Speyer
Stadt wirbt für Erhalt des alten „Stift“-Gebäudes
2020 sind letzte Krankenhaus-Nutzungen aus dem Gebäude in der Spitalgasse aus- und ein Corona-Testzentrum eingezogen. Jetzt kommen ukrainische Flüchtlinge dazu, und auch für die städtische EDV-Abteilung ist vorerst noch Platz. Der umbaute Raum sei groß – vergleichbar mit 30 Einfamilienhäusern, erklärte Lena Straßner von der Stadtplanung am Dienstagabend dem städtischen Ausschuss für Bauen und Stadtentwicklung. Sie stellte für das Gebäude von 1980 mit Erweiterungen in den Folgejahren einen Fahrplan für eine „Revitalisierung bis 2026“ vor. Eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe, Karlsruher Masterstudenten, Bürger und Fachplaner in einem Wettbewerb sollen bis dahin unter anderem noch beteiligt werden.
Von dem offiziell noch nicht ausgeschlossenen Thema Abriss war in der Präsentation der Stadtverwaltung nicht mehr ernsthaft die Rede. Es wurden nur Vorteile eines Erhalts angeführt: Der Baukörper sei im Stadtgefüge „etabliert“, mit seiner Skelettbauweise vielfältig nutzbar, der ihn umgebende Park könne erhalten und unnötiger Ressourcenverbrauch vermieden werden.
Bezüge zum Königsplatz
Straßner stellte die historischen Zusammenhänge des Spital-Geländes mit dem nahen Königsplatz dar und kündigte an, diesen in die Entwicklung einzubeziehen. Von CDU und Linken kam Lob, aber auch jeweils eine Mahnung: Axel Wilke (CDU) wollte einen anspruchsvollen Planungswettbewerb festgeschrieben, Karl-Heinz Erny (Linke) die Öffentlichkeit im Gestaltungsbeirat beteiligt sehen. Die Verwaltung hatte es im Februar vorgezogen, den Beirat hinter verschlossenen Türen über seine Pläne zu informieren.
Straßner stellte in der Sitzung auch schon mögliche Nutzungsszenarien vor. „Schwerpunkt soll das Thema Inklusion sein“, erklärte die Expertin aus dem Rathaus. Betreutes Wohnen und gemeinschaftliches Wohnen könnten ebenso eine Rolle spielen wie Gesundheitseinrichtungen mit Nutzung des noch vorhandenen Therapiebades. Weitere Schlagworte aus ihrer Ideensammlung waren „Kreativwerkstätten“, „Begegnungsort“ sowie – als konkrete Idee für mietbare Räumlichkeiten – „Appartements für ältere Paare mit eigenem Gartenbereich“. Die Tiefgarage mit 50 Plätzen könnte weiterhin genutzt, die Kantine im Untergeschoss wieder in Betrieb genommen werden.
Chance auf Leuchtturmprojekt
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) betonte, es gehe um „ein altes Gebäude in neuem Gewand“. Die Entwicklung stehe noch ganz am Anfang. Das Altstadt-Umfeld sei sensibel, es bestehe aber die Chance für ein Leuchtturmprojekt. Manche seien „schon etwas weiter“ als die Stadt, stellte sie einen Bezug zu Ideensammlungen des Vereins Zukunftsforum für das Stift her.
Linke-Vertreter Erny, der selbst dem Zukunftsforum angehört, sah dessen Vorschläge zu Teilen in der Stadt-Vorlage bereits berücksichtigt. Zukunftsforum-Sprecher Klaus Stein auf Anfrage: „Sie sind weitgehend deckungsgleich. Wir sind zufrieden, dass es zu diesem Sinneswandel der Stadt gekommen ist.“
