Schwegenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tiernahrung aus der Pfalz für weltweiten Markt

Wichtiges Thema: Die Nahrung kann eine große Rolle für die Agilität des Hundes spielen.
Wichtiges Thema: Die Nahrung kann eine große Rolle für die Agilität des Hundes spielen.

Als Michaela Fohmann damit begann, hochwertige Tiernahrung herzustellen, war diese nur für den eigenen Hund gedacht. Daraus ist mit Terra Pura etwas Großes geworden. Seit mittlerweile 16 Jahren werden ihre Produkte im Einzelhandel verkauft und exportiert. Zum Monatsende steht bei ihrem Unternehmen im Breiten Pfuhl in Schwegenheim eine Veränderung ins Haus.

Michaela Fohmann ist gelernte Tierheilpraktikerin. Mit 61 Jahren will sie jetzt noch mal zurück in diesen Beruf, mit dem sie sich einen Traum verwirklicht hatte. Hinter ihr liegen Jahre voller Höhen und Tiefen. „Ich habe viel Lehrgeld bezahlt“, so die Schwegenheimerin. Die Erfahrungen aber, die sie durch die Herstellung der Tiernahrung sammelte, will sie noch weitergeben.

Das Geheimnis bei Fohmanns Produkten der Marke Terra Pura liegt in der Bio-Qualität. Darauf achtet sie auch in der persönlichen Ernährung. Als ihr Hund, den sie 2002 ins Haus holte, unter Hautekzemen zu leiden begann und nichts mehr half, stellte sie sich selbst an den Herd. „Damals war das Thema Futtermittelallergie noch nicht präsent“, sagt Fohmann. Pferdefleisch und Hirse servierte sie dem Vierbeiner statt des angepriesenen Trockenfutters aus den USA.

Hochwertige Zutaten

Im nächsten Schritt mischte sie Äpfel und Karotten. „Das war ein simples, einfaches Essen, aber mit hochwertigen Zutaten“, sagt Fohmann. Ihr Hund wurde gesund und sie hatte ein neues Tätigkeitsfeld für sich entdeckt. Ein Metzger in Offenbach stellte zuerst ihre Rezepturen her. Dann wechselte Fohmann zu einem Betrieb in Pirmasens. Schließlich steckte sie ihre Altersvorsorge in den Erwerb einer früheren Metzgerei in Landau, schaffte sich Maschinen an und begann die Eigenproduktion, die stetig wuchs.

„Ich habe nie damit gerechnet, dass ich meine Produkte nach Japan exportiere und dass sie bei uns in den Einzelhandel kommen“, sagt Fohmann. Sie musste ordentlich zupacken. Die Anforderungen wuchsen. 2015 hatte sie ein Burnout. „Meine Mitarbeiter haben damals viele Arbeiten übernommen“, sagt sie. Die Chefin selbst kaufte sich ein Pferd und begann, Kräutermischungen für dieses herzustellen. Wieder erweiterte sich das Sortiment. Kräuter hab es sodann für Hund und Katze, Trockenfutter wurde in einer Mühle selbst hergestellt.

2018 lagerte Fohmann die Dosenproduktion aus: „Händisch war die nicht mehr zu bewältigen.“ Die Kosten für die Mühle seien explodiert. Trockenfutter wird seit Mai 2020 nicht mehr produziert. Die restlichen Produkte entstehen bei Oldenburg exakt nach Fohmanns Rezepten.

Neue Eigentümer

Obwohl alles gut läuft: Die Tierheilpraktikerin will zurück in ihren Beruf. Für ihr Unternehmen hat sie neue Eigner gefunden. Bernd Nendersheuser und Martin Sieland übernehmen Terra Pura zum 1. Februar. Über die Unternehmensbörse der Industrie- und Handelskammer sind diese auf Fohmanns Betrieb gestoßen. „Das Gesamtpaket hat gestimmt“, so Sieland, für den der medizinische Bestandteil wichtig ist. Wie Terra Pura (www.terra-pura-tiernahrung.de) aufgebaut ist, soll es weitergeführt werden, kündigt Nendersheuser an: „Mit Herzblut und Authentizität. Drin ist, was drauf steht. Zusatzstoffe gibt es nicht.“

Nendersheuser kommt aus dem Finanzwesen, lebte lange Zeit in Paris und war für verschiedene Firmen auf dem Erdball unterwegs. Sieland hat ebenfalls 20 Jahre in verschiedenen ausländischen Städten der Welt gelebt, war vornehmlich in der Hotellerie tätig. Die vergangenen vier Jahre verbrachte er in Thailand. Dort haben sich die Herren auch kennengelernt und gemeinsam eine Insektenproteinproduktion für den Verzehr durch den Menschen gestartet. Den Zweig wollten sie auf Haustiere ausbauen. Corona-bedingt wurde das Vorhaben zurückgestellt. „Wir wollen uns abheben“, betonen sie, wohl wissend, dass der Tiernahrungsmarkt umkämpft ist. 45 Prozent der Deutschen halten laut Nendersheuser ein Haustier, davon sind 10,1 Millionen Hunde und 14,7 Millionen Katzen. Der Umsatz auf dem deutschen Haustiermarkt lag 2020 bei 5,2 Milliarden; jährliche Wachstumsrate: zwei Prozent.

x