Speyer Stadt plant neues Buch zur jüdischen Geschichte
Licht in das von den Nazis verursachte Dunkel der jüngeren jüdischen Vergangenheit in Speyer soll ein illustriertes Buch bringen, das die Stadt 2019 herausgeben wird. Es basiert auf den mit Hilfe der Kulturstiftung Speyer digitalisierten Akten der Zentralarchive für die Geschichte des jüdischen Volkes in Jerusalem. Den digitalisierten Neuzugang stellten Oberbürgermeister Hansjörg Eger und Archivleiterin Christiane Pfanz-Sponagel im Lesesaal des Stadtarchivs vor.
„Die Digitalismen sind ein kleines Puzzle innerhalb des Projektes der Schum-Bewerbung“, sagte Eger. Wie berichtet, haben die Schum-Städte Speyer, Worms und Mainz über das rheinland-pfälzische Kultusministerium ihre gemeinsame Bewerbung für einen Weltkulturerbe-Titel auf den Weg gebracht. Im Sommer 2014 waren diese Städte in die deutsche Vorschlagsliste für die Unesco aufgenommen worden. Die Organisation wird sich dann vermutlich ab 2020 mit dem Antrag auseinandersetzen. Die bis 1938 festgehaltenen Akten des vormaligen Archivs der jüdischen Gemeinde Speyers gehen bis in die 30er-Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Sie enthalten Aufzeichnungen über das Finanzwesen („Jahresrechnung der israelitischen Kultusgemeinde mit Belegen“), über das Rechnungs- und Kassenwesen („Cassa-Conto Buch“ sowie „Quittungen und Belege der Ausgaben“), über die Synagoge und den (jüdischen) Friedhof betreffende Angelegenheiten, das Schul- und Wohlfahrtswesen, über den Wohltätigkeitfonds des Rabbinatsbezirks Frankenthal, zu dem Speyer gehörte. Und sie enthalten auch persönliche Anmerkungen von und über Speyerer Juden. Die Akten waren in der sogenannten Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 bei der Zerstörung der Synagoge erstaunlicherweise nicht verbrannt oder eingestampft worden. Sie kamen, verpackt in mehreren Kisten, über die Speyerer Kriminalpolizei zur Gestapo-Leitstelle nach Neustadt. Nach 1945 holte sie die Sureté nach Mainz, von dort kamen die Unterlagen 1953 zur französischen Militärregierung nach Baden-Baden. Die übergab sie der Jewish Trust Corporation, eine Einrichtung, die erbenloses, enteignetes jüdisches Eigentum aufnahm und sicherte. Von dort kamen die nunmehr digitalisierten Speyerer Akten, denen weitere folgen sollen, nach Jerusalem.