Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Tiropatrans plant Wachstum wie noch nie

Tiropatrans-Manager vor ihrem neuen Volvo-Lkw (von links): Sascha, Klaus und Stefan Ziehl.
Tiropatrans-Manager vor ihrem neuen Volvo-Lkw (von links): Sascha, Klaus und Stefan Ziehl.

Es gibt noch positive Wirtschaftsgeschichten trotz Corona. Die Tiropatrans Nutzfahrzeug Vertrieb und Service GmbH in Speyer schreibt eine davon. Die Prokuristen Stefan und Sascha Ziehl, Söhne von Inhaber Klaus Ziehl, starten seit Januar durch. Mit Übernahme des Neuwagenverkaufs von Volvo- und Renault-Trucks wollen sie auf die Überholspur fahren.

Speyer. „Der Kunde findet jetzt endlich alles bei uns unter einem Dach“, sagt Stefan Ziehl. Der 32-Jährige ist nach Worten seines Vaters die Triebfeder hinter dem neuen Aufbruch des Familienunternehmens als Dienstleister für die gewerblichen Lkw-Nutzer, dessen Anfänge bis in das Jahr 1973 zurückreichen. Volvo und Renault gehören seit 2001 zusammen. Volvo ist einer der größten Truck-Hersteller auf der Welt. Während Renault schon mit 3,5-Tonnern als Sprinter beginnt, steigt Volvo erst mit Zwölftonnern ein. Ein „Grundmodell“ – also die Zugmaschine – kostet zwischen 88.000 und 120.000 Euro.

„Der Verkauf von Neufahrzeugen hat bis jetzt aber noch gefehlt. Wir können dem Kunden damit nun das Gesamtpaket liefern“, betonen Stefan und Sascha (37) Ziehl im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Der Kunde kauft das Grundmodell, wir beraten, planen und besorgen mit und für ihn den spezifischen, individuellen Aufbau“, beschreibt Stefan Ziehl das neue Business seit Januar. Wartung und Reparatur wurden bisher schon angeboten. Einmal im Jahr muss jeder Laster in die Werkstatt, abhängig von seiner Kilometer-Laufleitung auch zweimal. Dieser Bereich bleibt erhalten. Der neue Zweig Verkauf läuft nach Worten der beiden Geschäftsführer gut an: 90 Fahrzeuge stehen für das aktuelle Geschäftsjahr im „Orderbuch“.

Zwei Standorte, 62 Mitarbeiter

Das Betreuungsgebiet von Tiropatrans reicht nun von Karlsruhe im Süden bis Darmstadt im Norden, Saarbrücken im Westen und Sinsheim im Osten. 62 Mitarbeiter beschäftigt die Spedition an ihren beiden Standorten Brühl und Speyer. Dazu gehören aktuell zwölf Azubis. „Jedes Jahr stellen wir drei bis sechs Azubis ein. Wir bilden aus, um die Mitarbeiter zu behalten“, so Stefan Ziehl. Rund 130 Nachwuchskräfte hat die Firme seit Bestehen schon ausgebildet – überwiegend als Nutzfahrzeugmechatroniker, aber auch als Kaufleute. Die Werkstätten sind noch reine Männerdomäne („eine weibliche Bewerbung im Jahr“, so Sascha Ziehl), im Bürobereich sieht das anders aus. „Wir werden dort immer weiblicher.“ Hinzu kommen Aufträge für das Unternehmen als sogenanntes Volvo-Penta-Center. Acht davon gibt es bundesweit. Das in Speyer betreut 17 Werkstätten, unter anderem als Zulieferer für Schiffs- und Staplermotorteile bis nach Köln.

E-Technik im Kommen

Neben der Aus- spielt die Weiterbildung eine zentrale Rolle in der Unternehmensphilosophie sowohl von Tiropatrans als auch von Volvo/Renault. „Unsere Mechatroniker sind heute hoch ausgebildete Experten auf dem Elektronik-Sektor“, berichtet Klaus Ziehl. Seine Söhne wissen und begrüßen, dass ihre Vertragspartner Renault und Volvo ein strenges und ambitioniertes Fortbildungsprogramm fahren. Beide Marken setzen zudem stark auf E-Mobilität. Volvo hat schon den Zwölftonner als E-Mobil auf der Straße. Er kostet aber noch rund 300.000 Euro. Die Reichweite sei mit 200 bis 300 Kilometern nicht berauschend. „Das ist was für den Verteilerverkehr in der Region“, sagen die Experten. „Das Ziel ist der Fernverkehr“, wissen sie. Sie erwarten eine rasche Weiterentwicklung. Auch andere Antriebstechniken – Flüssiggas, Wasserstoff und Brennstoffzelle – dürfen nicht aus den Augen verloren werden, betonen sie.

