Speyer
Den Stadtwald für den Klimawandel fit machen: Waldarbeiter gesucht
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und Umweltdezernentin Irmgard Münch-Weinmann (Grüne) hatten für Montagnachmittag in der Veranstaltungsreihe „Dialog Wald“ zum Ortstermin im Stadtwald eingeladen. Fast 30 Fachleute und Bürger sind mit Fahrrädern in die Waldabteilung „Jägerrast“ an der Iggelheimer Straße gekommen, um sich über das Thema „Der Speyerer Wald im Klimawandel: Aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven“ zu informieren.
An vielen Stellen im Stadtwald haben die überwiegend trockenen und heißen Sommer der Jahre 2018 bis 2020 sowie 2022 und 2023 deutliche Spuren hinterlassen. In der vier Hektar großen „Jägerrast“ südlich des Bauhauses sind viele Buchen und Kiefern abgestorben. Bäume entlang der Straßen und Wege in dem stark frequentierten Gebiet hat Revierförster Simon Henrich durch Mitarbeiter einer Fachfirma fällen lassen, um der Verkehrssicherungspflicht zu genügen. „Von abgestorbenen Bäumen im Bestand, die keine Gefahr für Verkehrsteilnehmer und Waldbesucher darstellen, haben wir Stämme erhalten“, teilt der Förster mit.
Brombeeren, Schlingpflanzen und Eingeschleppte
Der neue Revierleiter – Henrich hat im Oktober 2023 die Nachfolge von Uwe Fehr angetreten – habe sich mit diesem Vorgehen viel Arbeit gemacht. Sein Ziel sei es gewesen, einen ausgewogenen Kompromiss zwischen den Anforderungen Verkehrssicherung und Naturschutz auf der einen und der Erholungsfunktion des Waldes auf der anderen Seite zu finden. Die zahlreichen kleinen Bäume etlicher Arten, die auf den freigewordenen Stellen heranwachsen, versprechen einen Erfolg seiner Strategie. „Die Naturverjüngung muss allerdings durch unsere Forstwirte in den ersten Jahren gepflegt werden. Ansonsten wird sie vielfach überwachsen“, gibt der Förster zu bedenken.
In der „Jägerrast“ sind es insbesondere Brombeeren, die die Jungbäume zu überwuchern drohen. Zwei, drei Kilometer Luftlinie davon entfernt, in der Waldabteilung „Kuhbrunnen“, nehmen Schlingpflanzen manches Bäumchen, darunter Eichen, in den Würgegriff und stellen schnellwachsende Neophythen (fremdländische Pflanzen) wie die Spätblühende Traubenkirsche, die Naturschützer Christoph Kohler an der zweiten und letzten Station der „Dialog Wald“-Radler erkannt hat, den erwünschten Nachwuchs in den Schatten. „Unsere Forstwirte müssen an solchen Stellen mindestens alle drei bis fünf Jahre die kleinen Bäume freischneiden“, sagt Henrich.
Erfahrene Waldarbeiter kurz vor der Rente
Weil die Stelle im „Kuhbrunnen“ typisch sei für den Speyerer Stadtwald – einheimische Jungbäume stehen in Konkurrenz mit Sträuchern und teils auch Bäumen, die rekordverdächtig schnell wachsen –, sei die Pflege der Naturverjüngung sehr aufwendig, sagt der Förster. „Für unsere beiden Forstwirte ist das zu viel. Wir bräuchten noch einen oder zwei weitere Mitarbeiter dafür“, stellt er fest. Außerdem gingen die beiden erfahren Waldarbeiter in wenigen Jahren kurz hintereinander in Rente. Ihre Erfahrung dürfe nicht verloren gehen.
Beigeordnete und Umweltdezernentin Irmgard Münch-Weinmann sieht ebenfalls einen Bedarf für weitere Stellen in dem Bereich. „Doch aktuell haben wir uns damit noch nicht durchsetzen können“, informiert sie über Widerstand gegen diesen Personalaufwuchs innerhalb der Verwaltung. „Ich werde dranbleiben“, kündigt Münch-Weinmann an. Der Plan B zu mehr eigenem Personal für die Pflege der Naturverjüngung ist die Beauftragung von Fachfirmen, womit Henrich zwar gute Erfahrungen gemacht hat. Doch das sei auf Dauer kostspielig.
Forstamtsleiter Christopher Skala ist ebenfalls bei dem Ortstermin dabei. „Der Speyerer Stadtwald sieht insgesamt besser aus als viele andere Wälder in der Region“, sagt er. Förster Henrich ist überzeugt, dass ein Grund dafür das starke Engagement der Jäger ist. „Ohne Sie würden Rehe viel mehr Jungbäume verbeißen“, lobt er den ebenfalls anwesenden Jagdpächter Martin Mayer. Insbesondere Eichen seien bei dem Wild beliebt. Und genau auf diese Baumart setzt Henrich unter anderen neben Buchen und Esskastanien angesichts des Klimawandels.