Speyer
Stella Tack macht aus ihrer Lesung bei Osiander eine Perfomance
„Das ist die höchste Männerquote, die ich jemals hatte“, sagt Tack, als sie drei entdeckt. Das weibliche Publikum ist mit Tack-Büchern und ihren Inhalten ausgestattet. Dass die Autorin nach eigenen Angaben bisher nie etwas von Speyer gehört und gesehen hat, verwundert zwar, kann aber die Begeisterung über den Besuch aus Österreich nicht mindern. Eine übliche Lesung können und brauchen die Fans von der 26-Jährigen nicht erwarten. Für Fragen reicht Tack Einhornstift und Block herum und sagt: „Ihr seid alle voll süß.“
Süß ist auch der Inhalt der beiden mitgebrachten Flaschen des amerikanischen Sportgetränks, das – wie jeder Anwesende weiß – auch in Tacks Büchern getrunken wird. „Es schmeckt furchtbar“, räumt die Autorin ein. Sie muss es wissen, hat sie doch ein Auslandssemester in Florida absolviert. Hinter ihr steht der Pappkamerad Sam, laut Tack ein Querschnitt aus allen Protagonisten, die sie jemals beschrieben hat. Er begleite sie überall hin. Warum, bleibt ihr Geheimnis. Ihr Mann heißt Leander, die Töchter Ophelia und Aurora, die Ältere wird nach dem Sommer eingeschult. Mit ihnen, zwei Katzen und zwölf Büchern sei sie kürzlich von München nach Österreich gezogen. Mehr Privates verrät sie nicht.
„Mir fehlen Blut und Drachen“
Tack rät, ihr erstes Buch „Luzifer“ nicht zu lesen: „Es ist schlecht.“ Sie beschreibt den holprigen Start von Schriftstellern und die Abstriche, die sie bis zur Veröffentlichung machen müssen. Zwei Jahre lägen zwischen Manuskript und Buch-Erscheinung, erklärt Tack, warum sie sich oft nicht mehr an Inhalte und schon gar nicht an Szenen erinnert. Überhaupt sei „Romance“ eigentlich gar nicht ihre Sache. „Mir fehlen Blut und Drachen“, sagt sie. Darauf will sie sich künftig stärker konzentrieren: „Die Spinnen werden im nächsten Buch größer.“
Egal, wie sie selbst ihre Literatur einschätze, „die Leute lachen immer“, berichtet sie. „Aber mit 21 Jahren mit „Kiss Me Once“ auf der Spiegel-Bestseller-Liste zu stehen, fand ich toll.“
„Light It Up“, „Kiss Me Twice“, „Beat it up“, „Night Of Crowns“, „Kiss Me Now, Kiss the Bodyguard“ – ein „Romance“ folge dem anderen, alle würden gelesen, freut sich Tack über die Popularität, die sie inzwischen erreicht hat. „In diesem Jahr beende ich die Reihen“, kündigt sie ein neues Kapitel ihrer Schriftstellerei an. „Ich brauche jetzt wirklich Blut und Drachen für mein Seelenheil.“ Vertraute Figuren sollen demnach auch in ihren Fantasy-Reihen wieder auftauchen. Auch an den von ihr so geliebten Sexszenen soll es nicht fehlen. Bis 2026 sei sie ausgebucht, sagt Tack. „Trash“ findet sie „unglaublich witzig“, darüber hinaus habe sie keine Zeit zum Lesen.
Geräusche wie aus dem Comic
Das Publikum will der Autorin nach einer Stunde endlich beim Lesen zuhören. Eine Frau schlägt eine Szene vor, die Tack lange suchen muss. „Kiss Me Once, Seite 108“, ruft ihr jemand zu. Die Lesung beginnt. Das, was mit viel Geräusch zu hören ist, könnte aus einem Comic stammen. Den Zuhörern gefällt es. Sie trinken ihre blauen Shots, lachen und applaudieren. Tack gönnt ihnen einen weiteren Auszug, den sie jetzt selbst auswählt.
Es geht ein paar Seiten lang um eben jenes blaue Sportgetränk, eine chinesische Winkekatze, um Protagonist Alex und immer wieder um Erbrochenes. Der Beifall währt lange. „Wir sind durch“, sagt Tack und schlägt ihr Leseexemplar zu. Noch eine Viertelstunde signieren, dann ist die Lesung zu Ende. Die Speyerer Tack-Fans gehen mit neuem Lesestoff, viel Information und etwas Magengrummeln nach dem Gatorade-Genuss rundum zufrieden nach Hause.