Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Prüfantrag für Gilgenstraßen-Sperrung: „Einmalige Chance für die Stadt“

November 2024: Gilgenstraße wird zur Tempo-20-Zone.
November 2024: Gilgenstraße wird zur Tempo-20-Zone.

Die Beschränkung des Kraftverkehrs in der Gilgenstraße auf Anlieger und Busse zu prüfen, fordert die UfS-Fraktion im Stadtrat. So begründet Maria Montero-Muth den Vorstoß.

Frau Montero-Muth, Sperrung der Gilgenstraße für den Durchgangsverkehr – erwarten Sie „Mottenkiste“-Vorwürfe für Ihren Vorschlag, nachdem ein vergleichbarer Verkehrsversuch 2024 zu den Akten gelegt wurde?
Wir fordern keine Sperrung für Anlieger oder ÖPNV. Wir fordern Fakten. Anwohner berichten, die infolge von Bauarbeiten gesperrte Gilgenstraße hat zu einer deutlichen Entlastung in den zuführenden Straßen geführt. Insbesondere nachts ist Ruhe eingekehrt, Pkws fahren langsamer und Fahrradfahrer fahren nur noch selten auf den Trottoirs. Die Verkehrssituation ist entspannter. Ein Verkehrschaos blieb aus, die Umgehungsstraße wird als alternative Ausweichroute angenommen, für was sie auch gedacht ist.

Warum wäre die Sache aus Ihrer Sicht eine Debatte wert?
Innerstädtische Verkehrsberuhigung mit Verbesserung der Lebensqualität durch verminderte Feinstaub- und Lärmemissionen hat sich Speyer als gesunde Stadt auf die Fahnen geschrieben, das ist im Interesse der Anwohner immer eine Debatte wert. Subjektiv hat sich die Luftqualität in der Gilgenstraße und den angrenzenden Straßen erheblich verbessert. Die Anwohnerinitiative der Landauer Straße hatte bereits vor zwei Jahren die Problematik des hohen Verkehrsaufkommens mit Raserei – besonders nachts – thematisiert. Jetzt besteht die einmalige Chance für die Stadt, die Effekte einer Sperrung der Gilgenstraße in Echtzeit zu testen. Es ist höchste Zeit, Daten über die baubedingte Verkehrsberuhigung der Gilgenstraße zu erfassen. Persönlich bin ich der Meinung, dass sehr viel unnötiger Durchgangsverkehr die Innenstadt belastet. Über die Umgehungsstraße sind alle Stadtteile verbunden und gut zu erreichen.

Maria Montero-Muth
Maria Montero-Muth

Sehen Sie eine realistische Chance auf eine politische Mehrheit dafür?
Mit dem Prüfantrag soll die Datenlage als Grundlage für eine etwaige Diskussion und Durchführbarkeit erarbeitet werden. Warum sollte sich jemand dagegen aussprechen? Das ist die Basis guter Kommunalpolitik und völlig parteiunabhängig. Eine Analyse hilft, faktenbasiert zu entscheiden.

Zum Verkehrsversuch gab es seinerseits rechtliche Bedenken. Wären Sie nun gleich für eine Dauerlösung?
Damals lagen rechtliche Bedenken beziehungsweise Unklarheiten bezüglich eines belastbaren Verkehrsversuchs vor. Jetzt bietet sich eine Gelegenheit, die Daten rechtlich unbedenklich zu erfassen, eine einmalige Chance! De facto ein rechtlich sicherer Verkehrsversuch. Die erfassten Daten sind sicherlich nützlich für die Umgestaltung des Postplatzes einschließlich Gilgenstraße.

Welche Kriterien wären für Sie entscheidend bei einer Prüfung?
Das kommt auf die erhobene Datenlage an. Auf alle Fälle sollte auch künftig – unabhängig von noch zu treffenden Entscheidungen – ein Anwohner- und Anliegerverkehr sowie ÖPNV in der Gilgenstraße gestattet sein.

Fürchten Sie keine Mehrbelastungen von Schützenstraße und Oberer Langgasse durch Ausweichverkehr?
Durch vermehrte Nutzung der Umgehungsstraße wird generell der innerstädtische Verkehr entlastet und die Innenstadt auch für den Handel attraktiver. Der unnötige Durchgangsverkehr würde zumindest zum Teil wegfallen. Man erinnere sich an die Sperrung der Hauptstraße und die damalige Diskussion. Heute sind wir zufrieden mit dieser Entscheidung.

Zur Person

Maria Montero-Muth (62), Fachärztin für Innere Medizin, ist seit 2010 Stadtratsmitglied, zunächst für die CDU, seit 2022 für die Fraktion UfS. Ihr Vorstoß ist am Donnerstag, 17 Uhr, Thema im Stadtrat.

Gilgenstraße: derzeit Zufahrt an der Gedächtniskirche gesperrt.
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