Speyer Stadt voller Entsetzen über Gewalttat

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Eine entsetzliche Gewalttat in Speyer erschütterte 1975 die Menschen in der Region und weit darüber hinaus: die Ermordung eines 13-jährigen Schülers. Die Betroffenheit über die schrecklichen Umstände des Todes des Jungen beherrschte über Monate die Gespräche. Der Gewalttäter war relativ schnell ermittelt. Er hatte 80.000 Mark erpressen wollen.

Der 37-Jährige hatte den Jungen am 1. August unter einem Vorwand in der Schule abgeholt: Dessen Vater sei verunglückt, hatte er behauptet. Dabei kam ihm zugute, dass er einmal für den Vater einige Maurerarbeiten ausgeführt hatte und der Junge ihn von daher kannte. Der Entführer legte den Arm um die Schulter des Schülers und verließ mit ihm das Schulgebäude. Statt den Jungen, wie versprochen, zu seinem Vater zu bringen, ermordete der Täter das Kind und fuhr mit ihm über die Rheinbrücke ins Badische, wo er die Leiche im Gestrüpp ablegte. Erst danach begann das Erpresserspiel mit den Eltern. Viermal rief der Entführer bei ihnen an. Sie sollten eine Tasche mit 80.000 Mark an der Ampelanlage im Unteren Domgarten ablegen, dann zur Jugendherberge weiterfahren. Dort sitze ihr Junge gefesselt in einem VW-Kombi. „Wenn Sie die Polizei einschalten, ist Ihr Kind tot, bis sie dorthin kommen“, warnte der Erpresser das Ehepaar und erweckte den Eindruck, dass mehrere Personen an der Tat beteiligt seien. Als der Vater sein Kind an der Jugendherberge nicht antraf und zurück an den Ort der Geldablage kam, war die Tasche weg. Ebenso wie der Verbrecher, der mit seinem in der Nähe geparkten Auto das Weite gesucht hatte. Die Polizei hatte sich zurückgehalten, um das Leben des Jungen nicht zu gefährden. Dass die Ermittler ihm dennoch bald auf die Spur kamen, hatte sich der Täter selbst zuzuschreiben. Unter den vielen Hinweisen nach einer eingeleiteten Großfahndung war auch eine Information eines Hoteliers im Saarland, wo der Kriminelle damals wohnhaft war. Bei ihm hatte dieser versucht, mit zwei 500-Mark-Scheinen aus der Beute zu bezahlen. Das Motiv des Angeklagten lag schnell auf der Hand: Er hatte hohe Zechschulden und wollte gleichzeitig in Dudweiler (Saar) für 50.000 Mark eine Bar kaufen, die er am 1. August übernehmen sollte. Die bei der Vernehmung, beim Geständnis und während des Prozesses gezeigte Gefühllosigkeit des Maurers aus Pforzheim, der einige Jahre in Speyer gelebt hat, machte auch erfahrene Kriminalbeamte fassungslos. So hatte er am Abend nach dem Mord von Speyer in „seiner“ Bar angerufen und gefordert: „Stellt Sekt für die Mädchen kalt. Ich komme gleich und bin schwer mit Geld beladen.“ Als ihm vorgehalten wurde, als 15-Jähriger eine 63-jährige Witwe ermordet zu haben, um an Geld zu gelangen, beschwerte sich der Verbrecher: „Ich verbitte mir das. Das war vor 22 Jahren.“ Zehn Jahre Jugendstrafe musste er nicht ganz verbüßen. Und im Laufe der Vernehmungen kam heraus, dass er am Abend vor der Speyerer Bluttat eine 71 Jahre alte Gastwirtin in Maisenbach/Zainen die Kellertreppe hinuntergestoßen und getötet hatte, um sie zu berauben. Sein ursprüngliches Geständnis in diesem Fall widerrief der Angeklagte. Das Urteil des Frankenthaler Schwurgerichts fiel am 16. Juni 1976: zweimal lebenslänglich. Der Vorsitzende Richter: „Die Kammer hatte über Fälle zu entscheiden, die zu den schwersten Bluttaten gehören, die nach dem Krieg in der Bundesrepublik begangen wurden.“ Der Angeklagte war bis bis zum 30. März 2012 hinter Gitter. Dann wurde ihm durch Beschluss der Großen Strafvollstreckungskammer Diez des Landgerichtes Koblenz die Reststrafe erlassen.

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