Speyer
Stadtwerke: So geht es bei Fernwärme und Geothermie weiter
Die bisherige Bilanz der SWS beim Ausbau erneuerbarer Energien kann sich sehen lassen, so die Einschätzung von Geschäftsführer Wolfgang Bühring in der jüngsten Stadtratssitzung. Eigene Windkraftanlagen liefern im Jahr fast 65 Gigawattstunden oder 64.860.000 Kilowattstunden Strom, was ungefähr dem Jahresverbrauch von 18.500 Drei-Personen-Haushalten in Einfamilienhäusern entspricht. Knapp 4,7 Gigawattstunden produzieren die Photovoltaikanlagen der SWS, womit 1300 Drei-Personen-Haushalte ein Jahr lang versorgt werden können. Strom wird aber nicht nur privat, sondern auch in Industrie- und Gewerbebetrieben benötigt.
Für den Bereich Wärmeversorgung nennt Bühring mehr als 65 Gigawattstunden, die die SWS jährlich über die Wärmenetze an die Verbraucher liefern – Stichwort Fernwärme. Zwei Gigawattstunden stammen zudem aus Kraft-Wärme-gekoppelten Motoren. Für die Erfolge bei den „Erneuerbaren“ haben die SWS laut dem Manager in den vergangenen zehn, 15 Jahren circa 40 Millionen Euro in den Ausbau der Photovoltaik, der Wärmenetze, der Biomasse und der Kraft-Wärme-Kopplung gesteckt. Rund 30 Millionen Euro wurden von den Werken in Windkraftanlagen investiert.
Verhandlungen mit Mannheim
SWS-Sprecherin Sonja Daum informiert auf Anfrage darüber, dass der „grüne Anteil“ am Fernwärmenetz derzeit „30 Prozent beträgt“. Die Wärme komme aus dem Großkraftwerk Mannheim, wo Steinkohle zur Stromerzeugung verbrannt wird. Mit sogenannter Kraft-Wärme-Kopplung werde zusätzlich dabei entstehende Wärme auch zum Heizen genutzt. „Aufgrund der thermischen Abfallverwertung der MVV Energie auf der Friesenheimer Insel und der entsprechenden Einspeisung in das Fernwärmenetz kann der Wert von 30 Prozent jetzt schon erzielt werden. Der regenerative Anteil soll weiter erhöht werden“, kündigt Daum an. Zudem prüfen die SWS, ob Wärme auch dezentral, wie einst im Heizkraftwerk in der Butenschönstraße, selbst erzeugt werden kann; laut Bühring gibt es dafür „ein schematisches Ausbaukonzept“. Eine weitere Alternative sei die Nutzung von Erdwärme im Stadtgebiet selbst und deren Einspeisung ins Netz.
„Wir könnten schon viel weiter sein“, sagt Bühring. Es gelte nun, „alle Möglichkeiten zu nutzen und vielfältige Hindernisse zu beseitigen“; als ein Hemmnis sieht er Widerstand in der Bevölkerung gegen Windkraftanlagen. Bei der Neugestaltung des Versorgungssystems müssten Techniken wie Speicher, Kraft-Wärme-Kopplung, digitale Steuerung und ein digitales Monitoring eingesetzt werden. An die Adresse der Stadtverwaltung gerichtet, regt er die stärkere Einbindung der SWS im Quartiersmanagement, vor allem bei Neubaugebieten, an. Schlüsselelemente dabei: der „vollflächige Ausbau der Photovoltaik, ergänzt mit Solarthermie, Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung, Wärme- und Stromspeichern sowie Fern- und Nahwärmenetzen“.
Nachdenken über Krisensituationen
Zum Standort Heizkraftwerk teilt Bühring mit, dass eine dortige Kraft-Wärme-Kopplungsanlage – langfristig auf Basis von Wasserstoff und mit Strom- sowie Wärmespeichern ergänzt – ein vielversprechendes Konzept darstelle. „Damit könnte eine teilunabhängige Versorgung der Stadt in Krisensituationen geschaffen werden.“ Über eine mögliche Weiterversorgung aus Mannheim würden derzeit Gespräche geführt. Hier ist zu beachten, dass der Bundestag im Juli 2020 den deutschen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 beschlossen hat. Und das Aus für den neuen Block 9 in Mannheim könnte schon Jahre vorher kommen.
Zum Thema Geothermiekraftwerk erinnert SWS-Sprecherin Daum an eine bereits seit mehr als drei Jahren bestehende Zusammenarbeit: „Die Stadtwerke Speyer und die Stadtwerke Schifferstadt haben eine Kooperation zur geothermischen Energiegewinnung im Erlaubnisfeld ,Rhein-Pfalz’. Dieses ist circa 150 Quadratkilometer groß und liegt in Teilen im Rhein-Pfalz-Kreis, der Stadt Speyer sowie im Landkreis Bad Dürkheim“. Ein Institut sei beauftragt, „um bestehende seismische Daten zur Ermittlung des Untergrundes auszuwerten, um daraus die genaue Art der geothermischen Nutzung zu ermitteln“, so Daum. Vorige Woche ging es darum im SWS-Aufsichtsrat, am 22. April soll der Stadtrat informiert werden.