Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Traditionsgeschäft: Wie sich Käse Bader in Speyer behauptet

Jeden Tag Lust auf die Arbeit: Käse-Experte Michael Bader.
Jeden Tag Lust auf die Arbeit: Käse-Experte Michael Bader.

„Der Käse Bader“ ist eine Institution in Speyer. Das inhabergeführte Fachgeschäft in der Gilgenstraße läuft gut, obwohl es 2025 einen schweren Rückschlag verkraften musste.

„Es war ein Schock für die ganze Straße“, sagt Michael Bader. Eine bis auf zwei Banken aus inhabergeführten Fachgeschäften bestehende Einkaufsstraße wie die Gilgenstraße, in der er Käse verkauft, ist inzwischen bundesweit eine Rarität. Umso bitterer war es, als im vergangenen Herbst die Metzgerei Vogt (Haßloch) wegen Personalmangels ihre Filiale direkt neben Käse Bader schließen musste. Über viele Jahre hinweg seien an dieser Stelle Käse und Wurst nebeneinander verkauft worden – ein echter Traditionsstandort. „Die Metzgerei hat die Laufkundschaft ausgemacht in der Gilgenstraße. Alle anderen Geschäfte leben von Stammkunden“, sagt Bader.

Geschäftsmann Bader steckt den Kopf nicht in den Sand. Die Monate Oktober bis Dezember seien für ihn auch ohne den Nachbarn Vogt gut gelaufen. In diesen verzeichne er alljährlich die besten Umsätze, deshalb sei er jetzt umso gespannter, wie sich das neue Jahr wirtschaftlich anlässt. Aus der Not eine Tugend macht Bader, indem er das komplette Dosenwurst-Sortiment von Vogt übernommen hat. Jeweils dienstags und donnerstags werde er von dem Metzger mit frischer Ware beliefert. „Das ist ganz gut angelaufen.“ Er bedauere den Abschied des Fachgeschäfts nebenan sehr, glaube aber nicht, dass das seine Umsätze schmälere.

27 Jahre Käse als Job

Bader hat 2009 den Traditionsstandort von Käse Mattner übernommen. Käse-Experte ist er nach eigenen Angaben seit 27 Jahren. Er war lange mit einem Verkaufswagen auf Märkten unterwegs und ab 2002 auch ein Pionier mit seinem Verkauf im Industriehof. „Ich mache das noch ein paar Jahre“, sagt der 68-Jährige über sein heutiges Geschäft, das er zusammen mit zwei Aushilfen betreibt. „Es gab noch keinen einzigen Tag, an dem ich keine Lust auf die Arbeit hier gehabt hätte.“ Er ist überzeugt, nicht den Weg anderer Käsegeschäfte gehen zu müssen, die sich zuletzt etwa aus Landau und Frankenthal verabschiedet hätten. Dafür bürgten seine Stammkunden, viele davon schon etwas älter, aber immer öfter auch um junge Familien ergänzt.

Er könne „den Käse nicht neu erfinden“, aber dennoch ein Alleinstellungsmerkmal bieten, betont Bader: „Die eigene Note bin ich.“ Persönliche Beratung stehe über allem – und genau damit punkte er bei Käse als beratungsintensivem Produkt. Die Supermärkte, die vor einigen Jahrzehnten ihre Käsetheken deutlich ausgebaut hätten, legten ihr Augenmerk heute eher auf Fleisch und Wurst. Sein Sortiment entwickle sich immer weiter und nehme neue Trends auf, sagt Bader. Käseplatten für Festlichkeiten spielten wirtschaftlich eine große Rolle, eine Spezialität sei seine Käsepastete, ein Schwerpunkt im internationalen Angebot liege auf französischen Sorten, so der früher selbst in Frankreich wohnhafte Speyerer.

Standort braucht Hilfe

Bei aller Anerkennung für den Traditionsstandort Gilgenstraße: Neue Impulse habe dieser durchaus nötig, betont der auch in der Leistungsgemeinschaft Das Herz Speyers aktive und von Käseseminaren bekannte Bader. Der von der Stadt schon lange angekündigten Neugestaltung des Postplatzes kommt aus seiner Sicht eine Schlüsselrolle dazu. Die Gilgenstraße sei darauf angewiesen, dass Besucher von Dom hier „hinter“ das Altpörtel kämen, und das funktioniere nur mit einem attraktiven Platz. Dass die Straße in den vergangenen Wochen für den Durchgangsverkehr gesperrt war, sieht er mit gemischten Gefühlen: Sein Favorit wäre weder eine Sperrung noch eine komplette Öffnung, sondern eine Einbahnstraße mit Kurzzeitparkbuchten, wobei er betont, dass auch das „normale“ Parkplatzangebot vor allem rund um die Josephskirche gut sei.

Michael Bader ist keiner, der solche Forderungen in Speyers kleine Welt hinausposaunt. Wer ihn fragt, erhält aber sehr profunde Einschätzungen. Man kann erahnen, dass darauf auch sein Renommee als Käsehändler basiert. Also, Herr Bader, wie hält sich eigentlich Käse zu Hause am längsten? Der Unternehmer schmunzelt: „Es ist die Frage, wie man damit umgeht.“ Hartkäse schlage man am besten in Papiertücher ein und lege ihn in eine Tupperdose. Bei Weichkäse bewähre sich zum Beispiel das hochwertige Papier, das er seinen Kunden mitgebe. Auch mit Käseglocken – und natürlich etwas Umsicht – komme man aber weit.

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