Speyer Stadtmobile von der Steckdose
Ein, zwei Mal mit dem Fuß für Schwung gesorgt, schon ist Dieter Seidel bei den fünf Kilometern pro Stunde angekommen, ab denen sich der Motor in Bewegung setzt. Er kann nun beide Füße auf das Trittbrett stellen und kurvt je nach Gas-Gabe mit bis zu Tempo 20 über das Altstadt-Pflaster. „Ein fantastisches Gefährt“, sagt er. Motorisierte Zweiräder habe er schon immer gefahren, Kreidler und Triumph waren die Marken seiner jüngeren Jahre. Heute ist es der zusammenklappbare „Metz-Moover“, für den er fast 2000 Euro hingelegt hat. Touren zum Beispiel nach Dudenhofen macht er weiterhin mit dem Pedelec, das er schon länger nutzt, Touren innerhalb der Stadt legt der Rentner nun mit dem neuen Zweirad zurück. Seit 35 Jahren lebt Seidel in Speyer. Er fahre mit dem Scooter etwa zur Weinstube „Rabennest“, packe das 16-Kilo-Gefährt aber auch bei geplanten Reisen nach München und Wernigerode ein. „Ich wollte so was schon länger“, betont Seidel. Er habe zuerst nach chinesischen Modellen geschaut, aber erst dann zugegriffen, als die Bundespolitik sich über die Regeln für Deutschland einig war. Seit vier Wochen ist er nun – von der Polizei bislang toleriert – mit Versicherungskennzeichen unterwegs. Er habe nur gute Erfahrungen gemacht: „Ich fahre diszipliniert, rase nicht unvernünftig durch die Gassen und kann jederzeit absteigen“, erklärt er. So komme er gut mit Fußgängern klar; öffentlich geäußerte Befürchtungen, dass diese nun gefährdet seien, teilt er nicht. Auch wenn Seidel das Fahren Spaß macht: Allein aus Jux und Dollerei hat er die Investition nicht getätigt. Der Senior leidet an der Lungenkrankheit COPD, eine Folge seiner beruflichen Tätigkeit als Zimmermann, wie er sagt. „Der Scooter ist eine Entlastung für mich.“ Für weite Spaziergänge sei er zu kurzatmig, der neue Roller erhalte ihm seine Mobilität. Seidel kann ihn zusammengeklappt im Flur seines Altstadt-Hauses lagern, das sei ebenso einfach wie das Aufpumpen der Reifen oder das Aufladen des Akkus an der Steckdose, berichtet er. 20 Kilometer betrage die Reichweite. Auch E-Roller mit Sitzen kommen in Speyer an Mit Wohlwollen blickt ein bekannter Speyerer auf die neuen Gefährte: „Ich begrüße die Zulassung“, sagt Dr. Uwe Eissler, Gynäkologie-Chefarzt am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus. Er rät den Fahrern aber zu „gewissen Schutzmaßnahmen“ wie dem Tragen eines Helms. Eissler nutzt selbst ebenfalls ein Zweirad mit Elektroantrieb, jedoch keinen Tretroller, sondern einen zum Aufsitzen mit 45 Kilometer pro Stunde „Spitze“, der nur auf Straßen fahren darf. Den Umstieg vom Fahrrad auf den Elektroroller hat der 55-Jährige, der seit 2004 die Verantwortung für die größte rheinland-pfälzische Geburtsabteilung trägt, vor drei Jahren vollzogen. „Man kann auf ihm zu zweit sitzen und mehr transportieren als mit dem Fahrrad“, erklärt er. Zudem stinke er nicht, und die Parkplatz-Suche sei kein Problem. Einziger Kritikpunkt: Die Reichweite mit einer Aufladung sei viel geringer als die versprochenen 60 Kilometer. Auch Marco Schmidt (50) ist mit einem E-Roller unterwegs. Er hat Ende 2018 zugegriffen, als eine Vespa auf den Markt kam, die nicht von Treibstoff abhängig war. „Ich wohne in der Speyerer Altstadt und arbeite bei der BASF, jetzt habe ich eine dritte Möglichkeit, um dorthin zu kommen.“ Er fahre teils mit der S-Bahn, teils mit dem Fahrrad, und jetzt immer öfter mit seinem Roller, wenn etwa die Bahn verspätet sei. 40 Minuten benötige er dann über Waldsee und Neuhofen nach Ludwigshafen. 45 Stundenkilometer und 4 kW Leistung reichten aus: „Er zieht an der Ampel super.“ Schmidt hat eine Steckdose vor seinem Haus installiert, um den Roller zu laden. 100 Kilometer betrage die Reichweite. Wie Eissler sind für ihn die zwei Sitze wichtig, vom Chefarzt unterscheidet ihn indes seine Einstellung zu den neuen Tretrollern: Er ist da noch skeptisch. „Ich würde mich damit nicht auf die Straße trauen. Das gibt bestimmt Stress mit Fußgängern.“