Speyer „Tag der Arbeit geht uns alle an 365 Tagen im Jahr an“

„Akademisierung nicht das einzige Pferd, auf das wir setzen sollten“: BASF-Betriebsratschef Sinischa Horvat gestern in Speyer.
»Akademisierung nicht das einzige Pferd, auf das wir setzen sollten«: BASF-Betriebsratschef Sinischa Horvat gestern in Speyer.

Rund 400 Besucher sind gestern zur traditionellen Maikundgebung in die Walderholung gekommen. Den Tag der Arbeit haben die Gewerkschaften in diesem Jahr europäisch beleuchtet. Unter dem Motto „Europa. Jetzt aber richtig“, sprachen Axel Elfert, Vorsitzender des DGB-Stadtverbands und Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Mairedner war Sinischa Horvat, Vorsitzender des BASF-Europa-Betriebsrats.

„Der liebe Gott ist bei Verdi“, stellte Elfert nach einem Blick in den strahlend blauen Himmel über der Walderholung fest. Düsterer war seine Zustandsbeschreibung der Erde und ihrer Bewohner. „Die Angst um den Weltfrieden wächst“, mahnte Elfert zur Wachsamkeit. Profitgier, menschenverachtenden Arbeitsbedingungen, Neonazis und Kinderarmut erteilte der Gewerkschafter klare Absagen. Die Situation der 66 Speyerer Kaufhof-Mitarbeiter sei nach der Fusion der Kaufhauskette mit „Karstadt“ unklar, Bei „Mann + Hummel“ stehen nach Angaben Elferts 45 Entlassungen in Speyer an. Politiker rief er auf, es nicht bei „frommen Sprüchen“ zu belassen. Die gute Zusammenarbeit mit der neuen Stadtspitze hob Elfert hervor. In Sachen Flugplatz hoffte er hinsichtlich der für ihn „illegalen Flüge über die Stadt“ und des geforderten „gültigen Nachtflugverbots“ auf Kooperation. Seiler wies auf zunehmende psychische Probleme am Arbeitsplatz hin. Bei immer mehr Herausforderungen gelte es, auf verbindliche Regeln zu Arbeitszeiten zu drängen, mahnte die OB und forderte auch in diesem Bereich „internationale Solidarität“. „Der Tag der Arbeit geht uns alle an“, betonte sie. „An 365 Tagen im Jahr.“ Horvat betrachtete globale Arbeitsbedingungen und politische Auswirkungen aus Betriebsrats- und persönlicher Sicht. Mit Perspektiven seien Menschen zu begeistern, nicht mit Angst vor Zukunft, war er überzeugt. „Das Grundrecht auf Asyl ist unantastbar“, betonte er das Eintreten der Gewerkschaften für ein weltoffenes Europa ohne Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Duale Ausbildung zu erhalten und zu entwickeln sei weitere wichtige Aufgabe. „Akademisierung ist nicht das einzige Pferd, auf das wir setzen sollten“, sagte er. Zum Abschluss berichtete Horvat von Kriegstraumata seiner kroatischen Verwandtschaft väterlicherseits. „Sie haben erfahren, wie es ist, keinen Frieden zu haben“, sagte er. Um Kriege zu vermeiden und Demokratie zu erhalten, seien starke Gewerkschaften gefordert und Europäer zur Wahl aufgerufen. Er appellierte, am 26. Mai von diesem Recht Gebrauch zu machen.

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