Speyer
Tag eins nach der Notbremse: Speyer macht sich locker
Wie war die Lage an Tag eins ohne Bundesnotbremse in Speyer?
Es war richtig viel los, weil zu den Lockerungen das gute Wetter kam. Alle Lokale, die erstmals ihre Freisitze geöffnet hatten und Gäste nach Anmeldung und mit Schnelltest bewirteten, hatten viel zu tun. „Nach sieben Monaten Zwangspause ist das für uns wie Ostern und Weihnachten zusammen“, sagte Astrid Schott-Lemm, Chefin der Hausbrauerei Domhof. 30 Mitarbeiter seien im Einsatz, die rund 250 mit viel Abstand gestellten Plätze im luftigen Biergarten für Freitag und Samstag ausgebucht. Ab 3. Juni werde es auch eine Schnelltest-Station direkt am Zugang geben. „Die Leute konnten es kaum erwarten und verhalten sich alle sehr diszipliniert“, so Schott-Lemm, die nur hofft, dass kein Lockdown mehr kommt.
Die Stadt kündigte weitere Kontrollen an. Am Freitag begleitete sie die Öffnung der Gastronomie und lobte diese als „bis dato gut strukturiert und organisiert“. Die Vorgabe, dass der Zugang zu Freisitzen durch Absperrungen gesteuert werden müsse, wurde am Nachmittag zurückgenommen, weil das in den Verordnungen doch nicht so stehe.
Wird es am Montag weitere Lockerungen geben?
Die Sieben-Tage-Inzidenz blieb am Freitag unter 50. Es gab drei Neuinfektionen, und sie sank von 35,6 auf 31,6. Damit sind am Samstag in der entscheidenden Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) fünf Werktage in Folge mit einer Inzidenz unter 50 erreicht und am Montag als übernächstem Tag weitere Lockerungen möglich. Sie erleichtern im Sport- und Kulturbereich Einsätze unter freiem Himmel mit maximal zehn Personen plus Geimpften und Genesenen sowie die Öffnung der Innengastronomie mit Test-, Reservierungs- und Abstandspflicht sowie Kultur im Innenbereich mit bis zu 100 Gästen. Dazu zählten auch Kinos. Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) appelliert, „achtsam zu bleiben, während wir alle ein Stück mehr Normalität genießen“. Ab Dienstag gelte die Maskenpflicht in der Innenstadt und auf dem Berliner Platz nicht mehr. Das Land will am Dienstag über weitere Lockerungen entscheiden, die ab Fronleichnam gelten könnten. Die Stadt informiert unter www.speyer.de/corona.
Kommt die Impfkampagne voran?
Ja, wenn auch nicht so schnell wie in der Woche zuvor. Im Impfzentrum wurden innerhalb von sieben Tagen 1258 Personen geimpft (Vorwoche: 1673). 7393 Speyerer haben damit bereits Erst- und Zweitimpfung erhalten. 9985 Impfserien haben zusätzlich niedergelassene Ärzte in Speyer begonnen, so die Kassenärztliche Vereinigung. Auf die Einwohner bezogen, ist das der höchste Anteil aller rheinland-pfälzischen Gebietskörperschaften. 19 Haus- und neun Facharztpraxen impfen. Von allen Hausarztpraxen impfen nur 58 Prozent, ein so geringer Anteil wie sonst nirgends im Land.
Ein besonderes Angebot gab es vorigen Samstag im Impfzentrum: Mitarbeiter des Sozialamts brachten 52 Bewohner der städtischen Unterkünfte in der Industriestraße, im Birkenweg und im Schlangenwühl dorthin, um sie mit einer vom Land eigens bereitgestellten Ration des Johnson & Johnson-Impfstoffs gegen Corona zu schützen. Es handle sich um ein „niedrigschwelliges Angebot“ für Personen, die keinen eigenen Hausarzt hätten, so OB Seiler. Es solle bei Interesse wiederholt werden. Von Interesse an Impfungen berichtet auch die Landeserstaufnahme AfA in der Kurpfalzkaserne: Bis Ende nächster Woche solle die Liste stehen, so die AfA-Verwaltung, die schätzt, dass 100 von noch 320 möglichen Namen darauf stehen. Erste 80 Impfungen hatte es vorige Woche gegeben. Neun Bewohner seien noch Corona-infiziert.
Wer öffnet wieder?
Vor allem bei Gastronomie- und Kultureinrichtungen ändert sich aktuell der Status. Interessenten wird geraten, sich vorab zu informieren – zumal meist ohnehin Anmeldung Pflicht ist. Ohne Anmeldung, aber mit Einlassbeschränkung, empfängt ab Dienstag, 1. Juni, etwa die Stadtbibliothek in der Villa Ecarius wieder Publikum. Maximal zwölf Personen – ab sieben Jahren mit Maske – dürfen hinein. Auch Vorbestellungen unter Telefon 06232 141380 und E-Mail stadtbibliothek@stadt-speyer.de blieben möglich, so die Stadt. Andere Dienstleister beenden ebenfalls ihren Lockdown. Ab Montag berät etwa die Krankenkasse Barmer, Armbruststraße 24, wieder vor Ort.