Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtgeschichte(n): Der erste hauptamtliche Bürgermeister

1912 Bürgermeister geworden: Ernst Hertrich.
1912 Bürgermeister geworden: Ernst Hertrich.

In der Geschichte der in der Speyerer Stadtchronik seit 1294 namentlich erwähnten Stadtoberhäupter nimmt der promovierte Jurist Ernst Hertrich eine Sonderstellung ein. War doch der vormalige Rechtsrat der Stadt Karlsruhe der erste hauptamtliche Bürgermeister der damals bayerischen Kreishauptstadt; die Bezeichnung Oberbürgermeister gab es erst ab 1923.

Als 1911 der 1904 zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählte Tabakwaren-Fabrikant, Rohtabak-Händler und Landwirt Philipp Lichtenberger (1855 – 1918) mit dem Hinweis zurücktrat, er könne aus Zeitgründen nicht mehr intensiv genug zur Entwicklung Speyers beitragen, entschloss sich der Stadtrat, einen hauptamtlichen Bürgermeister anzustellen. 23 Männer fühlten sich dazu befähigt. Drei kamen in die engere Wahl, darunter der gebürtige Speyerer Karl Konrad Stützel, ein promovierter Regierungsassessor. Er scheiterte ebenso wie der Rechtsrat Balß aus München. Stützel machte später, von 1924 bis 1933, als bayerischer Innenminister Karriere.

Zuvor Karriere gemacht hatte der zurückgetretene Philipp Lichtenberger. Bevor er in seiner Heimatstadt die erwähnten Tätigkeiten ausübte, hatte er sich in Bremen zum Kaufmann ausbilden lassen und danach in München Rechtswissenschaft und Nationalökonomie studiert. Zwischen 1894 und 1899 gehörte er der bayrischen Abgeordnetenkammer an und von Dezember 1899 bis 1907 – noch während seiner Speyerer Bürgermeisterzeit – als Nationalliberaler dem deutschen Reichstag.

Im dritten Wahlgang

Der gewählte Ernst Hertrich, am 2. September 1876 im badischen Ramsbach als Lehrersohn geboren, bekam nach der Erkenntnis des früheren Stadtarchivars Günther Groh „beim dritten Wahldurchgang die erforderliche Mehrheit, nachdem er schon bei den beiden ersten die meisten Stimmen erhalten hatte“. Die zwei ersten Wahldurchgänge waren ergebnislos verlaufen, weil keiner der drei Bewerber die ausschlaggebende absolute Mehrheit erreicht hatte.

Günther Groh: „Dr. Hertrich trat am 1. Februar 1912 seinen Dienst als Bürgermeister an und entwickelte sofort eine rege Tätigkeit.“ Unter anderem regelte er die Dienstverhältnisse von städtischen Beamten und Angestellten neu, ebenso Lohn und Urlaub der städtischen Arbeiter. Er erweiterte die Diensträume der Stadtverwaltung, indem er das neben dem Rathaus gelegene ehemalige Hotelgasthaus „Pfälzer Hof“ kaufen ließ, sorgte sich um die Verbesserung von Handel, Gewerbe und Industrie, die Verbesserung der Verkehrsverbindungen, des Fremdenverkehrs und der Versorgung mit Elektrizität, strebte die Vergrößerung des Hafens und den Bau einer festen Rheinbrücke an.

Doch der Erste Weltkrieg unterbrach Hertrichs Emsigkeit – als Offizier in Reserve musste er im Oktober 1914 einrücken. Aber auch seinen Fronturlaub stellte er der Stadt zu Verfügung und gründete ein Stadtgut, um die hungrigen Speyerer besser versorgen zu können. Am 1. Oktober 1916 fiel er in der Schlacht an der Somme. Groh: „Eine schlichte Tafel im Treppenhaus des Rathauses und der ,Hertrichweg’ an der Westseite des Hauptfriedhofs erinnern an ihn“.

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