Speyer „Tote sind ruhig und stören keinen“

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Viele Speyerer verfolgen derzeit die Entwicklung der ehemaligen Kirche St. Ludwig in der Johannesstraße. Was damit passieren soll, ist noch nicht klar. RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Katharina Schlosser hat Besucher des städtischen Friedhofs nach ihrer Meinung gefragt: Urnengrabstätte in der Kirche als Alternative zu Friedwald oder lieber ein Kulturzentrum? Beide Konzepte sind noch im Investorenwettbewerb.

Rosemarie Sprengart(75)

, hätte nichts gegen eine Urnengrabstätte in der Stadt: „In Italien gibt es auch viele solcher Urnenwände, die sind auch mitten in der Stadt.“ Der kirchliche Aspekt solle in St. Ludwig erhalten bleiben. Sie erinnere sich an einen wunderschönen Altar in der Kirche. Generell empfinde sie es aber als würdiger, wenn man auf einem richtigen Friedhof begraben werde. Von Konzepten wie dem Friedwald, bei dem sich die Grabstätten unter Bäumen befinden, halte sie nicht viel, „das ist mehr was für Menschen, die keine Angehörigen mehr haben“, kommentiert Sprengart. Für Ingrid Martin (71) spielt es keine Rolle, wo sich eine Grabstätte befindet: „Für Angehörige, die eher in Richtung Innenstadt wohnen, wäre der Besuch der Urnengrabstätte vor Ort doch wesentlich einfacher.“ Auch der Vorschlag des Kulturzentrums sei nicht verkehrt, Martin könne sich sogar eine Kombination beider Vorschlägen vorstellen: „Wenn da ab und an ein Konzert gespielt wird, stört das doch wohl nicht. Das werden bestimmt keine Rockkonzerte sein.“ Für sie sei aber weiterhin der Friedhof eine wichtige Anlaufstelle. Sie sei kein Freund des Friedwald-Konzeptes. Ähnlich sieht das ihr Mann Hans Martin (73). Er gehe schon über 40 Jahre lang auf den Friedhof und wolle nur dort begraben werden. Der Friedwald in Dudenhofen gefalle ihm gar nicht. Generell habe er jedoch nichts gegen Urnengrabstätten, aber von einer Lage direkt in der Stadt sei er nicht begeistert. Ein Kulturzentrum lohne sich auch nur, „wenn`s gut gemacht ist“. Es gebe schließlich schon genug ähnliche Stellen in Speyer, so Martin. Daniela Rohrbacher-Puma (55) findet, dass die Erhaltung des kirchlichen Aspektes in St. Ludwig die sinnvollere Variante ist: „Gerade für ältere Menschen ist das eine gute Sache, dann müssen sie sich nicht mehr auf den Friedhof plagen. Außerdem wird der Wert der Kirche damit gesteigert.“ Ihr persönlich sei der Friedhof als Grabstätte lieber, sie gehe gerne dort das Grab ihrer Eltern besuchen. Schwester Wiltrud Musiol (80) kann sich noch erinnern, als St. Ludwig noch als Kirche genutzt wurde: „Zum Mittagsgebet waren mehr Leute dort als man glauben würde. Man hatte dort wirklich Ruhe, man konnte zu sich finden, ganz im Gegensatz zum Dom.“ Daher sei sie für die Erhaltung der Kirche und gegen das Kulturzentrum. Schwester Wiltrud schätzt am Friedhof, dass jeder wisse, wo man liege und es so den Angehörigen vereinfacht werde, an die Verstorbenen zu denken. Der Friedwald sei etwas ganz anderes. Die Orientierung fiele dort wesentlich schwerer. Eveline Löwe (69) ist eine Befürworterin des Friedwalds. „Ich habe mich bereits um meine Grabstätte in Dudenhofen gekümmert, habe quasi schon meinen Baum gekauft. Ein Schild mit meinem Namen ist schon angebracht worden.“ Sie habe sich deshalb dafür entschieden, da diese Art der Bestattung im Gegensatz zum städtischen Friedhof billiger und pflegeleichter sei. „So können mich meine Angehörigen besuchen, wann sie wollen, und nicht dann, wenn mein Grab mal wieder gepflegt werden muss“, berichtet Löwe. Die Errichtung der Urnengrabstätte in St. Ludwig sei eine gute Idee, sagt Löwe. Tote seien schließlich ruhig und würden niemanden stören. (kasc)

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