Speyer „Starke Grüne gibt es“
„Starke Grüne gab es, gibt es und wird es geben“: Anne Spiegel, Landesministerin für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz, hat am Samstag 35 Geburtstagskerzen auf der Torte für ihre Partei angesteckt. Stadtpolitiker aller Fraktionen, Mitglieder und Freunde der Speyerer Grünen sowie Ska Keller, Vorsitzende der Grünen im Europaparlament, haben gemeinsam in der Jugendförderung gefeiert.
Durch das nostalgische, politische und musikalische Programm führte Grünen-Vorstandssprecher Lukas Lambert. Während Bilder aus 35 Jahren Grüne auf die Leinwand projiziert wurden, stellte Mitglied Petra Fischer-Wolfert mit Ilse Dingler und Clemens Schnell zwei Gründungsmitglieder der Partei vor, die seit 18. Januar 1983 die Geschicke in Speyer mitgestalten. Als Zweijährige habe sie sich politisch noch nicht betätigt, räumte Spiegel ein. Sie freue sich jetzt schon auf die Einladung zum 70-jährigen Bestehen der Speyerer Grünen, blickte sie weit in die Zukunft. „Dann bin ich 72.“ Spiegel gedachte der am Samstag zeitgleich in Berlin laufenden „Unteilbar gegen Rassismus“-Demonstration. Angesichts rechter Strömungen auch in Speyer werde ihr „Angst und Bange um die Demokratie“, sagte die Ministerin. Nach dem zunächst parteiübergreifenden und großartigen ehrenamtlichen Einsatz der Speyerer für Geflüchtete 2015 habe sich die Stimmung in der Stadt, Deutschland und Europa verändert, beschrieb sie die Entwicklung. Mit der Informationsveranstaltung im Februar in der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in der ehemaligen Kurpfalzkaserne sei sie „am Ziel vorbeigeschossen“, übte Spiegel Selbstkritik. Die Rechten hätten die Bürgerversammlung gezielt instrumentalisiert. Dennoch werde sie die Kommunikation nicht abreißen lassen, berichtete sie von laufenden Überlegungen mit Stadt und Land über weitere Möglichkeiten, mit der Bevölkerung beispielsweise über den Übergang von der AfA in die geplante Landeserstaufnahme (Lea) ins Gespräch zu kommen. In Sachen „Poetry-Slam“ könne der Jugendstadtrat mit ihrer vollen Solidarität rechnen, betonte Spiegel. Wie berichtet, hatte eine Teilnehmerin des in der Interkulturellen Woche veranstalteten Dichter-Wettstreits die Bühne für rassistische Äußerungen genutzt. „Versuche der AfD, die Gesellschaft zu spalten, machen mich kämpferisch“, erklärte die Ministerin, die, wie sie betonte, ihren Wohnsitz in Speyer beibehalten will. Der Umzug von Speyer-Nord sei im Wachstum ihrer Familie begründet. Spiegel ist Mutter von vier Kindern. „Europa ist etwas, für das wir uns nicht nur an der Wahlurne entscheiden müssen“, sagte Keller. Sie rief dazu auf, zusammen an der besten Idee zu arbeiten, die Europäer jemals gehabt hätten. Bernd Rückwardt, Sprecher der Speyerer Bewegung „Pulse of Europe“, überreichte eine Europafahne als Geburtstagsgeschenk. Bei Musik von Juan Bohia Mena und einem reichhaltigen Buffet feierten Grüne und Gäste bis zum späten Abend ein buntes Geburtstagsfest.