Speyer
Stadtleben: Diese Hilfe ist nicht für die Katz’
Pfälzer Tierhilfe: Speyerer Verein kämpft ums Überleben
In vielen Ländern geht es Straßenhunden gar nicht gut. Rumänien ist ein trauriges Beispiel. Mit der Pfälzer Tierhilfe hilft dort betroffenen Tieren ein in Speyer ansässiger Verein. Er steht nun selbst auf der Kippe. „Wenn nicht ein kleines Wunder geschieht“, müsse er aufgelöst worden, meint Burgis Heller. Die Musikerin ist 2014 nach Speyer gekommen, hat 2019 den Verein gegründet und führt ihn seither als Vorsitzende. Sie könne bei der Versammlung am 30. Januar gesundheitsbedingt nicht erneut antreten, erklärt die 79-Jährige. Auch weitere Vorstandsmitglieder hörten auf, und noch hätten sich keine Nachfolge-Interessenten gefunden. Jeder könne sich melden, betont Heller. „Die alten Vorstände werden gerne Hilfestellung leisten, sofern gewünscht.“ Sie könnte zum Beispiel die Homepage www.pfälzertierhilfe.de weiter pflegen oder Spendenbriefe schreiben.
Es gehe um die Hunde. „Sie sind alle gequält und vernachlässigt“, berichtet Burger. Sie kämen in eine vom rumänischen Tierschutzvereins „Fundatia Vladeasa Animal Welfare“ betriebene Auffangstation, würden dort aufgepäppelt und medizinisch betreut, bevor sie nach Deutschland vermittelt würden. Die Betreiber brächten sie dann zu Interessenten überwiegend in der Pfalz. Die Übergabe finde oft in Schwegenheim oder am Speyerer Hundeplatz statt, so Burger. Rund 30 Hunde seien auf diese Weise in den zwei Jahren seit der Clubgründung vermittelt worden. Mehr als 3000 Euro habe der Verein an Spenden gesammelt, was aber für den Betrieb der vom rumänischen Staat unterstützten Station nicht ausreiche.
Was die Tierhilfe Gutes tue, wiege die Erschwernisse auf, die die Vereinsarbeit mit sich bringe, betont die gebürtige Wienerin Burger. Es habe mit der Gründung begonnen, deren Formalien über ein Jahr in Anspruch genommen hätten. Dann habe den Verein natürlich – wie so viele andere – die Pandemie ausgebremst. Die Verteilung der Mitglieder quer durch die ganze Region mache es nicht leicht, und auch atmosphärisch sei es nicht immer reibungslos gelaufen. Sie wisse, wie wichtig die Arbeit ist, betont Burger. „Ich kann sie aber nicht alleine machen.“ Ihr großer Wunsch sei, dass der Verein fortlebt, so die Gründerin. Allen Schwierigkeiten zum Trotz könne sie mit der Erfahrung auch einer Hospitanz in der rumänischen Station sagen: „Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist großartig.“
Tierschutzverein: Hilfe bei der Kastration von Katzen
Der Tierschutzverein Speyer findet deutliche Worte: Auch in der Pfalz gebe es „erschütterndes und trauriges Elend von herumstreunenden, verwilderten Hauskatzen“. Deshalb beteiligt sich der Verein an den 17. Katzen-Kastrationswochen. Sie haben in dieser Woche begonnen und dauern bis zum 29. Januar. Speyer nimmt zum dritten Mal teil – gemeinsam mit den Tierschutzvereinen Haßloch und Schifferstadt (wir berichteten). Die Aktion bietet Tierfreunden die Möglichkeit, einen Zuschuss für einen Kater mit 20 Euro, für eine Kätzin mit 30 Euro bei den Vereinen zu beantragen, wenn sie Katzen bei den teilnehmenden Tierärzten – in Speyer Hülsmann und AniCura – kastrieren lassen.
Herumstreunende und verwilderte Hauskatzen befänden sich „sehr oft in einem bemitleidenswerten Zustand. Sie leiden an Mangelerscheinungen, Krankheiten und Parasiten. Um die Vermehrung der freilaufenden Katzen einzudämmen, ist es unerlässlich, dass alle Katzenfreunde, die Katzen, die sie versorgen, auch kastrieren lassen“, betont der Verein. Nur so könne dem Elend von Jungkatzen im Frühjahr entgegengewirkt werden.
Ein weiteres Mittel sei die konsequente Einführung einer Registrations- und Kastrationspflicht in den Gemeinden, eine sogenannte Katzenschutzverordnung, für die in Speyer bereits ein Prüfantrag beschlossen ist. Ein Entwurf aus dem Rathaus steht aus, aber Ziel ist laut Verwaltungssprecherin Lisa Eschenbach, Anfang dieses Jahres diesen vorzulegen.
„Wir hoffen, dass noch 2022 die Katzenschutzverordnung der Stadt Speyer beschlossen wird. Das würde einen großen Fortschritt zum Wohl und Schutz der freilebenden und Freigänger-Katzen bedeuten“, sagt Uwe Grimm, der Zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Speyer. „Die Katzen an den uns in Speyer bekannten Stellen werden täglich mit viel Einsatz von Freiwilligen betreut. Wir unterstützen mit Futter und bei der Kastration und Markierung. Trotzdem kommen immer wieder neue Tiere hinzu, da unvernünftige Menschen ihre Tiere nicht kastrieren lassen.“
Leider seien verwilderte Hauskatzen auch nicht mehr in eine häusliche Tierhaltung zu integrieren, berichtet Grimm. Der Verein erhalte immer wieder Hinweise von Nachbarn oder Tierärzten zu vernachlässigten Tieren oder zu einer ungewöhnlich großen Anzahl von Tieren in einem Haushalt. „Leider nehmen diese Tierhalter nicht immer wahr, was sie ihren Tieren antun oder schämen sich Hilfe anzunehmen“, ordnet Grimm ein. Es sei viel Aufklärungsarbeit notwendig, um die oft prekäre Situation der Katzen zu verbessern. Die Kastrationswochen seien dafür ein Anfang. Näheres im Netz: tierschutzverein-speyer.de.