Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Tabus im Standesamt: Auch ohne Reis guter Start ins Eheleben

Brautpaar im Rathaus: Schild verweist auf das Reis-Verbot.
Brautpaar im Rathaus: Schild verweist auf das Reis-Verbot.

Sobald das frisch vermählte Brautpaar das Standesamt verlässt, wird es von den versammelten Besuchern mit Reis beworfen: Dieser Tradition schiebt die Stadt – nicht als einzige in der Vorderpfalz – einen Riegel vor. Auch anderes Wurfmaterial ist vor dem Trausaal verboten.

Glück, Wohlstand und viele Nachkommen: Das wünscht man traditionell den Frischvermählten mit Reis. In Speyer müssen die guten Wünsche jedoch auf andere Weise untermauert werden. „Reis als Wurfmaterial ist nicht erlaubt“, sagt Janine Friedmann, Sprecherin der Stadtverwaltung, bei der das Standesamt angesiedelt ist. Vor dem Trausaal im Historischen Rathaus wird bei Hochzeiten auch mit Schildern darauf hingewiesen. Die Verwaltung begründet die Auflage mit einer Unfall- und Rutschgefahr: In den vergangenen Jahren sei es bereits zu Unfällen gekommen.

Auch die Reinigung der Böden wäre belastend, erklärt die Stadt ihre eindringliche Bitte an die Hochzeitsgesellschaften. Diese erstreckt sich auch auf andere Wurfmaterialien. Friedmann: „Konfetti oder Papierschnipsel sind ebenfalls nicht gestattet. Diese fliegen aufgrund ihres geringen Gewichts sehr leicht, nicht nur über den Rathaus-Vorplatz, sondern auch zu anliegenden Gastronomiebetrieben.“ Zum Reinigungsaufwand komme in diesem Fall eine Umweltbelastung.

Problem mit Blütenblättern

Nur eingeschränkt verwendet werden dürfen Rosen- oder Blütenblätter. Sie sind laut Friedmann im Adenauerpark beim Auszug aus der Traukapelle erlaubt, weil sie biologisch abbaubar sind. Im Rathaus werde eine Ausnahme gemacht, wenn nur wenige Blätter im Vorraum des Trausaal mit seinem glatten, versiegelten Parkett verstreut würden – sofern die Hochzeitsgesellschaft danach wieder für Ordnung sorge. Vor dem Rathaus und im Foyer, wo viele Paare empfangen werden, hat die Stadt jedoch schlechte Erfahrungen mit Blüten gemacht: Gerade die offenporigen hellen Sandsteinfliesen in diesem Bereich würden von den ätherischen Ölen und Farbpigmenten in den Pflanzen verschmutzt und seien schwer zu reinigen.

Die Stadt bittet deshalb um den Verzicht aufs Werfen. Das Standesamt empfehle stattdessen den Einsatz von Seifenblasen zum feierlichen Anlass. Die Paare würden bei der Anmeldung darüber informiert. Zu 100 Prozent werde das Verbot leider nicht beachtet, heißt es. „Erfahrungsgemäß sind es zumeist Teilnehmende der Feier, welche gegen die Regularien verstoßen“, berichtet Friedmann. Um Luftballone steigen zu lassen, sei eine spezielle Genehmigung notwendig.

Verschmutzung als Problem

Bei den Standesämtern in Ludwigshafen und Frankenthal sind die Regeln ähnlich. In Frankenthal heißt es in Bezug auf Reis, als Fair-Trade-Stadt könne man diese Art der Lebensmittelverschwendung nicht akzeptieren. Weitere Argumente gegen das Werfen der kleinen, hellen Körner: Umweltschutz und Sauberkeit. Beides gelte auch für Konfetti, Blütenblätter und Plastikglitzerherzen. All das darf im Frankenthaler Rathaus und auf den Treppen nicht gestreut werden.

In Ludwigshafen wird das Verbot, Reis, Blütenblätter und Konfetti zu werfen, nach Mitteilung der Stadtverwaltung problemlos akzeptiert. Die Information darüber erfolge mit der schriftlichen Terminbestätigung des Standesamts. Auch in der Chemiestadt begründen die Offiziellen die Regelung in erster Linie mit der teils massiven Verschmutzung. Gerade bei Regenwetter könnten die Reiskörner aufquellen und dann durch das Schuhwerk verteilt werden. Wer sich nicht an das Verbot hält, muss anfallende Reinigungskosten tragen.

Daten und Fakten

Die strengen Regeln für Wurfmaterial halten die Verliebten nicht vom Heiraten in Speyer ab. Viele Termine sind schon vergeben. Mit bis Ende August 260 Hochzeiten bewegen sich die Zahlen laut Standesamt auf dem Niveau der Vorjahre. Bis zum Jahresende seien weitere 80 bis 100 Termine reserviert und nur noch etwa 20 Termine frei. Termine für das kommende Jahr seien online schon buchbar. Für die nur an einzelnen Samstagen angebotenen Trauungen im Adenauerpark gelte im Bezug auf 2025: „zum Teil bereits ausgebucht“. Bis vor einigen Jahren waren auch Trauungen im Altpörtel möglich, worauf die Stadt jedoch inzwischen aus Brandschutzgründen verzichtet. Die Anzahl der Hochzeiten in den nördlichen Nachbarstädten lag zuletzt unter der in Speyer: In Ludwigshafen waren es 250 bis Mitte September, in Frankenthal 101. Es werden aber noch Nachzügler erwartet. „Gerade im November und auch Dezember eines Jahres melden sich traditionell einige kurzentschlossene Paare“, heißt es in Ludwigshafen.

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