Speyer Traktor mahlt Roggen

Fahrzeuge (hier ein Mercedes SSK) für Groß und Klein: Pepe mit seinem Opa Herbert Henkel beim Oldtimertreffen in Berghausen.
Fahrzeuge (hier ein Mercedes SSK) für Groß und Klein: Pepe mit seinem Opa Herbert Henkel beim Oldtimertreffen in Berghausen.

„Bitte nicht berühren“. Der schriftliche Hinweis an der Seite des Deutz mit der himmelblauen Schnauze liest sich leichter als er tatsächlich ist. Nicht nur Kinder sind beeindruckt von den Oldtimern, die sich gestern beim 14. Treffen der Schlepperfreunde Römerberg aneinanderreihen. Auch Erwachsene machen keinen Hehl aus der Faszination für die Tradition. Die Besucher strömen, auf der Ausstellungsfläche wird’s eng.

„Wir sind an der Grenze angelangt“, gibt Johannes Jochem, Gründungsmitglied und Schriftführer der Schlepperfreunde, am Rande des Geschehens im Gespräch mit der RHEINPFALZ kurz nach der Mittagszeit zu. Gerade mal eine Stunde liegt die offizielle Eröffnung zurück und auch das kleinste Fleckchen auf dem Gelände des FV Berghausen ist bestückt. Wieder haben die Schlepperfreunde in den Fußballern den perfekten Kooperationspartner gefunden. Das erste Mal seit drei Jahren bleibt der Regen zum Oldtimertreffen aus. Das und die Tatsache, dass die Römerberger die erste große Zusammenkunft des Jahres ausrichten, sind offenkundig der Auslöser des ungeahnten Massenandrangs, der ins Rollen gekommen ist. Zwischendurch geht auf der Zufahrtsstraße zum Areal nichts mehr. Die Ankommenden stehen im Stau, bis für alle Ausstellungsobjekte noch Plätze freigemacht sind. „Bei der Premiere dachten wir, da kommen um die 50 Bulldogs“, erinnert sich Jochem an die Anfänge. Davon kann längst nicht mehr die Rede sein. Das Aufkommen gestern liegt in anderen Dimensionen. „400 bis 500 Fahrzeuge“, wagt Jochem eine Schätzung, als er den Blick übers Gelände schweifen lässt und fügt an: „Das Treffen ist längst zum Selbstläufer geworden.“ Nicht zuletzt haben die Schlepperfreunde sich auch um einen besonderen Service bemüht. „Es besteht die Möglichkeit, die Hauptuntersuchung machen zu lassen“, erklärt Jochem. Das, kombiniert mit dem Spaß am gemeinsamen Fachsimpeln mit Gleichgesinnten, reizt die Oldtimer-Freunde. Nicht nur Besitzer von Deutz, Eicher, Ford, Fendt und – in einer Sonderschau zusammengestellt – Schlüter sind vor Ort. Zu bestaunen gibt es außerdem echte Klassiker, die früher gang und gäbe auf den Straßen gewesen sind. Neben einem knallgelben VW Käfer lässt eine Reihe voller Kult-Bullys aus dem gleichen Produktionshaus die Herzen der Besucher höher schlagen. Motorräder, Bundeswehrfahrzeuge und in Ehren gehaltene alte Feuerwehrautos ergänzen das Feld. „Es ist von allem etwas da“, sagt Jochem und nennt damit das Geheimnis des Erfolgs der Veranstaltung. Bei den Älteren, vermutet er, liege das Interesse in der Faszination für die alte Technik, die heute noch funktioniert. „Da stehen 70, 80 Jahre alte Fahrzeuge, die alle noch laufen und das ohne Elektronik“, hebt Jochem hervor. Das gleiche gilt für die traktorbetriebene „Dreschhexe“ von Klaus Reibel, die mit einer Schrotmühle verbunden ist. Aus dieser gibt Traktor-Klaus, wie ihn alle nennen, gemahlenen Roggen aus. Schon am Freitag ist der Mann aus Eberbach mit seinem Equipment angereist. „Ich mache hier ein paar Tage Urlaub und fühle mich sauwohl“, bringt er es ohne Umschweife auf den Punkt. Seinen Traktor hat er seit 28 Jahren. „Eigentlich“, verrät Reibel, „wollte ich Bauer werden.“ Weil ihm ein landwirtschaftlicher Hof fehlte, wurde er Schlosser. Das handwerkliche Geschick kommt ihm nun bei der Verbindung von Fahrzeug und Maschine zugute. Die Lederflachriemen dazwischen sind perfekt gespannt. „Das ist eine Abwandlung von einer Dampfmaschine“, informiert Reibel über die Technik. Die findet Bewunderung beim Oldtimertreffen. Groß und Klein bleiben stehen, beobachten und nehmen gerne eine Tüte Roggenschrot mit. Überall gibt’s was fürs Auge, hat Jochem zuvor versichert. Reibel beweist, dass der Mitorganisator Recht behält. Langeweile bleibt ein Fremdwort beim Oldtimertreffen. Wer sich zwischendurch eine Pause gönnt, nutzt die Versorgungsstationen des FV Berghausen oder die Chance auf eine Rundfahrt mit einem der Traktoren. Dabei hat das Jucken in den Fingern ein Ende. Berühren verboten gilt beim Aufsitzen nämlich nicht mehr.

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