Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel St. Magdalena: Ein Orden fällt nicht mit der Tür ins Haus

In Speyer: der international besetzte Generalrat der Schwestern von St. Magdalena tagt mit (von links) den Schwestern Jolanda, G
In Speyer: der international besetzte Generalrat der Schwestern von St. Magdalena tagt mit (von links) den Schwestern Jolanda, Gabriela, Roberta, Waltraud und Judite.

Die Speyerer Dominikanerinnen von St. Magdalena feilen an ihrer Zukunft. Die Herausforderungen sind groß: Überalterung in Deutschland, Suche nach neuen Strukturen in Südamerika. Der Generalrat als Entscheidungsgremium tagt den ganzen Januar über in ihrem Kloster im Hasenpfuhl und hat sich dafür Unterstützung aus Kolumbien geholt.

Schwester Gabriela ist 36 Jahre im Orden, aber erst zum zweiten Mal in Deutschland. Sie gehört dem Generalrat als Leitungsgremium nicht an, ist als Novizenmeisterin allerdings zu dessen aktueller Sitzungsperiode in Speyer eingeladen. Sie soll darüber berichten, wie der Aufbau des neuen Ausbildungshauses der Dominikanerinnen in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota läuft. „Um in Speyer präsent bleiben zu können, müssen wir in Kolumbien etwas tun“, erklärt Generalpriorin Schwester Roberta, die „Chefin“ des Ordens. Nur noch rund 20 von 74 Angehörigen der 800 Jahre alten Ordensgemeinschaft wirken am Stammsitz in Speyer, die meisten davon sind jenseits der 80.

Um in Deutschland gezielt Interessentinnen anzusprechen, gebe es derzeit kein ausgefeiltes Konzept, informieren die Schwestern. Sie haben immer mal wieder Neuzugänge verzeichnet, die zuletzt aber nicht dauerhaft in St. Magdalena geblieben seien. Vereinzelt meldeten sich verwitwete Frauen. Das große Klostergelände im Hasenpfuhl ist das älteste in der Pfalz, wird aber längst nur noch in Teilen genutzt. „Wir möchten hier präsent sein“, betont die Generalpriorin – genau deshalb hat sie Schwester Gabriela eingeladen. Der Gast ist verantwortlich für das Ordensprojekt in Kolumbien, „das uns Licht gibt“, wie es Schwester Roberta ausdrückt.

„Die Hauptaufgabe besteht darin, die Ausbildung der jungen Schwestern zu vereinheitlichen“, berichtet Schwester Gabriela von ihrer dortigen Arbeit. Die Biologie- und Musiklehrerin war in Brasilien in der Mission und als Schulleiterin für den Orden tätig. In Brasilien und Peru ist dieser seit den 1930er-Jahren tätig. 2023 ist Kolumbien hinzugekommen. Am 2. Februar 2024 wurde dort das Ausbildungshaus eröffnet, dem Schwester Gabriela vorsteht. Ihr Team arbeite in Bogota gut mit Vertretern anderer Orden zusammen: Es gebe eine hochqualifizierte Arbeitsgemeinschaft, die deren Angebote in Pfarreien, Schulen und Hochschulen vorstelle.

„Die Schwestern kommen aus allen Regionen unserer Kongregation und entwickeln gemeinsam einen Geist“, sagt die Novizenmeisterin über das Ausbildungshaus. Sie begleitet Anwärterinnen auf eine Aufnahme im Orden, schon bevor diese offiziell in die achtjährige Phase eintreten, in der sie sich über das Noviziat und die Erste Profess für die Ewige Profess entscheiden. Ausbildung bedeutet für die Dominikanerinnen von St. Magdalena dabei vor allem das theologische Rüstzeug für das Ordensleben. „Es muss das Richtige für die Frauen sein“, unterstreicht Schwester Gabriela. Schließlich handele es sich um einen „alternativen Lebensentwurf“. Die Ordensfrauen verhehlen nicht, dass sie dabei auch Enttäuschungen erlebt haben. Novizinnen müssten nicht nur gebildet sein, sondern auch „fähig, in der Gemeinschaft zu leben und für andere da zu sein“. Das habe mit einer tiefen Spiritualität zu tun.

Sie sei immer voller Gottvertrauen unterwegs gewesen und habe die Dinge so genommen, wie sie kamen, sagt Schwester Gabriela, wie die Generalpriorin eine Brasilianerin. Seit sie als Novizenmeisterin Verantwortung trage, denke sie strategischer und habe Freude daran. „Wir geben der Kongregation neue Impulse. Wir bekommen nach und nach Struktur in unser Ausbildungshaus, die Mühe lohnt sich.“ In Südamerika sieht sie Perspektiven mit gezielter, sensibler Ansprache von Interessentinnen am Orden. Zur Situation in Deutschland kann sie wenig sagen. Die Vorgehensweise von jenseits des Atlantiks zu übertragen, wäre aus ihrer Sicht aber möglich: Sie würde dann Kontakt etwa zu Schulleitungen, Pfarrern oder Messdienergruppen aufnehmen und erst ein gemeinsames Kennenlernen ermöglichen, bevor überhaupt über den Orden gesprochen würde.

In Kolumbien: Schwestern unterwegs.
In Kolumbien: Schwestern unterwegs.
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