Stefan und Sascha Ziehl haben für das Familienunternehmen einen offensiven Zukunftsplan: „Wir sind auf Wachstumskurs.“ Die Zahlen belegen das Vorhaben: Die Tiropatrans-Gruppe hatte nach Angaben von Stefan Ziehl 2020 einen Umsatz von rund zwölf Millionen Euro. Im Plan für das gerade begonnene Jahr 2021 stehen „inklusive Vertrieb“, wie er betont, 28 Millionen Euro. Das ist mehr als eine Verdopplung des Umsatzes. Mit dem neuen Geschäftsfeld Neuwagenverkauf ist aus Sicht der beiden Manager das Feld dafür bereitet. Der 13.000 Quadratmeter große Standort in der Industriestraße bietet zudem noch ausreichend Platz: „Ein bis zwei Hallen können wir hier noch anbauen, zwei, drei Monteure können wir noch unterbringen“, berichten die Ziehls.

Generationswechsel im Gang

„Speyer ist als Standort nach wie vor interessant. Wir liegen inmitten von Autobahnen, sind gut erreichbar. Nur die Gewerbesteuer-Hebesätze passen nicht“, sagt der Inhaber der Firma, Klaus Ziehl. Aber er grinst dabei. Der 64-jährige leidenschaftliche Lkw-Fan und Rennradfahrer denkt über seinen Rückzug aus dem Geschäft nach. Der Generationswechsel an der Tiropatrans-Spitze läuft. Die neue Generation ist vom Fach und besitzt einschlägige Erfahrung: Stefan Ziehl hat nach dem Abitur eine Lehre als Nutzfahrzeugmechatroniker absolviert und abschließend alle Abteilungen im Betrieb durchlaufen, unter anderem selbst die Werkstatt geleitet. Sein Bruder Sascha hat an das Abitur eine Ausbildung zum Speditionskaufmann angehängt, dann sein Diplom in BWL erworben und ebenfalls alle Abteilungen im Haus durchlaufen.

Auch die Gesamtfirma, besser Gruppe, ist strategisch inzwischen gut aufgestellt. Die jungen Chefs haben das 50-jährige Bestehen 2025 bereits fest im Blick: Die Tiropatrans Nutzfahrzeug Vertrieb und Service GmbH mit der Werkstatt in Speyer ist die Muttergesellschaft. Dann gibt es die BEWE Truck Rental GmbH mit Sitz in Speyer. Das Geschäft dieser 100-prozentigen Tochter der Tiropatrans Nutzfahrzeug Vertrieb und Service GmbH ist die Vermietung von Lkws. Die Tiropatrans Baden GmbH in Brühl mit Werkstatt ist ebenso eine 100-prozentige Tochter der Tiropatrans Nutzfahrzeug Vertrieb und Service GmbH. Die neue Tiropatrans Vertriebs GmbH (Sitz Speyer) kümmert sich um den Verkauf von Neuwagen der Marken Renault und Volvo. Sie ist eine eigenständige Gesellschaft, keine Tochter. Auf dem Firmenüberblick im Computer von Stefan Ziehl sind schon weitere Felder skizziert. „Zukunftsmusik, noch nicht spruchreif“, wehrt er Nachfragen ab. „Zum Glück sind wir weitgehend von Corona unbeeindruckt unterwegs. Die Logistikbranche rollt. Supermärkte und Baustellen müssen beliefert werden.“

Nach Jahren mit regelmäßigen Investitionssummen von 100.000 bis 120.000 Euro in den Betrieb (Technik, Büro, Elektro, Glasfaser) hat in diesem Jahr das Marketing für das Unternehmen Priorität: Dazu zählen Werbeaktionen, Präsentationen und Veranstaltungen – sofern möglich – für Kunden, Fahrer, Unternehmer. Die vier firmeneigenen Vorführfahrzeuge können Interessenten dabei für eine Woche ausleihen, um selbst zu testen, was sie können. Wichtig für Tiropatrans ist 2021 auch die Teilnahme an der Nutzfahrzeugmesse Nufam im September in Karlsruhe. Der Branchentreff sei eine ideale Präsentationsplattform. Ein Stand ist gebucht. Ein Hygienekonzept gibt es. Letztlich entscheidet Corona, ob sie stattfinden kann. Das Virus sitzt mit am Tisch.

 

Chronologie

  • 1975: Gründung von Tiropatrans Nutzfahrzeug Vertrieb und Service GmbH.
  • 1976: Erwerb von 4000 Quadratmeter des jetzigen Firmengeländes an der Industriestraße, Neubau und Bezug.
  • 1977: Start als Vertragspartner für Volvo. Anbau der Werkstatt.
  • 1988: Zukauf eines Nachbargrundstücks. Die Werkstattgröße wird verdreifacht.
  • 1990/4: Erweiterungen des Verkaufsgebiets.
  • 2000: Gründung der Firma BEWE Truck Rental GmbH.
  • 2004: Vertragspartner für Volvo Penta.
  • 2006: Firmenübernahme der BEWE Truck Rental sowie der Firma Tiropatrans GmbH durch Klaus Ziehl.
  • 2009: Ausbau zum Volvo Penta Center.
  • 2014: Vertragspartner für Renault Trucks.
  • 2017: Übernahme der S+K Kling GmbH. Gründung der Tiropatrans Baden GmbH.
  • 2019: Neuer Partner Schmitz Kältetechnik.

 

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