Speyer Starkstrom in der Sauna

Die Dudenhofener Blueswochen sind am Donnerstagabend in die zweite Runde gegangen: Gitarrist Rob Tognoni ging im Bürgerhaus deutlich härter und rockiger ans Werk als die Landauer Gruppe Sixpack im Januar.
Beim „tasmanischen Teufel“, wie Tognoni genannt wird, wussten alle Bluesrock-Fans, wofür sie eine Eintrittskarte gekauft hatten: Starkstromblues, wie Rory Gallagher ihn früher virtuos zelebriert hatte. Dementsprechend voll war das Bürgerhaus. Der Gitarrero ließ sich nicht lumpen, war bereits nach dem ersten Song schweißgebadet und gab immer weiter Zunder. Seine Begleitband spielt in dieser Besetzung erst seit sechs Monaten zusammen, aber die jungen Musiker in der Rhythmussektion agierten wie alte Hasen. Bass und Schlagzeug konnten in der Triobesetzung auch das eine oder andere Kabinettstückchen einstreuen. Gegen Ende der weit über zweistündigen Bluessauna durfte jeder der beiden ausgiebig solistisch glänzen. Obwohl Tognoni schon lange in Deutschland lebt und daher auch recht gut deutsch spricht, sind ihm die australische Lockerheit und der tasmanische Charme zu eigen, die auch den vielleicht berühmtesten Tasmanier, Schauspieler Errol Flynn, auszeichneten. In Dudenhofen waren nun einige Fans der ersten Stunde dabei, die schon Tognonis erstes Album von 1995 kannten. Der Gitarrist hat in 20 Jahren 17 Alben einschließlich Liveplatten veröffentlicht und konnte auf ein reiches Repertoire zurückgreifen. Der Schwerpunkt des Programms lag allerdings auf neuerem Material. Der Vergleich mit AC/DC kommt wohl früher oder später auf jeden australischen Bluesrock-Gitarristen zu, doch Rob Tognoni geht deutlich blueslastiger und abwechslungsreicher zu Werke. Dafür fehlen die ganz großen Gassenhauer, die das Publikum schon beim ersten Mal mitsingen kann. Seine Karriere verlief ebenfalls alles andere als geradlinig – mit den Outlaws wurde er ein Star in Australien, bis die Karriere scheiterte. Erst 1994 führte der Slide-Gitarrist Dave Hole seinen Kollegen nach einigen mageren Jahren in der europäischen Musikszene ein. Mit seinen energiegeladenen Auftritten und kompromissloser Spielfreude hat sich Tognoni seither in die Herzen seiner Fangemeinde gespielt. Davon fanden sich sogar im beschaulichen Dudenhofen genug ein, um das Bürgerhaus komplett auszufüllen. Am 26. März kommt mit Aynsley Lister der nächste Bluesrocker. Bleibt der Zuspruch weiterhin so stark, zieht der Veranstalter sogar einen Wechsel in die Festhalle in Betracht.