Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Treffen in Speyer: Caroline Bosbach und die Wünsche der Wirtschaft

Für die CDU im Bundestag, für die VR Bank in Speyer: Caroline Bosbach.
Für die CDU im Bundestag, für die VR Bank in Speyer: Caroline Bosbach.

„So geht Zukunft!“ war eine Veranstaltung zweier Banken in Speyer überschrieben. Hochkarätig besetzt, sollte der Wirtschaftsstandort gestärkt werden. Wie kann das gelingen?

„Einen positiveren Blick in die Zukunft“ wünschte sich Till Meßmer. Der Vorstandssprecher und seine Vereinigte VR Bank Kur- und Rheinpfalz waren einer der zwei Gastgeber im Historischen Museum. Der andere war die Investitions- und Strukturbank (ISB) Rheinland-Pfalz. Beide boten sich als Partner und Kreditgeber der Wirtschaft an, die gerne „mit Begleitung ins Risiko“ gehen könne, wie es ISB-Vorstandsmitglied Sandra Baumbach ausdrückte. Mehrere Unternehmensvertreter waren auch auf dem Podium, die größten Redeanteile hatten aber zwei Politikerinnen.

„Erst wenn wir die Vollkasko-Mentalität ablegen, werden wir wieder Wohlstand bekommen“, appellierte Caroline Bosbach an unternehmerische Tugenden. Die 35-jährige CDU-Politikerin aus dem Rheinland hielt als Keynote-Speakerin einen Impulsvortrag. Deutschland politischer Einfluss stehe und falle mit der Wirtschaftsstärke des Landes, nicht mit „moralischen Reden“, so die Bundesvorsitzende des Jungen Wirtschaftsrates ihrer Partei.

Politik schimpft über Politik

Die Tochter des langjährigen Bundestagsmitglieds Wolfgang Bosbach, selbst seit 2025 im Parlament, berichtete über ihren Werdegang, schimpfte auf die vorige Bundesregierung, die die Klimapolitik überbetont habe. Die Prioritäten Bosbachs liegen woanders: „Erstens Wirtschaft, zweitens Wirtschaft, drittens Wirtschaft.“ Soziale Gerechtigkeit dürfe nicht nur an den Empfängern von Transferleistungen gemessen werden, sondern müsse auch Unternehmern zukommen. Sie sei erst seit Kurzem Berufspolitikerin und nah an der Basis, so Bosbach. Bei früheren Jobs in der Gastronomie habe sie „mehr über Menschen gelernt als je davor und danach“.

Bosbach forderte die Unternehmer auf, Politiker in ihre Betriebe einzuladen, um sie mit ihren Problemen vertraut zu machen. Ein paar davon wurden gleich auf dem Speyerer Podium geteilt. Karoline Gaul, Gesellschafterin eines Weinguts in Sausenheim, wünschte sich etwa weniger Auflagen für Saisonarbeitskräfte und beim Mindestlohn. Die Bekämpfung der Pflanzenkrankheit Echter Mehltau müsse entbürokratisiert werden. Max Spielmann, Geschäftsführer von Weldebräu (Plankstadt), forderte flexiblere Arbeitszeitmodelle und eine Reform des Sozial- und Steuersystems. „Wir haben ein eklatantes Umsetzungsproblem“, so der Geschäftsmann, der sich vorstellen könnte, dass die Politik mehr Verantwortung an die Wirtschaft abgibt.

Bund und Europa gefordert

Von Landeswirtschaftsministerin Daniela Schmitt als FDP-Politikerin hatten die Firmenvertreter keinen großen Widerspruch zu erwarten. Sie zeigte sich ein halbes Jahr vor der Landtagswahl schon im Wahlkampfmodus, kritisierte die Politik der CDU/CSU/SPD-Koalition in Berlin und lobte die der rheinland-pfälzischen Landesregierung, an der die Liberalen beteiligt sind. Es brauche aber auch die Bundes- und Europa-Ebene, um die erforderlichen Reformen für den Mittelstand und die Landwirtschaft inklusive Weinbau umzusetzen. In ihrer Kritik an „Work-Life-Balance“ mit zu geringer Betonung der Komponente Arbeit war sich Schmitt mit Bosbach einig.

Beide Politikerinnen ermutigten dazu, auch in Zeiten der gesellschaftlichen Polarisierung miteinander zu reden und nach Kompromissen zu suchen. Dabei sah Gastgeber Meßmer den von seiner VR-Bank betreuten Wirtschaftsstandort gut aufgestellt: Der Zusammenhalt und die Mentalität der Bürger in der Metropolregion Rhein-Neckar seien beste Voraussetzungen dafür, dass Netzwerke entstehen. Und diese seien ganz entscheidend für eine gute Zukunft vieler Betriebe in Zeiten des Umbruchs.

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