Speyer
Stadtleben: Es grünt und blüht in der Domstadt
Eigeninitiative: Das gryne Band lebt weiter
Vor zwei Jahren startete die Stadt Speyer eine grüne Aktion: 137 Tage lang brachten Pflanzpaten mit 120 Holzkisten die Domstadt zum Blühen.
Weil ihm die Aktion so gut gefallen hat, das „gryne Band“ allerdings nicht bis zu seinem Wohnhaus in Speyer-Süd reichte, hat RHEINPFALZ-Leser Helmut Schmid kurzerhand seine eigene Pflanzkiste gezimmert und beschriftet. Bereits kurz nach dem Start der Aktion im Mai 2019 hat der 89-Jährige mit Holz, das er noch zu Hause lagerte, die Kiste zusammengebaut, bepflanzt und beschriftet, wie er berichtet. „Seitdem schmückt sie unsere Einfahrt“, sagt Schmid, der sich gerne im Garten aufhält. Im Winter habe er die Kiste mit Holzschutzmittel überholt, in der Blühsaison im Vorjahr zweimal bepflanzt. In diesem Jahr ist es erst ein paar Wochen her. „Die Blumen blühen schon ganz herrlich“, sagt Schmid stolz. Für die gryne Aktion der Stadt findet der gebürtige Speyerer nur lobende Worte: „Das war eine tolle Idee und eine ganz simple Sache mit großer Wirkung. An den Pflanzen haben sich viele Spaziergänger erfreut – auch von außerhalb.“
Blühwiese: Ein Projekt mit Hindernissen
Einen grünen Daumen hat auch RHEINPFALZ-Leser Bert Münzer. Bei der Stadtaktion „Das gryne Band“ kümmerte er sich als Pflanzpate um einen Pflanzkasten am St.-Guido-Stifts-Platz. Weil dem pensionierten Hobbygärtner der Naturschutz nach eigenem Bekunden sehr am Herzen liegt, ist er gerade dabei, eine Blühwiese vor und hinter dem Mehrfamilienhaus, in dem er wohnt, anzulegen. Münzer erzählt, dass sich die Eigentümergemeinschaft des Hauses an der Peripherie der Altstadt vor gut zwei Jahren dazu entschieden habe, zwei marode Grasflächen zur Blühwiese umzugestalten. Er habe sich für die Umsetzung des Projekts freiwillig gemeldet, so Münzer. Tipps und Anregungen beziehe er etwa aus dem Natur- und Vogelschutzverein Dudenhofen oder der Bieneninitiative Speyer, in denen er sich engagiert.
„Ich bin nun schon das dritte Jahr dran, eine Wiese herzustellen“, berichtet der Hobbygärtner. Im ersten Jahr seien ihm die Pflänzchen vertrocknet. Zudem habe starker Vogelfraß durch Tauben die Aussaat sehr dezimiert. Die Netze, die Münzer daraufhin über die frisch eingesäte Fläche gespannt habe, hielten die Tauben nach Aussagen des Pensionärs nicht fern. Beim zweiten Versuch hat der Hobbygärtner nach eigenem Bekunden Schnittgut der Deichmeisterei ausgelegt. Doch auch das „Impfen von Brachstellen“ erzeugte laut Münzer nicht das gewünschte Ergebnis.
In diesem Jahr will es der Naturfreund nochmals mit neuem Saatgut versuchen. Davon, dass der ein oder andere Nachbar bereits zu murren beginne, weil sich bisher nur ein paar wenige Pflänzchen durchsetzen konnten, lässt sich der Speyerer nicht beirren. „Der Aufbau einer Wiese dauert mindestens zwei Jahre, wenn nicht sogar länger. Das sagt auch die Firma, von der ich das Saatgut beziehe“, erklärt Münzer.
Einen weiteren Rückschlag musste der Naturfreund erst kürzlich erfahren. So seien einige seiner Pflanzen auf der Blühwiese vor dem Haus mit einer weißen Flüssigkeit – Gift – besprüht worden. Diese sei nach Auffassung Münzers dieselbe Flüssigkeit gewesen, die bereits vor zwei Jahren an den Pflanzen seiner Holzkiste auf dem St.-Guido-Stifts-Platz klebte. Binnen einer Woche seien alle Pflänzchen verwelkt. Eine derartige mutwillige Zerstörung ärgert den 68-Jährigen sehr. Durch seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit beim Technischen Hilfswerk habe er viel Umweltverwüstung etwa bei Hochwassereinsätzen gesehen. „Einmal stand eine ganze Hütte unter Wasser, die voll mit Pflanzenschutzmitteln war. Nachdem sich durch das Wasser alles verteilt hat, ist dort ein bis zwei Jahre nichts mehr gewachsen“, so Münzer.
An seinem Blühwiesenprojekt möchte der Hobbygärtner trotz der Rückschläge weiterhin festhalten. „So eine Blühwiese ist eine gute Sache. Es wird so viel zugepflastert und zerstört. Da ist es wichtig, Flächen zu schaffen, um die Artenvielfalt zu erhalten“, betont Münzer.
Flugplatz: Ungewöhnliche Gäste gesichtet
Kürzlich fotografierte RHEINPFALZ-Leser Richard Kuhn ein paar ungewöhnliche Besucher des Speyerer Flugplatzes. „Keine alltäglichen Gäste: Der Feldhase hat den Flugplatz Speyer/Ludwigshafen als Habitat erobert“, vermerkt er dazu. Dass es sich bei den Hasen jedoch sehr wohl um alltägliche Gäste des Flugplatzes handelt, erklärt Geschäftsführer Roland Kern auf Anfrage: „Die Hasen kommen schon seit etlichen Jahren auf den Flugplatz. Früh morgens und spät abends sieht man sie manchmal vorbeihoppeln.“ Und nicht nur das: Auch Störche seien häufige und gern gesehene Gäste auf dem großen Gelände, erzählt Kern. „Im vergangenen Jahr hatten wir 16 Störche hier. Weil wir letzte Woche frisch gemäht haben, waren zwölf wieder da“, berichtet er.
Die reiche Artenvielfalt auf dem Flugplatz erklärt sich der Geschäftsführer damit, dass der Speyerer Flugplatz eine der größten Grünflächen in der Domstadt darstellt. Außerdem werde der Rasen nur gemäht, nicht gespritzt. „Die Tiere fühlen sich hier wohl“, ist sich Kern sicher. Durch die Umzäunung seien sie auf dem Flugplatz geschützt; Hunde oder andere tierische Jäger gelangten nicht auf den Platz. „Wenn das Gras frisch gemäht ist, ist der Platz für die Störche wie eine gedeckte Tafel“, erzählt Kern. Erst am Donnerstag hätten die langbeinigen Fluggäste aus dem Vogelpark Oberhausen-Rheinhausen genüsslich Frösche gemampft. „Leider bezahlen sie keine Landegebühr“, sagt der Geschäftsführer lachend.
Mit dem Flugverkehr gebe es in Bezug auf die tierischen Gäste keine Probleme. „Wir achten sehr auf die Tiere und haben eine Schreckschusspistole, um sie zu warnen, wenn ein Jet kommt“, so Kern. „Die Sicherheit steht an oberster Stelle, aber der Naturschutz ist eben auch wichtig.“