Speyer
Stadtgeschichte(n): Studenten fechten und trinken Bier
Gut 90 Jahre bevor Speyer 2012 durch die Umbenennung der Hochschule für Verwaltungswissenschaften zu einer Universitätsstadt wurde, gab es in der Domstadt eine Verbindung von Waffenstudenten. Frühere Absolventen des Humanistischen Gymnasiums am Dom, die mittlerweile in Heidelberg, München, Würzburg und Darmstadt studierten, schlossen sich 1921 zu den „Speyerer Löwen“ zusammen. Der Name sollte an die siegreichen Kämpfe 1870 im Deutsch-Französischen Krieg in der französischen Stadt Sedan erinnern. Nach dessen Ende wurden in vielen deutschen Städten Denkmäler mit brüllenden Löwen aufgestellt.
Die Gründung der „Speyerer Löwen“ war die Folge eines Abendschoppens in der Wirtschaft „Sternemoos“. Das Gasthaus bestand von 1870 bis 1960 in der Karlsgasse, wurde von einer Familie Moos geführt und hieß ursprünglich „Zum Stern“. Zu diesen biergeselligen Treffen lud jeweils Heinrich Iffinger ein, Vater eines der Studenten und Direktor der Speyerer Brauerei Schwartz-Storchen.
Umbenennung nach Zweitem Weltkrieg
Den „Löwen“ gehörte unter anderem der im Jahr 1900 in Speyer geborene und promovierte Historiker Willi Moos von der Verbindung Thuringia Heidelberg an. Auch Georg Neumayer von der Studentenverbindung Baruthia aus Erlangen, Heinrich Iffinger von Germania aus Darmstadt, Otto Zickgraf von Teutonia aus Heidelberg, Emil Maurer von Arminia aus Würzburg sowie die Studenten Otto Wolf und Otto Sachs, deren Verbindungszugehörigkeit nicht überliefert ist, gehörten der Gruppe an.
Zum Zechen wechselten die sieben „Löwen“ in die damalige Gaststätte „Landauer Tor“ in die Landauer Straße, später in die Brauerei Schwartz-Storchen in der Korngasse. Den Nebenraum der Wirtschaft nutzten die jungen Männer als Untergrund für das Fechten und übten sich im Säbelschlagen. Im französisch besetzten Speyer war das von dem polizeilichen Sicherheitsdienst jeweils zu genehmigen. „Wir veranstalteten in dieser Zeit auch Festkommers mit Alten Herren, Damentees, Ausflüge mit Damen in den ,Grünen Baum’ nach Dudenhofen, Kegeln mit und ohne im sogenannten Moos-Keller. Die Speyerer Löwen wurden zu einem gesellschaftlich Faktor der Stadt“, wird Moos in Aufzeichnungen zitiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg benannte sich die Verbindung um in „Vereinigung Alter Herren“. An Feiertagen kamen sie zu Frühschoppen zusammen und trafen sich mit Speyerern aus anderen studentischen Kooperationen.