes Leben und große Teile des Programms des Trios Brel-Projekt.

Rückzug in die Südsee

Dass das berühmte „Seasons in the sun“ auf Brels Chanson „Le Moribond“ (Der Sterbende) basiert, lernen die Zuhörer wie seine Abwehr gegen die flämische Sprache, die Brel als „Höllengebell“ abtat. Dennoch singt Heieck ganz in Brels Sinn mit „Le plat pays“ vom flachen Land, seinem Land, das Liedermacher Klaus Hoffmann 1977 als „Mein Flanderland“ in deutscher Sprache auf CD bannte.

Viele große Namen haben Brel gecovert, berichtet Heieck von mehr als 1000 prominenten Wiederauflagen, die indes Brel nicht vom Rückzug aus dem Chanson-Business in die Südsee abhalten konnten. Begraben neben dem Maler Paul Gauguin, ist der Ort für den ewig damit hadernden Atheisten Heimat geworden und geblieben.

Botschafter der Liebe

Am Ende des Programms in Dudenhofen steht „Quand on n’a que l’amour“, das Lied, das nach dem Pariser Attentat 2015 zur Gedenkfeier für die Opfer im Bataclan angestimmt wurde. Wenn nichts bleibt als die Liebe, ist Jacques Brel auch posthum der beste Botschafter. Das Trio „Brel-Projekt“ steht ihm nicht nach.

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