Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtwerke: So wirkt sich der Iran-Krieg auf lokale Energiepreise aus

Zunehmende Unruhe an den Börsen: Hier der Sprung des Dax, nachdem vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass Angriffe auf iranische E
Zunehmende Unruhe an den Börsen: Hier der Sprung des Dax, nachdem vor wenigen Tagen bekannt wurde, dass Angriffe auf iranische Energieanlagen ausgesetzt wurden.

Preissprünge auf dem Energiemarkt von 60 oder 70 Prozent seit Beginn des Iran-Kriegs besorgen die Verbraucher. Die Stadtwerke Speyer (SWS) geben ein Stück weit Entwarnung.

„Für 2026 müssen die Menschen in Speyer keine Preiserhöhungen befürchten.“ Daniel Simonte ist Bereichsleiter für Vertrieb und Handel der SWS und kann eine solche Aussage für gut 14.000 Gas- und 28.000 Stromkunden in Speyer treffen. Auf ganz Deutschland gesehen, versorgt das kommunale Unternehmen sogar mehr als 50.000 Haushalte mit Strom. Simonte und SWS-Geschäftsführer Georg Weyrich haben auch schon das Jahr 2027 im Blick – und ein Ziel: „Erneut Konditionen wie 2026 anzubieten.“

Garantien dafür gibt es keine. Das hat mit den vielen Faktoren zu tun, die die Energiepreise beeinflussen. Dass inzwischen tagtäglich die Nachrichten verfolgt werden müssen und Äußerungen von US-Präsident Donald Trump auch in der dreiköpfigen Handelsabteilung der SWS Auswirkungen haben, ist das eine. Das andere sind politische Umlagen, die bis Oktober festgelegt und „geschluckt“ werden müssten. Den Anteil am Preis, den die SWS durch kluge Einkaufspolitik beeinflussen können, beziffert Simonte auf gut die Hälfte beim Gas und etwas mehr als ein Drittel beim Strom.

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Vorausschauender Einkauf

Dem Kommunalversorger komme es auf eine „vorausschauende Energiebeschaffung“ an, betonen die Verantwortlichen. Diese zahle sich jetzt aus, indem die Preise trotz der Explosion am internationalen Markt stabil gehalten werden könnten. Beträchtliche Teile werden langfristig eingekauft, Simonte spricht von zwei bis drei Jahren Vorlauf. Das unterscheide die SWS von Discount-Konkurrenz, die ihr vor allem in Zeiten fallender Preise mit Lockangeboten für Kunden manchmal das Leben schwer mache.

Für 2026 seien noch nicht alle Einkaufsverträge der SWS unter Dach und Fach, aber Simonte erwartet keine Faktoren mehr, die die bisherige Kalkulation hinfällig machen würden. Wenn aktuell weitere Mengen eingekauft würden, diene das dem Ziel, die Preise zu sichern. „Auch wenn wir den einen oder anderen Einkauf machen müssen, den wir nicht so toll finden.“ Eine Aussage für übernächstes Jahr ist nach Aussage des 2019 in die Verantwortung gerückten Bereichsleiters, der seit 2025 zusätzlich als Prokurist der SWS firmiert, noch nicht möglich.

„Wir sind krisenerprobt“, beschreibt Simonte die Vorgehensweise. 2008 habe die globale Finanzkrise den Energiemarkt belastet, 2011 die atomare Katastrophe im japanischen Fukushima, seit 2020 zunächst die Corona-Pandemie, dann die Energiekrise infolge des Kriegs in der Ukraine. „2021 und 2022 hatten wir an den Börsen teilweise extreme Preissprünge auf das Zehn- bis 20-Fache. In diesem Szenario sind wir heute nicht“, so Simonte. Schon damals habe sich aber gezeigt, dass die Preise der SWS verlässlich sind – wenn auch nicht immer ganz oben in den Listen der Vergleichsportale.

Politik gefragt

Insgesamt sehen die SWS ihre Strategie bestätigt, möglichst viel regionale Energieproduktion zu fördern. Dazu gehören laut Weyrich die eigenen Windparks mit dem Ziel einer Erweiterung des Bestands im südpfälzischen Hatzenbühl, der Suche nach weiteren Flächen oder dem Bau von Photovoltaikanlagen. Das alles erhöhe die Unabhängigkeit. „Es ist aber noch ein weiter Weg zu gehen“, so der SWS-Chef. Lange Genehmigungsverfahren etwa für Windparks sowie das Hin und Her beim Heizungsgesetz erschwerten die Planungen. „Wir brauchen politische Klarheit für die Ausgestaltung unserer Produktwelt“, betont Simonte. In Zukunft werde es wohl vermehrt dynamische Strompreise geben, die mit dem Börsenpreis gleiten, aber aktuell seien diese kein Thema.

„Wir fahren ein Stück weit auf Sicht“, betont Simonte. Die internationalen Entwicklungen seien nicht zuletzt wegen Trump schwerer vorhersagbar geworden. Für Speyer bleibe aber die Botschaft, dass die leichte Senkung der Strom- und Gaspreise für viele Verbraucher zum 1. Januar nicht zurückgenommen werden müsse. Aus Sicht des Vertriebschefs besteht für die Kunden vor Ort auch keine Notwendigkeit, ihre monatlichen Abschläge anzupassen. „Diese Sicherheit können wir derzeit geben.“

Daniel Simonte
Daniel Simonte
Georg Weyrich
Georg Weyrich
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