Speyer
THW warnt vor Anfängerfehlern an der „Front“
Die Gasexplosion in Harthausen, ein Starkregen mit Überschwemmung in Kaiserslautern, der Großbrand eines Restaurants in Speyer oder der Brand eines Reifenlagers in Lingenfeld – das sind typische Einsatz-Situationen für den Speyerer Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW). Doch die ehrenamtlichen Männer und Frauen packen auch mit an, wenn es in der Corona-Krise ein Notkrankenhaus in Germersheim zu errichten gilt, wenn Krankenhausbetten vom Schwarzwald in die Vorderpfalz transportiert werden müssen, kurzfristig eine Außenbeleuchtung in der Aufnahmestelle für Asylbegehrende eingerichtet oder tonnenweise Desinfektionsmittel ausgeliefert werden soll.
Anders als beispielsweise Feuerwehr oder Polizei kann das THW nicht von Privatleuten gerufen werden. Die Alarmierung erfolgt immer über eine Behörde. Dann gehen auch bei Andreas Garrecht (50), dem Zugführer und damit Leiter des THW-Einsatzes, und seinem Stellvertreter Matthias Fahrnbach (36), dem Zugtruppführer, die Piepser los. Im vergangenen Jahr war das rund 20 Mal der Fall. Die beiden Männer leiten den Zugtrupp, die zentrale Einheit des THW, die einen Einsatz koordiniert und darüber hinaus eine Reihe anderer Aufgaben hat. Neben Garrecht und Fahrnbach gehören noch ein Funker sowie ein Kraftfahrer zu einem Zugtrupp. In Speyer kommen zwei weitere Helfer hinzu.
„Baukasten-System“
„Das Technische Hilfswerk ist so eine Art Baukasten-System“, erläutert Andreas Garrecht. Je nach Art des Einsatzes werden unterschiedliche technische Züge benötigt, zum Beispiel die Bergungsgruppe oder die Gruppe Wasserschaden/Pumpen. Es ist der Zugtrupp, der überlegt, welche Einheiten alarmiert werden. Er gibt die Einsatzbefehle, bestimmt, wer was zu tun hat und sorgt dafür, dass das, was dafür an Ausstattung erforderlich ist, auch vor Ort ist. Gleichzeitig steht das Team auch mit übergeordneten Behörden in dauerhaftem Kontakt. Das ganze Einsatzgeschehen wird im Einsatzwagen auf einer Magnettafel mit taktischen Zeichen fortlaufend dargestellt, alles genau dokumentiert. „Unsere Hauptwerkzeuge sind nicht Motorsäge oder Pumpe, sondern Stift und Funkwerkzeug“, sagt Garrecht.
Natürlich sind Garrecht und seine Kollegen vollausgebildete THW-Helfer, die auch mit anpacken können, wenn Not am Mann ist. „Aber während eines Einsatzes an die Front zu gehen, ist ein Anfängerfehler. Wir müssen die Übersicht behalten“, betont Garrecht. Nur nach dem Einsatz helfen sie beim Aufräumen. Abgeschlossen ist ein Einsatz für den Zugtrupp erst dann, wenn die Dokumentation vollständig ist und die Protokolle abgegeben wurden.
Kaffee muss immer da sein
„Außerdem sind wir für die Verpflegung der Helfer zuständig. Spätestens nach vier Stunden und einer Minute bekommt der Erste Hunger. Kaffee muss sowieso immer da sein“, erklärt Fahrnbach. Und das sei nicht immer einfach, denn woher bekommt man mitten in der Nacht für 20 hungrige Helfer belegte Brötchen? „Da muss man kreativ werden. Improvisation ist alles“, sagt Fahrnbach. Die Polizei sei oft neidisch auf die gute Verpflegung der THW-Helfer.
Damit bei einem möglichen Einsatz alles klappt, bereitet der Zugtruppe vorab in Ruhe alles vor: Da werden Listen erstellt, wo im Notfall welches Material beschafft werden kann, wo Helfer aus anderen Orten untergebracht werden könnten, welche Kontakte helfen können und ja, auch wo es etwas zu Essen gibt. Fahrnbach: „Wir versuchen zumindest alles einmal in Gedanken durchzuspielen.“
Außerdem sind die Männer vom Zugtrupp dafür verantwortlich, dass die Geräte des THW immer einsatzbereit sind und veranlassen, wenn erforderlich, die Instandsetzung. Sie achten auch darauf, dass die Ausbildung der Helfer nicht vernachlässigt wird, die fachlichen Fortbildungen und Prüfungen, aber auch Gesundheitsprüfungen und Impfschutz auf dem aktuellen Stand sind. Corona bringt noch eine ganz andere Aufgabe für den Trupp, so Garrecht: „Wir müssen schauen, wer einsatzbereit und wer gerade in Quarantäne ist.“