Speyer Symposium zu Künstlerpaaren der Moderne

 Sabine Lepsius: ein Porträt von Mathilde Vollmoeller, um 1900 entstanden
Sabine Lepsius: ein Porträt von Mathilde Vollmoeller, um 1900 entstanden

Die Rolle von künstlerisch tätigen Frauen wurde lange nicht angemessen gewürdigt. Erst recht, wenn sie Gattin oder Partnerin von Künstlern waren. Das Symposium zu Künstlerpaaren der Moderne zum Jubiläum des Speyerer Purrmann-Hauses brachte dazu viele spannende neue Einsichten. Ein illustrer Kreis von Kunsthistorikern stellte acht Lebensgemeinschaften im Zeichen der Kunst vor. Diese waren von unterschiedlichen Entwürfen geprägt.

„Ein außergewöhnliches Paar, das sich gegenseitige Zuneigung und Respekt bewahrt hat.“ So beschreibt Maria Leitmeyer, Kustodin des Speyerer Purrmann-Hauses, die Beziehung der Künstlerpaars Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann.

Zum Abschluss einer Forschungsreihe, die die bislang unveröffentlichten Briefe aus dem Hans-Purrmann-Archiv in München untersucht hat, lud das Purrmann-Haus zu einem Symposium ein, das die Purrmanns und weitere Künstlerpaare ihrer Zeit betrachtete. Dieses war ursprünglich zur Feier des 30. Jubiläums des Speyerer Museums geplant gewesen, musste aber wegen der Pandemie verschoben und als Online-Veranstaltung umgesetzt werden.

„Sehnsucht nach dem Anderen“

In den 450 Briefen, die von Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann erhalten sind, schrieben sie nie über Bildmotive. „Vielleicht kannten sie sich dafür zu gut oder diskutierten nur, was aktuell auf der Staffelei steht“, vermutet der Kunsthistoriker Peter Kropmanns, der an der am Buchprojekt mitarbeitete. Der erste Briefband, „Sehnsucht nach dem Anderen“, der schon 2019 erschien, umfasst die ersten Jahre, nachdem sich die beiden 1909 in Paris kennenlernten.

„Stürmische Zeiten“ aus dem vergangenen Jahr fasst die Zeit von 1915 bis zu Mathilde Vollmoeller-Purrmanns Tod 1943 zusammen. Stürmisch, weil sie die Rückkehr nach Deutschland im Ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise und die Flucht nach Italien während des Nationalsozialismus umfassen. So berichtet Hans Purrmann seiner Frau von seinen Sorgen während seines Aufenthalts in Berlin, während sie mit den drei Kindern im württembergischen Beilstein lebte.

Parallelen zu heute

Auch Parallelen zur heutigen Zeit lassen sich erkennen. Während der Spanischen Grippe-Pandemie schreibt Hans Purrmann aus Berlin, dass er Abstand von anderen Menschen halte und auf soziale Kontakte verzichte. Er rät auch seiner Frau davon ab, in dieser Zeit eine Zugreise nach Berlin zu unternehmen.

Die Briefe geben auch Aufschluss über Rollen, die beide in ihrer Beziehung einnahmen: „Sie überlässt ihm die Rolle eines Ruhe bedürfenden Künstlers“, erklärt Kropmanns. Mathilde Vollmoeller-Purrmann habe ihrem Mann vieles gegönnt und sich dabei selbst aufgeopfert, ohne auf ihre eigene Gesundheit zu achten. „Hans kommt dagegen nicht an und gewöhnt sich allzu sehr an diesen Zustand“, so der Kunsthistoriker.

Viele Briefe sind verloren

Die Gesamtzahl der Briefe sei ursprünglich weit höher gewesen als die 450, die den Forschern vorliegen. Allerdings seien viele im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. „Es fehlen ganze Jahrgänge an Gegenbriefen“, sagt Kropmanns.

Zum zweitägigen Symposium erschien jetzt der dritte Band der Reihe. „Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann im Diskurs“. Anerkannte Fachleute beleuchteten dabei eben und Werk weiterer Künstlerpaare, die den Purrmanns nahestanden: Unter anderem Oskar und Marg Moll, die ebenfalls zum Kreis um Henri Matisse gehörten, Mathilde Vollmoeller-Purrmanns Lehrer Leo von König, der ihr 1903 in einem Brief „famoses Talent“ bescheinigte, und seine Frau Mathilde Tardif.

Die anderen Paare

„Oskar und Marg Moll. Ein großbürgerliches Künstlerehepaar zwischen wilhelminischer Ära und nationalsozialistischer Diktatur“ ist der Titel von Vortrag und Text von Gerhard Leistner, ehemaliger Sammlungsleiter und Ausstellungskurator am Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg. Er zeigt, wie das mit den Purrmanns befreundete Paar das Problem der Künstlerehe löst, indem er malt und sie sich der Bildhauerei widmet. Auch stellt der Beitrag das bürgerliche Auftreten des Paares und seinen verschlungenen Lebensweg dar.

„Leo von König und Mathilde Tardif. Panoptikum der Gesellschaft um 1900“ : Darüber arbeitete Ingrid von der Dollen, freischaffende Kunsthistorikerin. Leo von König war auch Lehrer von Mathilde Vollmoeller-Purrmann. Über seine Frau ist nicht viel bekannt. Sie hat, das stellt der Beitrag heraus, ganz anders gearbeitet als ihr Mann, thematisch und gestalterisch. Und auch wenn diese Künstlerehe in der Rollenverteilung traditionell anmutet, hat Leo von König das Werk seiner Frau geschätzt und sie unterstützt.

Stefan Borchardt, freier Kunsthistoriker aus Emden, Referat und Buchbeitrag trägt den Titel „Eigenart und Einklang. Die Kunst- und Lebensgemeinschaft von Maria Caspar-Filser und Karl Caspar“. Die beiden kannten sich schon als Kinder, lebten rund 60 Jahre zusammen und führten eine harmonische, von gegenseitiger Achtung geprägte Beziehung. Beide waren in den 1920-Jahren in Kunstprofessoren, sie als erste Malerin überhaupt. rg

Hans Purrmann: Selbstbildnis von 1897 (Detail) aus dem Purrmann-Haus Speyer.
Hans Purrmann: Selbstbildnis von 1897 (Detail) aus dem Purrmann-Haus Speyer.
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