Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Technik-Museum: Neues „Lindenstraße“-Zimmer in Dornröschenschlaf

Weinflaschen einräumen und noch einiges mehr: Schreinermeister Glenn Hull werkelt in der Kulisse des „Akropolis“ aus der „Linden
Weinflaschen einräumen und noch einiges mehr: Schreinermeister Glenn Hull werkelt in der Kulisse des »Akropolis« aus der »Lindenstraße«.

Der 8. Dezember 1985 ist ein denkwürdiges Datum für Fans der TV-Serie „Lindenstraße“: An jenem Tag ist die erste Folge ausgestrahlt worden. 35 Jahre später sollte im Technik-Museum Speyer das neue „Lindenstraße“-Zimmer eröffnet werden. Doch dann kam Corona. So warten das „Akropolis“ und das „Café Bayer“ weiter auf Gäste.

In dem großen Raum im „Wilhelmsbau“, der früheren Direktorenvilla der „Pfalz Flugzeugwerke“ (1914-18), wären längst die originalen Kulissen des Restaurants „Akropolis“ und des „Café Bayer“ aus der Serie fertig aufgebaut, versichert Glenn Hull. Der Schreinermeister hat zusammen mit seinem Kollegen Markus Grün im Januar selbst die Theken, Tische, Stühle, Regale und Bühne in einer Produktionshalle in Köln für den Transport nach Speyer teils zerlegt und ausgeräumt. „Die Eröffnung des neuen ,Lindenstraße’-Zimmers war für den 8. Dezember geplant, aber die Corona-Pandemie hat alles durcheinandergebracht“, sagt er.

Arbeit mit Unterbrechungen

Im Frühjahr hatten Hull und Grün, beide sind seit vielen Jahren im Technik-Museum angestellt, damit begonnen, einen Boden in dem rund 60 Quadratmeter großen Zimmer zu verlegen. Auch die große, graue Theke des „Akropolis“ und Teile der Bühne des Fernseh-Restaurants hatten sie bereits in den Raum im ersten Obergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes provisorisch eingepasst. Neben dem Boden haben sie auch eine Zwischenwand vor den Fenstern des Gebäudes in Angriff genommen. Inzwischen ist beides fertig, und die Kulissen selbst stehen weitgehend an ihrem endgültigen Platz. Doch einige Arbeiten sind für Hull und Grün noch zu erledigen, bevor der Raum für Besucher freigegeben werden könnte.

„Die Bühne des ,Akropolis’ haben wir eins zu eins aufgebaut, die Bar wurde von uns nur ein wenig geändert, und vom ,Café Bayer’ haben wir die große Kuchentheke aufgestellt“, beschreibt Hull den gegenwärtigen Projektstand. Bis zur Fertigstellung müssten beispielsweise noch „ungefähr 100 Weinflaschen und Spirituosen“, die zum Inventar des „Lindenstraße“-Restaurants gehören, in Regale eingeräumt und gegen ein Heraus- und damit Mitnehmen gesichert werden. „Wir wir diesen Schutz gestalten, ob mit dem Einsatz von Plexiglas oder anders, ist noch nicht entschieden“, teilt der Schreinermeister mit.

Auf Tuchfühlung mit „Akropolis“ und „Café Bayer“

Im Unterschied zur Wohnküche der Serienfigur Else Kling, dem im selben Stockwerk nur einige Räume entfernten ersten „Lindenstraße“-Zimmer im „Wilhelmsbau“, werden die Kulissen des „Akropolis“ und des „Café Bayer“ für Museumsbesucher begehbar sein, wie Sprecherin Corinna Siegenthaler unterstreicht, „Unsere Gäste können sich dann, ganz wo sie wollen, für Erinnerungsfotos positionieren“, sagt sie. Speisen und Getränke werden in der Pilgerstätte für Fans der Kultserie zwar nicht serviert, „dafür ist der Raum zu klein“, teilt Siegenthaler mit. Doch sollen einige Tische und Stühle des „Akropolis“ aufgestellt und auch bestimmungsgemäß genutzt werden können. „Wir haben davon ziemlich viele, sodass wir, sollte einmal etwas kaputt gehen oder abgenutzt sein, noch genug auf Lager haben“, sagt Glenn Hull.

Sprecherin Siegenthaler stellt die Freundschaft zwischen Museumspräsident Herrmann Layher und Schauspielerin Marie-Luise Marjan, der Darstellerin der Helga Beimer, als Ursprung der „Lindenstraße“-Präsenz im „Wilhelmsbau“ heraus. Darüber hinaus sei die Kooperation mit dem Produzenten der Serie, Hans W. Geißendörfer, und dem WDR hervorragend. So sei man gut bei der Auswahl von denkwürdigen Szenen im „Akropolis“ und im „Café Bayer“ beraten worden. Im Museumsauftrag entstanden dazu zwei Video-Clips, die einmal in dem neuen Ausstellungsraum auf Bildschirmen gezeigt werden. Exklusiv zudem: ein virtueller Rundgang durch sämtliche „Lindenstraße“-Kulissen in den Kölner Produktionshallen.

„Wir hoffen, dass wir den neuen Ausstellungsraum mit Beteiligten der Serie am 29. März 2021 eröffnen können“, sagt Siegenthaler. Dieses Datum ist ebenso denkwürdig wie der 8. Dezember 1985, markiert es doch den Jahrestag der Ausstrahlung der letzten Serienfolge. Die Terminplanung hängt freilich nicht zuletzt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab. Das Museum hat wie viele weitere Freizeiteinrichtung seit 1. November und noch bis mindestens 20. Dezember auf behördliche Anordnung geschlossen.

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